Michael Kosutnik ist Professor für  Human Resources und Organisation an der FH Kärnten.
Michael Kosutnik ist Professor für Human Resources und Organisation an der FH Kärnten. © Martin Hofmann
Freude an der Arbeit

„Fehlzeiten sinken,
Produk­ti­vität steigt“

Fachhochschulprofessor Michael Kosutnik erzählt im Interview warum Unternehmen, in denen Menschen gerne arbeiten, in mehrfacher Hinsicht profitieren.

04.02.2026 09:44 - Update am: 09.02.2026 08:10 von Sarah Aichwalder
Lesezeit 4 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Was versteht die Generation Z unter Freude an der Arbeit?

Michael Kosutnik: Für die Generation Z bedeutet Arbeits­freude vor allem Sinn im Tun zu finden, sich dabei weiter­ent­wi­ckeln zu können, sowie Flexi­bi­lität bei der Arbeits­ge­staltung. Im Vergleich zu Älteren zählen die persön­liche Weiter­ent­wicklung, faire Entlohnung und Impact, also der eigene Beitrag zum Unter­neh­mens­erfolg stärker als Hierarchie und Status. Studien zeigen, dass Werte­passung, Autonomie und häufiges Feedback zentral sind, damit sich generell die Jüngeren am Arbeits­platz wohl fühlen.

Welche Rolle spielen Teamkultur und zwischen­mensch­liche Bezie­hungen für die Motivation von Mitar­bei­tenden?

Mitar­bei­tende wollen sich zugehörig fühlen, daher prägt Teamkultur die Motivation sehr stark über psycho­lo­gische Sicherheit, Anerkennung und Gemein­schaftssinn. Gute Bezie­hungen, vor allem zwischen der Führungs­kraft und den Mitar­bei­tenden fördern Lernen, Leistung und Bindung. Gemeinsame Rituale zum Beispiel stärken die Energie im Team, verringern soziale Konflikte und wirken insgesamt positiv auf die Effizienz und Produk­ti­vität von Organi­sa­tionen.

Welche Rolle kommt Führungs­kräften zu, wenn es darum geht, ein Arbeits­umfeld zu schaffen, in dem Menschen gerne arbeiten?

Kraft Ihrer Funktion können Führungs­kräfte den Rahmen mit Sinn, klaren Zielen, fairen Regeln, möglichst hoher Autonomie und Empathie schaffen. Sie sind in der Lage Hürden aus dem Weg zu räumen, wirken durch vorbild­haftes Verhalten und fördern eine positive Feedback- und Lernkultur. Alles Aspekte, die gerade jetzt benötigt und von Mitar­bei­tenden geschätzt werden.

Wie merkt man als Führungs­kraft, dass die Stimmung im Team nicht stimmt?

Warnzeichen sind weniger Wortmel­dungen im Team bzw. zynische Wortmel­dungen, verzö­gerte Antworten, „Dienst nach Vorschrift“ und Mikro­kon­flikte. Aber auch Rückzug einzelner kann ein gefähr­liches Zeichen für schlechte Stimmung sein. Meist geht die schlechte Stimmung dann auch mit mehr Fehlern und sinkender Produk­ti­vität einher. Ein Gegen­steuern gelingt mit laufenden Stimmungs-Pulsbe­fra­gungen, Konflikt­klärung und immer wieder die „Teamregeln“ thema­ti­sieren und gegebe­nen­falls erneuern. Aber es geht auch um Trans­parenz im Team, was den Workload betrifft und immer wieder auch Priori­tä­ten­setzung.

Welche Vorteile haben Unter­nehmen, wenn Mitar­bei­tende gerne zur Arbeit kommen?

Wenn Mitar­bei­tende gerne zur Arbeit kommen, steigen Produk­ti­vität und Qualität der Arbeit. Innova­tionen und eine hohe Umset­zungs­ge­schwin­digkeit von Verän­de­rungen werden erst in einem „freud­vollen“ und angenehmen Umfeld möglich. Anderer­seits sinken Fehlzeiten und Fluktuation, die Mitar­bei­ten­den­bindung wird gestärkt.

Was sind drei konkrete Maßnahmen, um die Freude an der Tätigkeit und im Team nachhaltig zu fördern?

Drei Hebel wirken nachhaltig: Job-Crafting mit Autonomie und Aufga­ben­vielfalt, regel­mä­ßiges, stärken­ori­en­tiertes Feedback sowie psycho­lo­gische Sicherheit aktiv gestalten und konti­nu­ierlich messen. All das gestützt durch Führungs­kräfte, die gerne mit Menschen arbeiten.

Michael Kosutnik

FH-Prof. Mag. Michael Kosutnik ist seit 2019 Professor für Human Resources und Organi­sation an der Fachhoch­schule Kärnten. Zuvor war er mehr als 20 Jahre in leitenden HR-Funktionen in großen Kärntner Indus­trie­un­ter­nehmen tätig. Seine Lehr- und Forschungs­schwer­punkte liegen im Bereich Leadership sowie im HR-Management (insbe­sondere HR-Strategie, HR-Funktionen und HR-Rollen sowie opera­tives HR-Management).

Zur Person
Info-Icon
Dieser Artikel ist in Ausgabe 2/26 erschienen.
Info-Icon
Ähnliche Artikel finden Sie in der Kategorie: Thema der Woche
Info-Icon
Mehr zum Thema gibt es hier: Wie Freude die Arbeit erleichtert.