Michael Schwerdt
Hier packt der Geschäftsführer noch selbst an: Michael Schwerdt hat sich seinen Traum erfülllt, lebt heute in Kärnten am Klopeiner See, führt die Geschäfte von Zadruga und genießt seine Auszeit am Boot in Kroatien. © Erich Varh
Zadruga

Eine Familie
hat keinen Chef

Zadruga in Bleiburg entwickelte sich von einer Bäuerlichen Wirtschaftsgenossenschaft hin zu einem Handelsunternehmen mit neun Märkten an sechs Stand­orten. Seit März hat der gebürtige Deutsche Michael Schwerdt die Fäden in der Hand.

23.04.2026 08:12 - Update am: 23.04.2026 12:41 von Claudia Blasi
Lesezeit 6 Minuten

Handel heißt Wandel – das weiß der neue Zadruga-Geschäfts­führer Michael Schwerdt nur zu gut. Er stammt aus einer Unter­neh­mer­fa­milie in Lever­kusen, seine Eltern führten zwei Sparmärkte.Seit seinem sechs­ten Lebensjahr freute er sich jeden Sommer am meisten auf den Famili­en­urlaub am Sonnegger See in Südkärnten. „Schon damals wusste ich, dass ich meinen Lebens­abend in dieser Region verbringen möchte“, erzählt Schwerdt. Nicht ahnend, dass dieser Traum Jahre später in Erfüllung gehen wird.

Nach dem Abitur folgte die Ausbildung zum Fleischer. Erst über Umwege fand er seinen Einstieg in den Handel. Metro, Edeka, Wiesbauer, Zielpunkt oder Frierss zählten zu seinen Arbeit­gebern. Er verant­wortete dreistellige Millio­nen­be­träge bis mit 45 Jahren ein geistiger und körper­licher Neustart eforderlich war. Aufgeben war für den Exfuß­baller jedoch keine Option. Er übernahm wieder das Steuer in seinem Leben und startete erneut durch.

Angekommen in der Großfa­milie

Beruflich und wohl auch privat angekommen ist Schwerdt in seiner aktuellen Position als Geschäfts­führer bei Zadruga. „Als ich das Angebot erhielt, habe ich als erstes Zadruga gegoogelt – es bedeutet Großfa­milie, die zusam­menlebt und wirtschaftet“, berichtet Schwerdt. „Genau so sehe ich die Zadruga auch – und genau so möchte ich sie auch in die Zukunft führen.“ Das funktio­niere aber nur gemeinsam, weiß der ausge­bildete Personal Coach, der auch die Gastro­prüfung vorweisen kann: „Familie hat keinen Chef. Meine Aufgabe ist es, die Mitar­beiter zu begeistern und sie genau dort einzu­setzen, wo sie ihr Bestes geben können.“ Das erfordert eine starke Präsenz vor Ort. Fast täglich besucht Schwerdt neben Bleiburg die Filialen in Bad Eisen­kappel, Köttmannsdorf, Globasnitz, Eberndorf und Gallizien. Etwa 14 Stunden zählt sein Arbeitstag. Dabei behält er noch drei Baumärkte und einen Spiel­markt im Blick, die zum Unter­nehmen gehören.

Im Stammhaus in Bleiburg kennt man den „Neuen“ schon und schätzt auch seine Werte: „Ich bin ein ziemlicher Nörgler, der vor allem auf Waren­prä­sen­tation, Hygiene und Freund­lichkeit achtet. Doch bei allem Anspruch darf der Spaß und die Begeis­terung nie zu kurz kommen.“ Das sollen vor allem die Kunden bei jedem einzelnen Kontakt in den unter­schied­lichen Bereichen des Hauses spüren: Ob beim Grilleinkauf im Spar, einer Rasen­ro­boter-Beratung im Baustoff- und Baumarkt, oder im ersten Stock, wenn etwas für die Schule, ein Buchtipp oder ein modisches Outfit benötigt wird.

© Erich Varh (5)

Viele Trümpfe in der Hand

Dabei habe die Marke Zadruga mehr als nur ein Allein­stel­lungs­merkmal, um sich ganz klar vom Mitbewerb abzuheben. Allen voran die Zweispra­chigkeit, die hier nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt wird. Hinzu kommt der starke Fokus auf regionale Produkte. Über 50 Produ­zenten, die ihre Waren anbieten, liegen nicht mehr als 30 Kilometer entfernt. „Die meisten kenne ich mittler­weile persönlich“, lacht Schwerdt. Er besucht seine Liefe­ranten vor Ort und hält diese authen­ti­schen Begeg­nungen mit einem Facebook-Video fest.

Mit diesen Maßnahmen möchte man den Heraus­for­de­rungen im Handel trotzen, mutig eigene Wege gehen und auch die Menschen hinter den Produkten sichtbar machen. Denn am Ende werden Geschäfte immer noch zwischen Menschen gemacht.

Aus der Chronik
  • Im Februar 1899 wurde die erste Wirtschafts­ge­nos­sen­schaft in Kühnsdorf in Kärnten gegründet.
  • Michael Schwerdt ist der aktuelle Geschäfts­führer.
  • 120 Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter sind beschäftigt.
  • Der Umsatz beträgt jährlich rund 25 Millionen Euro.
  • Es gibt sechs Zadruga-Filialen, drei Baumärkte und einen Spiel­markt.
  • Zadruga ist ein Franchise­nehmer von Spar
Zum Unter­nehmen
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 8/26 erschienen.
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