Eine Familie
hat keinen Chef
Zadruga in Bleiburg entwickelte sich von einer Bäuerlichen Wirtschaftsgenossenschaft hin zu einem Handelsunternehmen mit neun Märkten an sechs Standorten. Seit März hat der gebürtige Deutsche Michael Schwerdt die Fäden in der Hand.
Handel heißt Wandel – das weiß der neue Zadruga-Geschäftsführer Michael Schwerdt nur zu gut. Er stammt aus einer Unternehmerfamilie in Leverkusen, seine Eltern führten zwei Sparmärkte.Seit seinem sechsten Lebensjahr freute er sich jeden Sommer am meisten auf den Familienurlaub am Sonnegger See in Südkärnten. „Schon damals wusste ich, dass ich meinen Lebensabend in dieser Region verbringen möchte“, erzählt Schwerdt. Nicht ahnend, dass dieser Traum Jahre später in Erfüllung gehen wird.
Nach dem Abitur folgte die Ausbildung zum Fleischer. Erst über Umwege fand er seinen Einstieg in den Handel. Metro, Edeka, Wiesbauer, Zielpunkt oder Frierss zählten zu seinen Arbeitgebern. Er verantwortete dreistellige Millionenbeträge bis mit 45 Jahren ein geistiger und körperlicher Neustart eforderlich war. Aufgeben war für den Exfußballer jedoch keine Option. Er übernahm wieder das Steuer in seinem Leben und startete erneut durch.
Angekommen in der Großfamilie
Beruflich und wohl auch privat angekommen ist Schwerdt in seiner aktuellen Position als Geschäftsführer bei Zadruga. „Als ich das Angebot erhielt, habe ich als erstes Zadruga gegoogelt – es bedeutet Großfamilie, die zusammenlebt und wirtschaftet“, berichtet Schwerdt. „Genau so sehe ich die Zadruga auch – und genau so möchte ich sie auch in die Zukunft führen.“ Das funktioniere aber nur gemeinsam, weiß der ausgebildete Personal Coach, der auch die Gastroprüfung vorweisen kann: „Familie hat keinen Chef. Meine Aufgabe ist es, die Mitarbeiter zu begeistern und sie genau dort einzusetzen, wo sie ihr Bestes geben können.“ Das erfordert eine starke Präsenz vor Ort. Fast täglich besucht Schwerdt neben Bleiburg die Filialen in Bad Eisenkappel, Köttmannsdorf, Globasnitz, Eberndorf und Gallizien. Etwa 14 Stunden zählt sein Arbeitstag. Dabei behält er noch drei Baumärkte und einen Spielmarkt im Blick, die zum Unternehmen gehören.
Im Stammhaus in Bleiburg kennt man den „Neuen“ schon und schätzt auch seine Werte: „Ich bin ein ziemlicher Nörgler, der vor allem auf Warenpräsentation, Hygiene und Freundlichkeit achtet. Doch bei allem Anspruch darf der Spaß und die Begeisterung nie zu kurz kommen.“ Das sollen vor allem die Kunden bei jedem einzelnen Kontakt in den unterschiedlichen Bereichen des Hauses spüren: Ob beim Grilleinkauf im Spar, einer Rasenroboter-Beratung im Baustoff- und Baumarkt, oder im ersten Stock, wenn etwas für die Schule, ein Buchtipp oder ein modisches Outfit benötigt wird.
Viele Trümpfe in der Hand
Dabei habe die Marke Zadruga mehr als nur ein Alleinstellungsmerkmal, um sich ganz klar vom Mitbewerb abzuheben. Allen voran die Zweisprachigkeit, die hier nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt wird. Hinzu kommt der starke Fokus auf regionale Produkte. Über 50 Produzenten, die ihre Waren anbieten, liegen nicht mehr als 30 Kilometer entfernt. „Die meisten kenne ich mittlerweile persönlich“, lacht Schwerdt. Er besucht seine Lieferanten vor Ort und hält diese authentischen Begegnungen mit einem Facebook-Video fest.
Mit diesen Maßnahmen möchte man den Herausforderungen im Handel trotzen, mutig eigene Wege gehen und auch die Menschen hinter den Produkten sichtbar machen. Denn am Ende werden Geschäfte immer noch zwischen Menschen gemacht.
- Im Februar 1899 wurde die erste Wirtschaftsgenossenschaft in Kühnsdorf in Kärnten gegründet.
- Michael Schwerdt ist der aktuelle Geschäftsführer.
- 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beschäftigt.
- Der Umsatz beträgt jährlich rund 25 Millionen Euro.
- Es gibt sechs Zadruga-Filialen, drei Baumärkte und einen Spielmarkt.
- Zadruga ist ein Franchisenehmer von Spar