Facharbeiter von morgen: Lehre besser als ihr Image
Kärntner Betriebe setzen auf die Lehre und das mit Überzeugung. 6562 junge Menschen absolvieren derzeit eine Berufsausbildung in den Ausbildungsbetrieben im Land. Aber nach wie vor kämpft die duale Ausbildung noch immer gegen ein Imageproblem.
Die Lehre ist längst kein Ausbildungsweg zweiter Wahl mehr. In Kärnten gibt es zahlreiche Betriebe, die aktiv etwas gegen Fachkräftemangel tun und jungen Menschen eine moderne Ausbildung bieten. Ob Konditorei, Kfz-Betrieb, Modegeschäft oder Snowboardhersteller – die Vielfalt der Lehrberufe spiegelt die Breite der Wirtschaft wider. „Die Lehre ist heute ein moderner Ausbildungsweg, der spannende Perspektiven eröffnet“, bringt es Astrid Legner, Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft und WK-Vizepräsidentin, auf den Punkt, die mit der Kampagne „g’lernt is g’lernt“ das Image der Lehre im Land verbessern möchte.
Am meisten Lehrlinge gibt es aktuell in der Elektrotechnik und im Einzelhandel, gefolgt von Metalltechnik und Kfz-Technik. Bei den Burschen sind technische Berufe besonders beliebt, bei den Mädchen führt der Einzelhandel, gefolgt von Büro und dem Friseurberuf. Obwohl es spannende neue Berufe gibt, von der IT über die Snowboardherstellung bis hin zum Handwerk, ist laut Statistik die Berufswahl doch noch eher traditionell geprägt.
Quer durch alle Branchen fällt jedoch auf: Immer mehr Betriebe setzen gezielt auf eine wertschätzende Ausbildungskultur, wie die vorgestellten Beispiele aus den verschiedenen Bezirken zeigen. Damit holen sie sich auch Jugendliche mit Matura in den Betrieb, die ihre schulische Karriere mit einer praktischen Ausbildung verbinden.
Lehrlinge sind keine billigen Hilfskräfte, sondern die Fachkräfte von morgen. „Lehrjahre sind Ehrenjahre“, lautet das Motto von Autohaus Jarnig in Völkermarkt und dieser Gedanke zieht sich durch viele Lehrbetriebe. Wer heute in Ausbildung investiert, sichert morgen seinen Betrieb.
Grundprinzipien des Verkaufs erlernen
„Der Beruf des Einzelhandelskaufmanns oder der ‑kauffrau ist ein sehr schöner Beruf, da man mit seiner Kunst des optimalen Stylings seine Kundinnen und Kunden glücklich machen kann. Die Grundprinzipien des Verkaufs zu erlernen, ist zugleich der Schlüssel für viele andere Berufsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Sparten.“
Aktiv in neue Produkte einbringen
„Wir versuchen, den Lehrlingen die Vielseitigkeit und die Kreativität unseres Handwerks zu vermitteln. Die Lehrlinge haben jederzeit die Möglichkeit, sich aktiv in neue Produkte oder Qualitätsverbesserung einzubringen. Jeder Lehrling ist ein wertgeschätztes Teammitglied und seine Meinung ist uns wichtig. Als Familienbetrieb bieten wir auch Flexibilität.“
Praktisches Wissen erwerben
„Wir bieten Lehrmöglichkeiten in der Produktion, Prozesstechnik und im Büro. Die Lehre an sich ist attraktiv, da sie die Möglichkeit bietet, praktisches Wissen zu erwerben. Wir sind flexibel bei der Gestaltung der Lehre und bieten viele verschiedene Formen an – von der normalen Lehre über Lehre mit Matura bis hin zu verkürzten Formen.“
Von Anfang an Aufgaben übernehmen
„Wir sind ein Fachbetrieb für alle Fahrzeugmarken. Es ist wichtig, dass der Lehrling von Anfang an Aufgaben übernehmen darf, die über die Instandhaltung der Infrastruktur hinausgehen. Als Betriebe sind wir gefordert, unser Wissen der nächsten Generation weiterzugeben, und wir müssen selbst vermehrt qualifizierte Fachkräfte für die Zukunft ausbilden.“
Sich gegenseitig anspornen
„Mittlerweile kommen hauptsächlich Lehrlinge zu uns, die Matura oder eine schulische Ausbildung haben. Acht Mal in Folge waren unsere Lehrlinge auch Bundessieger in Österreich. Sie haben Spaß am Handwerk und spornen sich gegenseitig an. Das Wichtigste bei der Ausbildung sind Wertschätzung, Engagement der Chefs und klare Aufgaben.“
Die Liebe zum Beruf entdecken
„Wir sind stolz auf unsere Lehrlinge im Bereich Harmonikamacher:in, die für sich die Liebe zum Beruf entdeckt haben. Maria hat die Lehre erfolgreich abgeschlossen und bleibt im Betrieb, die freien Ausbildungsplätze haben wir bereits vergeben. Als nächstes beginnt ein männlicher Lehrling die Ausbildung.“
Alle Abteilungen ausprobieren
„In der Gesellschaft hat das Handwerk noch immer den falschen Status. Es muss in der Wertigkeit gehoben werden. Wir binden unsere Lehrlinge vom ersten Tag an in unsere Projekte und Gemeinschaft ein. Nachdem die Lehrlinge alle Abteilungen durchlaufen haben, können sie sich am Ende der Ausbildung aussuchen, in welcher Abteilung sie gerne arbeiten möchten.“
Lehrjahre als Ehrenjahre verstehen
„Lehrlinge sind keine günstigen Hilfsarbeiter mehr, sondern ein wichtiger und wertvoller Teil unseres Betriebes, dem große Aufmerksamkeit gebührt. Sie sind immerhin die Zukunft unseres Unternehmens. Unser Motto lautet: Lehrjahre sind Ehrenjahre. Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit den Schulen, bieten Schnuppertage an und besuchen Lehrlingsmessen.“
Wo das Glück zu finden ist