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Lehrlinge

Fachar­beiter von morgen: Lehre besser als ihr Image

Kärntner Betriebe setzen auf die Lehre und das mit Überzeugung. 6562 junge Menschen absolvieren ­derzeit eine Berufsausbildung in den Ausbildungs­betrieben im Land. Aber nach wie vor kämpft die duale Ausbildung noch immer gegen ein Imageproblem.

13.04.2026 11:29 - Update am: 13.04.2026 11:29 von Anita Arneitz
Lesezeit 10 Minuten

Die Lehre ist längst kein Ausbil­dungsweg zweiter Wahl mehr. In Kärnten gibt es zahlreiche Betriebe, die aktiv etwas gegen Fachkräf­te­mangel tun und jungen Menschen eine moderne Ausbildung bieten. Ob Kondi­torei, Kfz-Betrieb, Modege­schäft oder Snowboard­her­steller – die Vielfalt der Lehrberufe spiegelt die Breite der Wirtschaft wider. „Die Lehre ist heute ein moderner Ausbil­dungsweg, der spannende Perspek­tiven eröffnet“, bringt es Astrid Legner, Landes­vor­sit­zende von Frau in der Wirtschaft und WK-Vizeprä­si­dentin, auf den Punkt, die mit der Kampagne „g’lernt is g’lernt“ das Image der Lehre im Land verbessern möchte.


Am meisten Lehrlinge gibt es aktuell in der Elektro­technik und im Einzel­handel, gefolgt von Metall­technik und Kfz-Technik. Bei den Burschen sind technische Berufe besonders beliebt, bei den Mädchen führt der Einzel­handel, gefolgt von Büro und dem Friseur­beruf. Obwohl es spannende neue Berufe gibt, von der IT über die Snowboard­her­stellung bis hin zum Handwerk, ist laut Statistik die Berufswahl doch noch eher tradi­tionell geprägt.


Quer durch alle Branchen fällt jedoch auf: Immer mehr Betriebe setzen gezielt auf eine wertschät­zende Ausbil­dungs­kultur, wie die vorge­stellten Beispiele aus den verschie­denen Bezirken zeigen. Damit holen sie sich auch Jugend­liche mit Matura in den Betrieb, die ihre schulische Karriere mit einer prakti­schen Ausbildung verbinden.
Lehrlinge sind keine billigen Hilfs­kräfte, sondern die Fachkräfte von morgen. „Lehrjahre sind Ehren­jahre“, lautet das Motto von Autohaus Jarnig in Völker­markt und dieser Gedanke zieht sich durch viele Lehrbe­triebe. Wer heute in Ausbildung inves­tiert, sichert morgen seinen Betrieb.

© Anita Arneitz

Grund­prin­zipien des Verkaufs erlernen

„Der Beruf des Einzel­han­dels­kauf­manns oder der ‑kauffrau ist ein sehr schöner Beruf, da man mit seiner Kunst des optimalen ­Stylings seine Kundinnen und Kunden glücklich machen kann. Die Grund­prin­zipien des Verkaufs zu erlernen, ist zugleich der Schlüssel für viele andere Berufs­mög­lich­keiten in unter­schied­lichsten Sparten.“

Christina Kulterer mit Anna Maria Kulterer-Liendl
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Aktiv in neue Produkte einbringen

„Wir versuchen, den Lehrlingen die Vielsei­tigkeit und die Kreati­vität unseres Handwerks zu vermitteln. Die Lehrlinge haben jederzeit die Möglichkeit, sich aktiv in neue Produkte oder Quali­täts­ver­bes­serung einzu­bringen. Jeder Lehrling ist ein wertge­schätztes Teammit­glied und seine Meinung ist uns wichtig. Als Famili­en­be­trieb bieten wir auch Flexi­bi­lität.“

Hanna Craigher
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Prakti­sches Wissen erwerben

„Wir bieten Lehrmöglich­keiten in der Produktion, Prozess­technik und im Büro. Die Lehre an sich ist attraktiv, da sie die Möglichkeit bietet, prakti­sches Wissen zu erwerben. Wir sind flexibel bei der Gestaltung der Lehre und bieten viele verschiedene Formen an – von der normalen Lehre über Lehre mit Matura bis hin zu verkürzten Formen.“

Wilhelm Ebner
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Von Anfang an Aufgaben übernehmen

„Wir sind ein Fachbe­trieb für alle Fahrzeug­marken. Es ist wichtig, dass der Lehrling von Anfang an Aufgaben übernehmen darf, die über die Instand­haltung der Infra­struktur hinaus­gehen. Als Betriebe sind wir gefordert, unser Wissen der nächs­ten Generation weiter­zu­geben, und wir müssen selbst vermehrt quali­fi­zierte Fachkräfte für die Zukunft ausbilden.“

Ronald Eisner
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Sich gegen­seitig anspornen

„Mittler­weile kommen haupt­sächlich Lehrlinge zu uns, die Matura oder eine schulische Ausbildung haben. Acht Mal in Folge waren unsere Lehrlinge auch Bundes­sieger in Öster­reich. Sie haben Spaß am Handwerk und spornen sich gegen­seitig an. Das Wichtigste bei der Ausbildung sind Wertschätzung, Engagement der Chefs und klare Aufgaben.“

Erich und Carmen Semmelrock
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Die Liebe zum Beruf entdecken

„Wir sind stolz auf unsere Lehrlinge im Bereich Harmonikamacher:in, die für sich die Liebe zum Beruf entdeckt haben. Maria hat die Lehre erfolg­reich abgeschlossen und bleibt im ­Betrieb, die freien Ausbil­dungs­plätze haben wir bereits vergeben. Als nächstes beginnt ein männlicher Lehrling die Ausbildung.“

Marcel Müller mit Maria Richter und Lilly Ortner
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Alle Abtei­lungen auspro­bieren

„In der Gesell­schaft hat das Handwerk noch immer den falschen Status. Es muss in der Wertigkeit gehoben werden. Wir binden unsere Lehrlinge vom ersten Tag an in unsere Projekte und Gemein­schaft ein. Nachdem die Lehrlinge alle Abtei­lungen durch­laufen haben, können sie sich am Ende der Ausbildung aussuchen, in welcher Abteilung sie gerne arbeiten möchten.“

Erika Verachter
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Lehrjahre als Ehren­jahre verstehen

„Lehrlinge sind keine güns­tigen Hilfs­ar­beiter mehr, sondern ein wichtiger und wertvoller Teil unseres Betriebes, dem große Aufmerk­samkeit gebührt. Sie sind immerhin die Zukunft unseres Unter­nehmens. Unser Motto lautet: Lehrjahre sind Ehren­jahre. Wir pflegen eine gute Zusam­men­arbeit mit den Schulen, bieten Schnup­pertage an und besuchen Lehrlings­messen.“

Samuel Johannes Jarnig
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 7/26 erschienen.
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