Der Zwick
„Beim Führen aufs Wesentliche konzentrieren“
Was sich Führungskräfte vom Spitzensport abschauen können und wie sie Veränderungen gut meistern, verrät Unternehmensberater und Managementtrainer Frank Edelkraut.
„Kärntner Wirtschaft“: Was bedeutet für Sie Erfolg in der Führung?
Frank Edelkraut: Erfolg in der Führung ist für mich immer eine Wirkung, die ich erziele, also das Ergebnis meines Handelns. Ob es ein kleiner oder großer Erfolg wird, ist eine andere Sache. Denn das hängt davon ab, welche Leistung und welches Ergebnis ich erbringen will. Mein Tipp: Mach dir klar, wo ihr als Betrieb hin wollt und welche Ergebnisse und Leistungen ihr erbringen müsst, um dorthin zu kommen.
Was fordert Führungskräfte in dieser Zeit besonders?
Führungskräfte stehen oft unter Dauerbeschuss und werden ständig mit Forderungen konfrontiert. Aber man kann es nicht allen recht machen und sollte es auch nicht. Es kommt nichts heraus, wenn sich jemand um tausend Dinge kümmern muss und sich nicht auf seine wesentlichen Aufgaben konzentrieren kann.
Wie gelingt das, wenn der Veränderungsdruck groß ist?
Fokus auf das Wesentliche und seine Teamkollegen mit einbinden. Hier lässt sich gut ein Vergleich zum Spitzensport ziehen. Ich bin großer Rugbyfan und auf dem Feld gibt es nicht den einen Star, sondern eine leistungsorientierte Mannschaft mit mehreren Trainern. Die Top-Spieler unterstützen sich gegenseitig und teilen sich Aufgaben auf. Das müssen unsere Führungskräfte noch besser lernen – nicht in Silos zu arbeiten, sondern die zweite und dritte Reihe besser einzubinden.
Warum sind Beispiele aus dem Spitzensport noch hilfreich für den Führungsalltag?
Weil Spitzensport als System betrachtet wird. Es geht nicht um das eine Spiel, sondern um das große Ganze. Wer hier etwas erreichen will, braucht eine klare Strategie. Viele wissen gar nicht, wie Führung in einer Organisation wirkt. Deshalb gibt es bei meinen Führungskräftetrainings auch Sporteinheiten. Beim Sport erkennen sie schnell den Unterschied zwischen denken und entscheiden.
Hervorragende Führungskräfte bauen ihre Stärken aus.
Frank Edelkraut
Leadership-ExperteWelche Rolle spielt dabei die Kommunikation?
Eine sehr große Rolle. Ich muss präzise kommunizieren können und es schaffen, dass mein Team miteinander funktioniert. Dazu gehören auch klare Rollenverteilungen und die Organisation der Prozesse. Im Sport sind diese Dinge sehr gut dokumentiert.
Wenn Führungskräfte Sport machen, führen sie dann besser?
Sport zu machen, kann helfen. Jene, die im Mannschaftssport aktiv sind, sind fitter und agieren im operativen Alltag anders. Das Gleiche gilt für Musiker. Um als Orchester zu funktionieren, müssen sie sich aufeinander einstellen.
Abgesehen von Sport und Musik, welche Kompetenzen zeichnen eine gute Führungskraft aus?
Die Wissenschaft geht davon aus, dass es viele Kompetenzen sind, die für gute Führung wichtig sind. Die Basisqualifikationen sind für alle gleich. Aber was die hervorragenden von den anderen unterscheidet, ist die eine Kompetenz, in der sie sehr gut sind. Und diese kann ganz unterschiedlich sein. Obama, Gandhi, Mandela – alle drei sind große Leader und alle drei sind unterschiedlich.
Das heißt für den Alltag?
Konzentriere dich auf das, was du gut kannst und baue dies aus. Wenn ich Führung wahrnehmen möchte, dann sollte ich mich komplett darauf einlassen und keine halben Sachen machen. Deshalb ist es wichtig, als Führungskraft in die persönliche Weiterentwicklung zu investieren.
- Frank Edelkraut wurde 1962 in Duisburg geboren und studierte Chemie.
- Der promovierte Naturwissenschaftler hat zudem eine Managementausbildung und ist zertifizierter Experte für Führung, Mentoring und agiles Lernen.
- Seit über 30 Jahren begleitet er Transformationsprozesse als Interimsmanager, Geschäftsführer und Trainer.
- 2025 erschien sein Buch „Leadership vom Kopf auf die Füße stellen, Führung klar und fokussiert aufs Wesentliche ausrichten“ im BusinessVillage Verlag.
- Aktuell lebt er in Hamburg. Seine Freizeit verbringt Edelkraut gerne mit Sport und seinen Enkelinnen.