„Das Richtige weglassen, heißt effizent faul sein“
Warum weniger Arbeit oft zu besseren Ergebnissen führt und Dauerstress kein Leistungsbeweis ist und wie Unternehmer durch bewusste Pausen wirksamer werden, erklärt Unternehmer und Wissenschaftler Uwe Seebacher.
„Kärntner Wirtschaft“: Sie sprechen vom Konzept des „effizient faul Seins“. Was bedeutet das konkret für Unternehmer und was ganz sicher nicht?
Uwe Seebacher: Effizient faul zu sein heißt nicht, nichts zu tun oder Verantwortung abzugeben, sondern sehr bewusst zu entscheiden, was man tut – und vor allem, was nicht. Weniger ist oft mehr. Viele Unternehmer verwechseln auch Aktivität mit Wirksamkeit. Sie sammeln immer mehr Daten, führen immer mehr Meetings und verlieren dabei den Blick für das Wesentliche. Effizient faul zu sein bedeutet, sich konsequent am Pareto-Prinzip zu orientieren: Mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent Wirkung zu erzielen. Betriebswirtschaftlich ist das eine Frage der Kapitalallokation – führungspsychologisch eine Frage der kognitiven Selbstbegrenzung. Doch in der Praxis erzeugen Organisationen eine Daten- und KPI-Flut, die beides unterminiert: Rund 80 Prozent der Manager kennen ihre eigenen Dashboards nicht mehr.
Viele Unternehmer arbeiten sehr viel. Wo liegt der größte Denkfehler beim Thema Leistung und Arbeitszeit?
Unternehmer tragen Verantwortung für Menschen, für Existenzen und für den langfristigen Erfolg. Der Denkfehler liegt darin, Leistung über Zeit zu definieren. Wer schneller im Hamsterrad läuft, kommt trotzdem nicht weiter. Gerade wenn es schwierig wird, steigt die Hektik – körperlich wie mental. Die Gefahr auszubrennen ist enorm. Hinzu kommt ein Kontrollverständnis, das nicht mehr zeitgemäß ist. Die Generation Z beispielsweise ist nicht faul, sie arbeitet nur anders. Sie ist sehr wohl leistungsbereit, erwartet aber Sinn, Verantwortung und Vertrauen. Spätestens seit Corona sehen wir, dass Misstrauenskulturen Unternehmen teuer zu stehen kommen, sie verlieren gute Leute.
Was ist ein perfektes Tool, um effizient faul zu sein?
Das ist kein einzelnes Softwareprodukt, sondern eine Kombination aus Denkweise und Struktur. Effizient faul zu sein gleicht dem Erlernen einer neuen Sprache: Man entscheidet bewusster, klarer und strategischer. Es geht darum, intelligenter statt bloß intensiver zu arbeiten. Künstliche Intelligenz kann repetitive Tätigkeiten übernehmen und dadurch Zeit für wirklich wertschöpfende Aufgaben freispielen. Gleichzeitig braucht es strukturierte Entscheidungs- und Meeting-Templates, die Klarheit erzwingen und Komplexität reduzieren. Erst im Zusammenspiel aus Automatisierung, Priorisierung und klarer Struktur entsteht ein System, das echte Wirksamkeit ermöglicht.
Welche Tätigkeiten sollten Unternehmer sofort delegieren oder eliminieren, um wirksamer zu werden?
wirksamer zu werden?
Der erste Schritt ist eine saubere Arbeitsvorbereitung. Aufgaben müssen als klare Arbeitspakete formuliert werden. Rund 80 Prozent der Tätigkeiten lassen sich heute automatisieren oder digitalisieren. Man muss sich ehrlich fragen: Was ist wirklich wertschöpfend? Im Durchschnitt sind das nur etwa 30 Prozent der Arbeit. Der Rest ist Logistik, Kontrolle oder Abstimmung.
„Dauerstress ist meist ein Zeichen schlecht gestalteter Prozesse.“
Uwe Seebacher
Unternehmer und WissenschaftlerWarum ist es in unserer Gesellschaft so „in“, ständig gestresst zu sein?
Stress wird oft mit Wichtigkeit verwechselt. Wer ständig beschäftigt wirkt, erscheint unentbehrlich. Sich rar zu machen, gilt als Statussymbol. Dabei ist Dauer-stress meist ein Zeichen schlecht gestalteter Prozesse. Platz für Kreativität bleibt hier nicht. Eine volle Mailbox ist selten ein Zeichen von Effizienz, sondern fast immer das Ergebnis unstrukturierter Prozesse und fehlenden Selbstmanagements. Wer wirklich effizient arbeitet, hat klare Prioritäten und Kommunikationswege. Jene, die sich stets gestresst geben, sind oft „Schwurbler“.
Wie entlarvt man „Schwurbler“ in Organisationen?
In Großunternehmen können sie sich leichter verstecken. Im Mittelstand ist der Speckmantel dafür meist zu dünn – dort schaden sie dann dem Unternehmen sehr schnell. Typische Anzeichen sind Meetings ohne Agenda oder Zielsetzung, zu lange Mails bis hin zu Gesprächen ohne klarer Botschaft. Junge Menschen sollten davor geschützt werden. Wer effizient arbeiten will, geht taktisch in Meetings: mit klarer Agenda, idealerweise mit einem Template, das bereits vorab Arbeit erledigt.
Kann jeder Ihr Konzept umsetzen?
Ja, aber es braucht Bewusstsein. Effizienz beginnt mit Selbstreflexion und dem Erkennen des Unterschiedes zwischen effizient und effizient faul. Dadurch schärft sich der Blick auf Mikroelemente des Alltags, denn viele kleine Dinge sind in der Masse enorme Zeitfresser.
Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Konzernen, KMU und Ein-Personen-Unternehmen beim Thema Effizienz?
Je kleiner die Organisation, desto unmittelbarer wirken ineffiziente Prozesse. Gleichzeitig ist dort das Potenzial am größten, schnell etwas zu verändern. Gerade EPU und KMU können durch kleine Anpassungen und die Anleitungen im Buch enorme Effekte erzielen.
Kann jeder Ihr Konzept umsetzen?
Ja, aber es braucht Bewusstsein. Effizienz beginnt mit Selbstreflexion und dem Erkennen des Unterschiedes zwischen effizient und effizient faul. Dadurch schärft sich der Blick auf Mikroelemente des Alltags, denn viele kleine Dinge sind in der Masse enorme Zeitfresser. Pausen müssen bewusst eingeplant werden, auch in fremdgesteuerten Prozessen. Prozesse sollten im Detail betrachtet und Mitarbeitende befähigt werden, „effizient faul“ zu erlernen. Und ganz wichtig: Fragen Sie jene, die an der Front arbeiten. Sie wissen am besten, wo Zeit verloren geht.
- Uwe Seebacher (54) ist seit 25 Jahren Unternehmer und ein international anerkannter Wissenschaftler, Professor, Autor und Experte für Methoden- und Strukturwissenschaften sowie Predictive Intelligence.
- Er lehrt als Professor für Data Science, Predictive Intelligence, Marketing und Kommunikation an mehreren Hochschulen und verbindet akademische Forschung mit praktischer Beratung und Managementpraxis.
- Aktuelle Publikation: „Effizient faul – Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg.“, edition a, 2025.
Der Zwick