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„Ein Meeting ohne Agenda oder ein Gespräch ohne Botschaft gibt es in effizienten Firmen nicht.“ © FYNEST 2022
Uwe Seebacher

„Das Richtige weglassen, heißt effizent faul sein“

Warum weniger Arbeit oft zu besseren Ergebnissen führt und Dauerstress kein Leistungsbeweis ist und wie Unternehmer durch bewusste Pausen wirksamer werden, erklärt Unternehmer und Wissenschaftler Uwe Seebacher.

09.03.2026 09:16 - Update am: 12.03.2026 10:04 von Johannes Moser
Lesezeit 6 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Sie sprechen vom Konzept des „effizient faul Seins“. Was bedeutet das konkret für Unter­nehmer und was ganz sicher nicht?

Uwe Seebacher: Effizient faul zu sein heißt nicht, nichts zu tun oder Verant­wortung abzugeben, sondern sehr bewusst zu entscheiden, was man tut – und vor allem, was nicht. Weniger ist oft mehr. Viele Unter­nehmer verwechseln auch Aktivität mit Wirksamkeit. Sie sammeln immer mehr Daten, führen immer mehr Meetings und verlieren dabei den Blick für das Wesent­liche. Effizient faul zu sein bedeutet, sich konse­quent am Pareto-Prinzip zu orien­tieren: Mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent Wirkung zu erzielen. Betriebs­wirt­schaftlich ist das eine Frage der Kapital­al­lo­kation – führungs­psy­cho­lo­gisch eine Frage der kogni­tiven Selbst­be­grenzung. Doch in der Praxis erzeugen Organi­sa­tionen eine Daten- und KPI-Flut, die beides unter­mi­niert: Rund 80 Prozent der Manager kennen ihre eigenen Dashboards nicht mehr.

Viele Unter­nehmer arbeiten sehr viel. Wo liegt der größte Denkfehler beim Thema Leis­tung und Arbeitszeit?

Unter­nehmer tragen Verant­wortung für Menschen, für Existenzen und für den langfris­tigen Erfolg. Der Denkfehler liegt darin, Leis­tung über Zeit zu definieren. Wer schneller im Hamsterrad läuft, kommt trotzdem nicht weiter. Gerade wenn es schwierig wird, steigt die Hektik – körperlich wie mental. Die Gefahr auszu­brennen ist enorm. Hinzu kommt ein Kontroll­ver­ständnis, das nicht mehr zeitgemäß ist. Die Generation Z beispiels­weise ist nicht faul, sie arbeitet nur anders. Sie ist sehr wohl leis­tungsbereit, erwartet aber Sinn, Verant­wortung und Vertrauen. Spätestens seit Corona sehen wir, dass Misstrau­ens­kul­turen Unter­nehmen teuer zu stehen kommen, sie verlieren gute Leute.

Was ist ein perfektes Tool, um effizient faul zu sein?

Das ist kein einzelnes Software­produkt, sondern eine Kombi­nation aus Denkweise und Struktur. Effizient faul zu sein gleicht dem Erlernen einer neuen Sprache: Man entscheidet bewusster, klarer und strate­gi­scher. Es geht darum, intel­li­genter statt bloß inten­siver zu arbeiten. Künst­liche Intel­ligenz kann repetitive Tätig­keiten übernehmen und dadurch Zeit für wirklich wertschöp­fende Aufgaben freispielen. Gleich­zeitig braucht es struk­tu­rierte Entschei­dungs- und Meeting-Templates, die Klarheit erzwingen und Komple­xität reduzieren. Erst im Zusam­men­spiel aus Automa­ti­sierung, Priori­sierung und klarer Struktur entsteht ein System, das echte Wirksamkeit ermög­licht.

Welche Tätig­keiten sollten Unter­nehmer sofort delegieren oder elimi­nieren, um wirksamer zu werden?

wirksamer zu werden?
Der erste Schritt ist eine saubere Arbeits­vor­be­reitung. Aufgaben müssen als klare Arbeits­pakete formu­liert werden. Rund 80 Prozent der Tätig­keiten lassen sich heute automa­ti­sieren oder digita­li­sieren. Man muss sich ehrlich fragen: Was ist wirklich wertschöpfend? Im Durch­schnitt sind das nur etwa 30 Prozent der Arbeit. Der Rest ist Logistik, Kontrolle oder Abstimmung.

„Dauer­stress ist meist ein Zeichen schlecht gestal­teter Prozesse.“Zitat Ende

Uwe Seebacher

Unter­nehmer und Wissen­schaftler

Warum ist es in unserer Gesell­schaft so „in“, ständig gestresst zu sein?

Stress wird oft mit Wichtigkeit verwechselt. Wer ständig beschäftigt wirkt, erscheint unent­behrlich. Sich rar zu machen, gilt als Status­symbol. Dabei ist Dauer-stress meist ein Zeichen schlecht gestal­teter Prozesse. Platz für Kreati­vität bleibt hier nicht. Eine volle Mailbox ist selten ein Zeichen von Effizienz, sondern fast immer das Ergebnis unstruk­tu­rierter Prozesse und fehlenden Selbst­ma­nage­ments. Wer wirklich effizient arbeitet, hat klare Priori­täten und Kommu­ni­ka­ti­onswege. Jene, die sich stets gestresst geben, sind oft „Schwurbler“.

Wie entlarvt man „Schwurbler“ in Organi­sa­tionen?

In Großun­ter­nehmen können sie sich leichter verstecken. Im Mittel­stand ist der Speck­mantel dafür meist zu dünn – dort schaden sie dann dem Unter­nehmen sehr schnell. Typische Anzeichen sind Meetings ohne Agenda oder Zielsetzung, zu lange Mails bis hin zu Gesprächen ohne klarer Botschaft. Junge Menschen sollten davor geschützt werden. Wer effizient arbeiten will, geht taktisch in Meetings: mit klarer Agenda, idealer­weise mit einem Template, das bereits vorab Arbeit erledigt.

Kann jeder Ihr Konzept umsetzen?

Ja, aber es braucht Bewusstsein. Effizienz beginnt mit Selbst­re­flexion und dem Erkennen des Unter­schiedes zwischen effizient und effizient faul. Dadurch schärft sich der Blick auf Mikro­ele­mente des Alltags, denn viele kleine Dinge sind in der Masse enorme Zeitfresser.

Welche Unter­schiede sehen Sie zwischen Konzernen, KMU und Ein-Personen-Unter­nehmen beim Thema Effizienz?

Je kleiner die Organi­sation, desto unmit­tel­barer wirken ineffi­ziente Prozesse. Gleich­zeitig ist dort das Potenzial am größten, schnell etwas zu verändern. Gerade EPU und KMU können durch kleine Anpas­sungen und die Anlei­tungen im Buch enorme Effekte erzielen.

Kann jeder Ihr Konzept umsetzen?

Ja, aber es braucht Bewusstsein. Effizienz beginnt mit Selbst­re­flexion und dem Erkennen des Unter­schiedes zwischen effizient und effizient faul. Dadurch schärft sich der Blick auf Mikro­ele­mente des Alltags, denn viele kleine Dinge sind in der Masse enorme Zeitfresser. Pausen müssen bewusst einge­plant werden, auch in fremd­ge­steu­erten Prozessen. Prozesse sollten im Detail betrachtet und Mitar­bei­tende befähigt werden, „effizient faul“ zu erlernen. Und ganz wichtig: Fragen Sie jene, die an der Front arbeiten. Sie wissen am besten, wo Zeit verloren geht.

Uwe Seebacher
  • Uwe Seebacher (54) ist seit 25 Jahren Unter­nehmer und ein inter­na­tional anerkannter Wissen­schaftler, Professor, Autor und Experte für Methoden- und Struk­tur­wis­sen­schaften sowie Predictive Intel­li­gence.
  • Er lehrt als Professor für Data Science, Predictive Intel­li­gence, Marketing und Kommu­ni­kation an mehreren Hochschulen und verbindet akade­mische Forschung mit prakti­scher Beratung und Manage­ment­praxis.
  • Aktuelle Publi­kation: „Effizient faul – Minimaler Aufwand. Maximaler Erfolg.“, edition a, 2025.
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