Als Ärztin weiß Nina Psenicka, was im OP über ­Sicherheit und Ergebnisqualität entscheidet. Dieses Wissen überträgt sie auf Unternehmen.
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Nina Psenicka

„Wer langfristig führen will, braucht Energie“

Als Oralchirurgin hat sie selbst lange Zeit Spitzenleistungen erbracht, bis ihre Gesundheit sie zu einer Pause gezwungen hat. Heute weiß Nina Psenicka wie sich Leis­tung und Gesundheit vereinen lässt und warum das Wissen über eine gesunde Lebensweise noch nicht ausreicht, um auch danach zu leben.

23.03.2026 08:54 - Update am: 26.03.2026 08:46 von Ines Tebenszky
Lesezeit 4 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Volle Termin­ka­lender und lange To-do-Listen sind für viele Unter­neh­me­rinnen und ­Unter­nehmer Alltag. Wie oft bleibt dabei die Gesundheit auf der Strecke?

Nina Psenicka: In wirtschaft­lichen Hochleis­tungs­um­feldern sehr häufig – nicht aus Nachläs­sigkeit, sondern durch struk­tu­relle Verdichtung. Effizienz, Beschleu­nigung und perma­nente Erreich­barkeit erhöhen syste­ma­tisch die Belas­tungs­dichte. Gesundheit wird dabei nicht bewusst ignoriert – sie wird zur stillen Kompen­sa­ti­ons­leistung des Einzelnen.

Welche Folgen kann das ­haben?

Chronische Verdichtung senkt nicht sofort die Leistung – sondern schlei­chend die Entschei­dungs­qua­lität. Zeitho­ri­zonte verkürzen sich, Risiko­ab­wä­gungen werden defen­siver oder impul­siver. Für Unter­nehmen bedeutet das weniger Innova­ti­ons­kraft und strate­gische Tiefe. Der Preis ist selten spekta­kulär, aber wirtschaftlich relevant.

Drohender Herzin­farkt, Burnout, Depression: Auch Sie mussten eine krank­heits­be­dingte Zwangs­pause einlegen. Wie haben Sie diese Pause erlebt und was waren Ihre Lehren daraus?

Meine Zwangs­pause war kein Scheitern, sondern ein struk­tu­relles Signal. Ich hatte Inten­sität gesteigert, aber keine Begrenzung integriert. Die wichtigste Erkenntnis: Leis­tung ist kein Charak­ter­merkmal. Sie entsteht aus klarer Energie‑, Entschei­dungs- und Belas­tungs­struktur. Als tätige Chirurgin arbeite ich täglich in Systemen, in denen Fehler­toleranz minimal ist und Entschei­dungen irrever­sibel sind. Diese Prinzipien struk­tu­reller Stabi­lität übertrage ich heute in Executive-Keynotes auf Führung, Entschei­dungs­pro­zesse und Organi­sa­tionen.

Gesundheit ist kein Gegensatz zu Erfolg – sie ist seine Voraus­setzung. Zitat Ende

Nina Psenicka

Oralchir­urgin, Autorin

Bei vielen ist das Wissen über eine gesunde Lebens­weise vermutlich vorhanden. Warum ist die Umsetzung häufig schwierig?

Weil Wissen das Individuum adres­siert, Verdichtung jedoch struk­turell entsteht. Solange Stabi­lität als persön­liche Disziplin verstanden wird, bleibt das Sys­temdesign unange­tastet. Motivation ersetzt jedoch keine Struktur.

Sie haben ein eigenes ­Modell der gesunden High Perfor­mance entwi­ckelt. Auf welchen Säulen steht es?

„Gesunde High Perfor­mance®“ basiert auf vier Säulen: Klarheit und Fokus, Energie und Gesundheit, Struktur und Effizienz sowie Stabi­lität und Freude. Ziel ist Spitzenleis­tung ohne Selbst­ver­schleiß – wissen­schaftlich fundiert und wirtschaftlich anwendbar. In meiner weiter­füh­renden Arbeit erweitere ich diesen Ansatz um eine organi­sa­tionale Dimension: Leistungs­fä­higkeit ist repro­du­zierbar, wenn Archi­tektur bewusst gestaltet wird.

Was muss man tun, um ­gesunde Hochleistung zu ­erbringen?

Gesunde Hochleistung entsteht nicht durch mehr Disziplin, sondern durch kluge Steuerung von Energie, Priori­täten und Struktur. Entscheidend ist die bewusste Gestaltung von Fokus, Regene­ration und Verant­wor­tungs­grenzen.

Wie startet man am besten in die Umsetzung?

Mit einer ehrlichen Stand­ort­analyse: Wo kompen­siere ich dauerhaft? Wo fehlen klare Priori­täten? Der erste Schritt ist selten radikal, sondern struk­turell – etwa klare Fokus­zeiten oder verbind­liche Erholungs­räume.

Haben Sie noch einen Tipp, den Sie teilen möchten?

Gesundheit ist kein Gegensatz zu Erfolg – sie ist seine Voraus­setzung. Wer langfristig führen will, braucht nicht nur Vision, sondern Energie und Struktur. Stabi­lität ist keine Zufalls­va­riable. Sie ist eine Entscheidung.

Nina Psenicka,
  • Nina Psenicka (50) aus Düsseldorf ist ­Chirurgin, Keynote-Speakerin und Bestsel­ler­au­torin.
  • Nach dem Studium der Zahnme­dizin spezia­li­sierte sie sich auf Oralchir­urgie und Implan­to­logie.
  • Aus der chirur­gi­schen Hochleis­tungs­me­dizin entwi­ckelte sie das Konzept „Gesunde High Perfor­mance®“, das Stabi­li­täts­prin­zipien des Opera­ti­ons­saals auf Führung und ­Organi­sa­tionen überträgt.
  • Sie unter­stützt Unter­nehmen und Führungs­kräfte dabei, auch unter Druck klare Entschei­dungen zu treffen und dauerhaft leis­tungsfähig zu bleiben.
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