konrad-pfandl-
Fleischhauer Konrad Pfandl aus St. Veit setzt in seiner Fleischerei, die er Werkstatt nennt, auf Freude bei der Arbeit. © Peter Just
Fleischerei PFandl

„Meat Love“ als
Unter­neh­mens­motto

Seit fast 100 Jahren steht die Fleischerei Pfandl in St. Veit für regionales Handwerk. Doch heute reicht das allein nicht mehr: Mit Catering, persönlichem Einsatz und viel Gespür für ihre Kunden hält die Familie den Betrieb am Laufen – oft sieben Tage die Woche.

07.05.2026 07:06 - Update am: 08.05.2026 07:32 von Johannes Moser
Lesezeit 7 Minuten

Unter der Glocke brutzelt der Leberkäse in verschie­denen Sorten, in der Vitrine reihen sich Fleisch­spe­zia­li­täten anein­ander und der Ton ist freundlich und direkt. Man kennt sich in der Fleischerei von Konrad Pfandl am Unteren Platz in der Herzog­stadt, die ein wahres Mekka für Fleisch­lieb­haber darstellt. Getreu seinem Unter­neh­mens­motto „Meat Love“ schätzt und perfek­tio­niert der St. Veiter sein tradi­tio­nelles Handwerk. „Qualität und die Nähe zum Kunden sind die Basis für Erfolg“, erklärt der 52-Jährige, dessen Standort schon so einiges gesehen hat. „Vor über 100 Jahren war hier noch der nach der Pferde­tränke vor dem Haus benannte Brunnwirt. Erst mein Großvater hat aus dem Gasthaus eine Fleischerei gemacht“, erzählt Pfandl, der gemeinsam mit seiner Frau Julia das Geschäft in dritter Generation führt.

„Der rote Faden, der sich durch unseren Betrieb zieht, ist Konti­nuität und ein großer, bewährter Kunden­stamm“, sagt Pfandl. Vieles habe sich über die Jahrzehnte verändert, vor allem das wirtschaft­liche Umfeld. Was früher ein klassi­scher Fleische­rei­be­trieb war, ist heute ein Unter­nehmen, das breiter aufge­stellt sein muss. „Das Catering und die Grille­reien, für die wir gebucht werden, sichern unsere wirtschaft­liche Basis.“

Seit 2010 geht Pfandl mit seinen Produkten auch „auf Reisen“ quer durch die Region, rund 30 Prozent des Umsatzes macht die Fleischerei mittler­weile mit Grill- und Party­service. Besonders in den Sommer­mo­naten läuft das Geschäft auf Hochtouren. Veran­stal­tungen mit mehreren hundert Gästen sind keine Seltenheit. „Es gibt Wochen, in denen wir durch­gehend im Einsatz sind“, sagt Pfandl. Dabei grillt der Chef selbst: „Mir macht der Kontakt mit den Menschen Spaß.“

Großes Sortiment und Rundum-Service

Gleich­zeitig bleibt die Fleischerei das Herzstück des Betriebs. Allein oder mit einer helfenden Hand kümmert sich der Fleisch­hauer um die Produktion von Wurst, Schinken und Co. – oft schon frühmorgens. Zwischen drei und fünf Uhr beginnt der Arbeitstag in der „Werkstatt“, wie er seine Fleischerei nennt. „In der Nacht ruft niemand an und ich kann in Ruhe arbeiten“, sagt er schmun­zelnd. Mindestens zwei Tage pro Woche stehen ganz im Zeichen der Produktion, ein großer Teil der Zeit fließt auch in Reinigung und Hygiene.


In der Theke setzt Pfandl konse­quent auf heimi­sches Fleisch und persön­liche Beratung durch seine Frau Julia und Mitar­bei­terin Vanessa Elleberger. „Die Qualität und der Kunden­stamm sind das Entschei­dende“, sagt er. Viele Kunden kommen seit Jahren, manche seit Genera­tionen. Gleich­zeitig hat sich das Konsum­ver­halten sehr verändert. „Der Genuss im Alltag nimmt ab. Fleisch wird bewusster, aber oft nur noch zu beson­deren Anlässen konsu­miert.“


Umso wichtiger ist es, flexibel zu bleiben. Neben klassi­schen Fleisch­waren bietet die Fleischerei daher eine breite Palette an hausge­machten Produkten wie Suppen­ein­lagen oder Nudeln. Spezia­li­täten wie Schinken oder Leberkäse gelten im Betrieb als Aushän­ge­schild. Eine der größten Heraus­for­de­rungen bleibt der Nachwuchs. „Man kann niemanden zwingen, den Beruf zu ergreifen“, sagt Pfandl, der derzeit noch keinen fixen Nachfolger für die Übernahme seines Unter­nehmens hat.

© Peter Just (5)

Stark verwurzelt in der Region

Als Innen­stadt­un­ter­nehmer sehen sich die Pfandls auch in der Verant­wortung für deren Belebung. Veran­stal­tungen, Koope­ra­tionen und die Zusam­men­arbeit mit lokalen Playern und dem Stadt­mar­keting sind für sie keine Neben­sache. „Wir müssen schauen, dass die Leute wieder in die Stadt kommen – vor allem die jungen Familien.“ Auch prangen die Namen jener, die in der Altstadt beliefert werden, stolz auf einer Tafel neben der Eingangstür. „Regionale Wertschöpfung und ein gepflegtes Mitein­ander in St. Veit ist uns wichtig.“ Für zehn Tage im Jahr zieht es die Pfandls seit über 30 Jahren auch auf das tradi­ti­ons­reichste Volksfest Mittel­kärntens, den St. Veiter Wiesen­markt. „Der Markt ist ein wichtiger Fixpunkt, für den wir eigentlich schon im Frühjahr mit der Planung beginnen,“ erzählt Julia Pfandl stolz. Rund eine Tonne Bratwürste werden in der Pfandl-Hütte am Markt jährlich verspeist.


Am Ende ist es genau dieser Mix, der den Betrieb trägt: Tradition, Anpas­sungs­fä­higkeit und persön­licher Einsatz. „Erfolg heißt für mich, den Kunden­stock zu halten und die Menschen mit tollen Produkten und guter Beratung glücklich zu machen“, sagt Pfandl.

Aus der Chronik
  • 1930 gründet der Großvater von Konrad Pfandl die Fleischerei am Standort des ehema­ligen Brunnwirt in der St. Veiter Altstadt.
  • 1985 öffnet man das erste Mal die Pforten am St. Veiter Wiesen­markt.
  • 2010 übernimmt Konrad Pfandl den Betrieb, seit 2022 ist seine Frau Julia mit im Betrieb.
  • Ab sofort bieten die Pfandls auch wechselnde Gerichte im Gastgarten vor ihrem Geschäfts­lokal an.
Zum Unter­nehmen
Info-Icon
Dieser Artikel ist in Ausgabe 9/26 erschienen.
Info-Icon
Ähnliche Artikel finden Sie in der Kategorie: Erfolg aus Kärnten