„Meat Love“ als
Unternehmensmotto
Seit fast 100 Jahren steht die Fleischerei Pfandl in St. Veit für regionales Handwerk. Doch heute reicht das allein nicht mehr: Mit Catering, persönlichem Einsatz und viel Gespür für ihre Kunden hält die Familie den Betrieb am Laufen – oft sieben Tage die Woche.
Unter der Glocke brutzelt der Leberkäse in verschiedenen Sorten, in der Vitrine reihen sich Fleischspezialitäten aneinander und der Ton ist freundlich und direkt. Man kennt sich in der Fleischerei von Konrad Pfandl am Unteren Platz in der Herzogstadt, die ein wahres Mekka für Fleischliebhaber darstellt. Getreu seinem Unternehmensmotto „Meat Love“ schätzt und perfektioniert der St. Veiter sein traditionelles Handwerk. „Qualität und die Nähe zum Kunden sind die Basis für Erfolg“, erklärt der 52-Jährige, dessen Standort schon so einiges gesehen hat. „Vor über 100 Jahren war hier noch der nach der Pferdetränke vor dem Haus benannte Brunnwirt. Erst mein Großvater hat aus dem Gasthaus eine Fleischerei gemacht“, erzählt Pfandl, der gemeinsam mit seiner Frau Julia das Geschäft in dritter Generation führt.
„Der rote Faden, der sich durch unseren Betrieb zieht, ist Kontinuität und ein großer, bewährter Kundenstamm“, sagt Pfandl. Vieles habe sich über die Jahrzehnte verändert, vor allem das wirtschaftliche Umfeld. Was früher ein klassischer Fleischereibetrieb war, ist heute ein Unternehmen, das breiter aufgestellt sein muss. „Das Catering und die Grillereien, für die wir gebucht werden, sichern unsere wirtschaftliche Basis.“
Seit 2010 geht Pfandl mit seinen Produkten auch „auf Reisen“ quer durch die Region, rund 30 Prozent des Umsatzes macht die Fleischerei mittlerweile mit Grill- und Partyservice. Besonders in den Sommermonaten läuft das Geschäft auf Hochtouren. Veranstaltungen mit mehreren hundert Gästen sind keine Seltenheit. „Es gibt Wochen, in denen wir durchgehend im Einsatz sind“, sagt Pfandl. Dabei grillt der Chef selbst: „Mir macht der Kontakt mit den Menschen Spaß.“
Großes Sortiment und Rundum-Service
Gleichzeitig bleibt die Fleischerei das Herzstück des Betriebs. Allein oder mit einer helfenden Hand kümmert sich der Fleischhauer um die Produktion von Wurst, Schinken und Co. – oft schon frühmorgens. Zwischen drei und fünf Uhr beginnt der Arbeitstag in der „Werkstatt“, wie er seine Fleischerei nennt. „In der Nacht ruft niemand an und ich kann in Ruhe arbeiten“, sagt er schmunzelnd. Mindestens zwei Tage pro Woche stehen ganz im Zeichen der Produktion, ein großer Teil der Zeit fließt auch in Reinigung und Hygiene.
In der Theke setzt Pfandl konsequent auf heimisches Fleisch und persönliche Beratung durch seine Frau Julia und Mitarbeiterin Vanessa Elleberger. „Die Qualität und der Kundenstamm sind das Entscheidende“, sagt er. Viele Kunden kommen seit Jahren, manche seit Generationen. Gleichzeitig hat sich das Konsumverhalten sehr verändert. „Der Genuss im Alltag nimmt ab. Fleisch wird bewusster, aber oft nur noch zu besonderen Anlässen konsumiert.“
Umso wichtiger ist es, flexibel zu bleiben. Neben klassischen Fleischwaren bietet die Fleischerei daher eine breite Palette an hausgemachten Produkten wie Suppeneinlagen oder Nudeln. Spezialitäten wie Schinken oder Leberkäse gelten im Betrieb als Aushängeschild. Eine der größten Herausforderungen bleibt der Nachwuchs. „Man kann niemanden zwingen, den Beruf zu ergreifen“, sagt Pfandl, der derzeit noch keinen fixen Nachfolger für die Übernahme seines Unternehmens hat.
Stark verwurzelt in der Region
Als Innenstadtunternehmer sehen sich die Pfandls auch in der Verantwortung für deren Belebung. Veranstaltungen, Kooperationen und die Zusammenarbeit mit lokalen Playern und dem Stadtmarketing sind für sie keine Nebensache. „Wir müssen schauen, dass die Leute wieder in die Stadt kommen – vor allem die jungen Familien.“ Auch prangen die Namen jener, die in der Altstadt beliefert werden, stolz auf einer Tafel neben der Eingangstür. „Regionale Wertschöpfung und ein gepflegtes Miteinander in St. Veit ist uns wichtig.“ Für zehn Tage im Jahr zieht es die Pfandls seit über 30 Jahren auch auf das traditionsreichste Volksfest Mittelkärntens, den St. Veiter Wiesenmarkt. „Der Markt ist ein wichtiger Fixpunkt, für den wir eigentlich schon im Frühjahr mit der Planung beginnen,“ erzählt Julia Pfandl stolz. Rund eine Tonne Bratwürste werden in der Pfandl-Hütte am Markt jährlich verspeist.
Am Ende ist es genau dieser Mix, der den Betrieb trägt: Tradition, Anpassungsfähigkeit und persönlicher Einsatz. „Erfolg heißt für mich, den Kundenstock zu halten und die Menschen mit tollen Produkten und guter Beratung glücklich zu machen“, sagt Pfandl.
- 1930 gründet der Großvater von Konrad Pfandl die Fleischerei am Standort des ehemaligen Brunnwirt in der St. Veiter Altstadt.
- 1985 öffnet man das erste Mal die Pforten am St. Veiter Wiesenmarkt.
- 2010 übernimmt Konrad Pfandl den Betrieb, seit 2022 ist seine Frau Julia mit im Betrieb.
- Ab sofort bieten die Pfandls auch wechselnde Gerichte im Gastgarten vor ihrem Geschäftslokal an.