Cristián Gálvez
Cristián Gálvez vergleicht Unternehmertum mit ­Heldengeschichten – wie Helden treiben auch ­Unternehmer Transformation und Problemlösung an. © Cristián Gálvez
Cristián Gálvez

„Durch gute
­Fragen zu neuen Lösungen“

Warum sich Menschen in Abenteuer stürzen und Unternehmer prädestiniert dazu sind, Helden zu sein, weiß Persönlichkeitstrainer Cristián Gálvez.

19.05.2026 10:46 - Update am: 19.05.2026 10:46 von Ines Tebenszky
Lesezeit 5 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Was motiviert Menschen, sich in neue Abenteuer zu stürzen?

Cristián Gálvez: In der Welt der Motivation gibt es immer zwei Dinge, die Menschen antreiben. Das eine ist Lust, das andere ist Schmerz: Wir haben Lust, etwas Neues zu erreichen oder empfinden, da wo wir gerade sind, viel Schmerz. Wir meinen oft, wir müssen Menschen dadurch motivieren, dass wir ihnen ein tolles Ziel vor die Nase setzen, die bekannte Karotte, aber das alleine reicht nicht. Richtige Motivation entsteht immer, wenn diese Kombi­nation aus Lust und Schmerz funktio­niert.

Sind denn Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer abenteu­er­lus­tiger als andere?

Meine tiefe Überzeugung ist, dass Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer sich einfach die besseren Fragen stellen, denn die Qualität unseres Lebens wird bestimmt durch die Qualität der Fragen, die wir uns stellen. Wir leben aktuell in Zeiten mit großen Verän­de­rungen. Und viele fragen sich, warum passiert das gerade? Warum gibt es diese ganzen externen Einflüsse? Warum gibt es KI? Und manche fragen sich, wie kann ich KI nutzen, um als Unter­nehmer noch erfolg­reicher zu sein? Wie kann ich gerade jetzt die Chancen nutzen, die sich aus den Heraus­for­de­rungen ergeben? Und wo liegen überhaupt die Chancen? Also gerade dann, und das zeichnet hier auch Helden­ge­schichten aus, dass im Außen immer etwas passiert. Und die Frage, die wir uns stellen können, ist, wie können wir, obwohl es im Außen große Einflüsse gibt, uns durch gute Fragen neue Lösungs­räume schaffen?

Machen diese besseren Fragen Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer zu ­Helden?

Wenn wir in die Tiefen­psy­cho­logie von Heldinnen- und Helden­ge­schichten schauen, dann sehen wir, dass es immer von Trans­for­mation handelt. Unter­neh­mertum bedeutet nichts anderes, als Dinge zum Besseren zu verändern. Klassi­scher­weise hat jeder Unter­nehmer nur eine Berech­tigung, wenn er Probleme im Leben anderer löst. Kunden haben ein Problem. Der Unter­nehmer, der das Problem am besten lösen kann, der Erfolgs­ge­schichte schreiben kann, der Trans­for­mation voran­treiben kann, wird der erfolg­reiche Unter­nehmer sein. Und Trans­for­ma­ti­ons­ge­schichten sind Helden­ge­schichten.

Je größer das Warum, desto ­leichter das Wie. Denn sobald ich ein Warum habe, komme ich ins Handeln.Zitat Ende

Cristián Gálvez

Persön­lich­keits­trainer

Helden haben ja meist Verbündete. Was zeichnet diese Verbün­deten aus?

Um eine Erfolgs­ge­schichte zu schreiben, braucht man Diver­sität. In den bekannten Helden­ge­schichten sind die Neben­rollen, die unter­stüt­zenden Rollen, immer sehr unter­schiedlich. Viermal der gleiche Charakter wäre immer eine langweilige Geschichte. Das ist etwas, das man Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmern wünschen kann: Offenheit für andere Denkrich­tungen, für anderes Alter oder andere Perspek­tiven.

Auf jeder Helden­reise gibt es Hinder­nisse. Woher nimmt man die Kraft, diese Hinder­nisse zu überwinden?

Wenn ich als Unter­nehmer ein großes Warum habe, finde ich auch immer einen guten Weg, die Lösung zu suchen. Und wenn ich ein großes Ziel habe, dann ist so ein kleiner Drache, der vor mir steht, auch leichter zu überwinden. Klare Botschaft: Je größer das Warum, desto leichter das Wie. Bei vielen fehlt das Warum. Sobald ich aber ein Warum habe, komme ich ins Handeln.

Welchen Tipp haben Sie, um die Helden­reise gut zu meis­tern?

Mein Tipp ist, sich einen guten Mentor zu suchen. Das kann die Wirtschafts­kammer sein, das kann jemand sein, der diese Helden­reise schon durchlebt hat, eine andere Perspektive hat und dazu inspi­riert, neue Wege zu nehmen. All das, was Unter­neh­mertum ausmacht, hat ein anderer schon auf irgendeine Art und Weise getan. Wenn man diese Menschen, diese Mentoren findet, die das Leucht­schwert haben, dann ist der Weg sehr viel einfacher zu gehen.

Zur Person
  • Cristián Gálvez (57), geboren in Köln, ist Persön­lich­keits­trainer, Autor, Moderator und Redner.
  • Als erster Deutscher durfte er US-Präsident Barack Obama eine Stunde lang live inter­viewen.
  • Als Jugend­licher sammelte er Bühnen­er­fahrung als Zauberer. Später studierte er Wirtschafts­psy­cho­logie und Betriebs­wirt­schaft in Deutschland und den USA.
  • Heute konzen­triert er sich in Büchern, Vorträgen und Coachings auf die Themen Persön­lichkeit, Rhetorik und Motivation in Zeiten der Trans­for­mation.
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