Ilja Grzeskowitz
„In jeder Veränderung lie­gen Chancen, man muss sie nur erkennen und nutzen.“ © Ilja Grzeskowitz
Ilja Grzeskowitz

„Freiheit ist zur
neuen Sicherheit geworden“

Warum Veränderung Wachstum bedeutet und wie vor allem Unternehmen sie für sich nutzen können, weiß Change-Experte Ilja Grzeskowitz.

23.02.2026 08:53 - Update am: 26.02.2026 16:11 von Claudia Blasi
Lesezeit 5 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Verän­derung ist die einzige Konstante im Leben und dennoch scheuen sie viele Menschen. Warum?

Ilja Grzes­kowitz: Wir brauchen Verän­derung, um zu wachsen, ein erfülltes Leben zu führen. Gleich­zeitig fürchten wir das Unbekannte, wenn wir unsere gewohnte Komfortzone verlassen und aus Routinen ausbrechen. Das schürt Sorgen und Zweifel. Die Neuro­wis­sen­schaft belegt, dass unser Gehirn auch heute wie in der Steinzeit funktio­niert. Es ist auf Flucht oder Angriff program­miert und will uns schützen. Wenn wir uns dieser Angst aber nicht stellen, können wir weder lernen, noch besser werden.

Was kann man tun, um diese Angst zu überwinden?

Kopf ausschalten und einfach machen, wäre der kürzeste Weg. Das ist leichter gesagt, als getan. Jeder kennt Situa­tionen, die uns extrem heraus­fordern und danach war es gar nicht so schlimm. Wir können also eine Verän­de­rungs­kom­petenz erlernen. Sie ist jedoch stark kulturell geprägt. In Öster­reich und Deutschland sind wir eher verän­de­rungs­re­sis­tenter – nicht sehr offen und aufge­schlossen, sehen vorder­gründig, was alles nicht geht. Auch das Alter spielt eine Rolle: Große Verän­de­rungen wie ein Jobwechsel fallen uns mit 20 Jahren leichter als mit 55, Kindern und einem laufenden Kredit. Entscheidend ist die innere Bereit­schaft zu haben, etwas verändern zu wollen und auch den Mut, diesem Prozess mit kleinen und regel­mä­ßigen Schritten zu folgen.

Je unsicherer die Zeiten, desto wichtiger wird ein sicheres Umfeld. Was bedeutet das aktuell für Unter­nehmen?

Verän­derung gab es schon immer, doch sie war noch nie so unbere­chenbar wie heute: Techno­lo­gische Entwick­lungen – allen voran Künst­liche Intel­ligenz und Automa­ti­sierung – gepaart mit der geopo­li­ti­schen Lage, machen die Zukunft unsicher und unplanbar. Gerade deshalb ist Unter­neh­mertum so spannend wie nie: Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer haben die Freiheit, Zukunft aktiv zu gestalten. Freiheit wird zur neuen Form von Sicherheit. Den vermeintlich sicheren Job gibt es kaum noch. Wer unter­neh­me­risch denkt, kann sein Schicksal selbst beein­flussen, Arbeits­plätze schaffen und Verant­wortung für die Region übernehmen.

Was braucht es dafür?

Was Unter­nehmer mehr denn je brauchen, ist Flexi­bi­lität, voraus­schau­endes Denken und ein starkes inneres Mindset: Die Zukunft wird noch komplexer, aber ich finde eine Lösung, egal was kommt.

„Verän­derung braucht keine perfekten Pläne, sondern Menschen, die anfangen.“Zitat Ende

Ilja Grzes­kowitz

Change-Experte

Wie viel Verän­derung tut Mitar­beitern gut und ab wann sind sie überfordert?

Das hängt stark von der Persön­lichkeit ab. Grund­sätzlich sollte man eine Unter­nehmens- und Führungs­kultur verfolgen, in der sich alle sicher fühlen. Dazu zählen eine klare Vision für das Unter­nehmen und eine klare Strategie, wie das Team gemeinsam dorthin gelangt.

Eine Verän­derung im Betrieb steht an. Wie geht man vor?

Es gibt drei zentrale Punkte. Ers­ten sollte man sich der eigenen Unter­neh­mens­kultur bewusst werden: Wie wird kommu­ni­ziert? Sind Fehler erlaubt? Wie wird zusam­men­ge­ar­beitet? Danach gilt es, die Mitar­beiter auf ratio­naler und emotio­naler Ebene abzuholen. Wenn sie verstehen, warum etwas verändert wird, lassen sie sich eher auf den Prozess ein.

Welche Branchen sind zukünftig besonders von Verän­derung betroffen?

All jene, in denen Automa­ti­sierung und Standar­di­sierung eine zentrale Rolle spielen. Gastro­nomie und Hotel­lerie können den techni­schen Fortschritt auch nutzen, um Abläufe zu optimieren. Das Produkt selbst ist aber nach wie vor ein emotio­nales Erlebnis, sei es ein Essen oder ein Urlaub, das sich durch keine Künst­liche Intel­ligenz ersetzen lässt.

Welche Kompe­tenzen sollen Führungs­kräfte stärken?

Sie sollen an einer Vision für das Unter­nehmen arbeiten und nicht selbst ihr bester Mitar­beiter sein und bei der Führung die Menschen in den Mittel­punkt stellen.

lja Grzes­kowitz
  • lja Grzes­kowitz (51) ist diplo­mierter Wirtschafts­wis­sen­schaftler und lebt mit seiner Familie in Berlin.
  • Er war Deutsch­lands jüngs­ter Geschäfts­führer bei Karstadt/Wertheim.
  • Heute ist er Autor, Verän­de­rungs­experte und Gründer der Change-Leaders-Academy.
  • „Radikal Menschlich“ und „The Change­maker Mindset“ zählen zu seinen Bestsellern.
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