„Wir brauchen
andere, um voranzukommen“
Nur auf sich selbst zu schauen war gestern. Heute geht es darum, auch andere groß zu machen. Wie das als Führungskraft und Berater gelingen kann, verrät Professor Matthias Ehrhardt vom Autoris Leadership Institute.
„Kärntner Wirtschaft“: Wie kann man als Berater oder Führungskraft andere groß machen?
Matthias Ehrhardt: Unsere Forschungen und auch viele andere Studien zeigen: Wenn es ums Lernen am Arbeitsplatz geht, liegt die entscheidende Herausforderung beim Frontline-Manager. Ich kann in ein Seminar gehen oder Bücher lesen, aber die Umsetzung und das neue Lernen finden direkt am Arbeitsplatz statt. Hier bekommt die Führungkraft eine entscheidende Rolle. Viele Führungskräfte sind nicht ausgerüstet mit Tools, Methoden und der Einstellung, um ihren Mitarbeitenden wirklich zu helfen. Menschen kommen häufig wegen des Jobs ins Unternehmen und gehen wegen des Managers.
Haben Sie ein Beispiel für ein Praxiswerkzeug?
Eine Führungskraft merkt, ein Mitarbeiter ist nicht mehr richtig motiviert. Die Gefahr: Man versucht, ihn mit der eigenen Motivation anzutreiben und trifft dabei völlig daneben. Dafür haben wir das Motivationsrad entwickelt. In drei Minuten schreibt jemand seine Motivatoren auf – wie Work-Life-Balance, Geld verdienen, die Welt besser machen – und bewertet jeden auf einer Skala von eins bis zehn. Dadurch sieht man sofort, was ihn antreibt und wo es gerade fehlt. Dann folgt die entscheidende Frage: Was können wir gemeinsam tun, damit dieser Motivator wieder steigt? Größe entsteht durch solche vielen kleinen Schritte, nicht durch große Sprüche.
Wie können Menschen im Job besser werden?
Erstens: Erkenne dich selbst besser. Verstehe, was du kannst und was nicht und vor allem wie du lernst. Wenn ich Führungskräfte frage, wie sie optimal lernen, herrscht oft großes Schweigen. Zweitens: Lernen ist ein Teamsport. Wir brauchen andere, um voranzukommen. Niemand ist gleich gut in allen Bereichen. Die Leute sollen zusammenarbeiten. Drittens: Gib allen einen Stift in die Hand. Viele, die selten reden, kennen die echten Probleme und die echten Lösungen. Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, sich zu äußern. Wer schreibt, kommt zu Wort.
Menschen kommen häufig wegen des Jobs ins Unternehmen und gehen wegen des Managers.
Matthias Ehrhardt
Professor, Unternehmer und AutorWas empfehlen Sie, um Lernen im Betrieb zu stärken?
Fang bei dir selbst an. Mach einen kleinen Workshop: Lass deine Leute aufschreiben, wo sie die größten Chancen sehen, wo die größten Probleme liegen. Und dann findet das Team die Lösung und nicht du als Chef. Dasselbe gilt für persönliche Entwicklung: Wo muss jeder persönlich an sich arbeiten? Unser entwickelter ACE-Prozess läuft dabei ganz konkret ab: Adressiere das Problem, entwickle gemeinsam frische Ideen, setze sie um. Das funktioniert für unternehmerische Fragen genauso wie für persönliches Wachstum.
Was bedeutet ACE?
Address, Create, Execute. Erste Phase: Adressiere das Problem präzise. Zweite Phase: Entwickle frische neue Ideen. Dritte Phase: Execution, die konkrete Umsetzung. Egal, was man macht, es braucht immer diese drei Schritte.
Ihre wichtigste Botschaft?
Wir reden heute so viel über KI und die Maschine. Aber die echten Gewinner sind nicht die neuesten Tools. Wir müssen zurück zum Menschen. Die echte Frage lautet: Was macht uns als Menschen aus? Wo sind die Hindernisse, die uns davon abhalten, unser Bestes zu geben? Es ist eine großartige Zeit, um über uns als Menschen nachzudenken. Das ist es, worüber wir eigentlich reden, wenn wir über KI sprechen.
- Matthias Ehrhardt ist Forscher, Vortragender und Journalist. Er wurde 1972 in Ulm in Süddeutschland geboren.
- Ehrhardt arbeitete früh als Journalist. Er absolvierte mehrere Studien und hat einen Doktortitel in Rechtswissenschaft und Kunstgeschichte.
- Er lebte und arbeitete in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und den USA.
- 1999 gründete er das Autoris Leadership Institute mit Sitz in München und Boston, wo er auch heute lebt.
- In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich gerne mit Kunst und besucht Museen.