Mit winzigen
Serien zum riesigen Erfolg
1997 gründeten elf Elektronikspezialisten in Villach die Firma Astron. Heute beliefert das Unternehmen aus Feistritz an der Gail internationale Kunden und setzt dabei auf Spezialisierung, Eigenständigkeit und hohe Expertise innerhalb des Teams.
Der Raum Villach ist nicht erst seit gestern bekannt für seinen Hightech-Cluster. Bereits in den 1990er-Jahren waren Player wie Siemens als Vorgänger von Infineon sowie SEZ am Standort von Lam Research aktiv. Als die Elektronikfertigung von SEZ ausgelagert wurde, entschlossen sich sieben Mitarbeiter gemeinsam mit vier Freunden zur Unternehmensgründung. „Die Idee war eigentlich, den eigenen Job zu erhalten“, erinnert sich Geschäftsführer Christian Hochenwarter. Von Anfang an sollten die Mitarbeiter auch am Unternehmen und dessen Erfolg beteiligt sein. „Bei uns soll es in vielerlei Hinsicht sinnvoll sein, Leistung zu bringen.“
1998 startete die Produktion auf gerade einmal 150 Quadratmetern in Villach. Sieben Jahre später folgte der Umzug an den eigenen Standort nach Feistritz an der Gail. „Der damalige Vizebürgermeister von Feistritz war ein Fußballkollege von mir“, erklärt der gebürtige Hermagorer den Standort im Gailtal, den er nicht als Nachteil sieht: „Wir sind in 40 Minuten in Klagenfurt. Außerdem gefällt uns die Idee, ein Arbeitgeber für das Gailtal zu sein.“ Aus den sieben Beschäftigten der Anfangsjahre ist mittlerweile ein rund 25-köpfiges Team geworden. Geblieben ist die Idee, Entscheidungen selbst treffen zu können. „Es ist unser Weg und es sind unsere Entscheidungen“, sagt Hochenwarter. Finanzielle Unabhängigkeit spielt dabei bis heute eine wichtige Rolle. Investiert wird aus eigener Kraft, zuletzt wurde der Maschinenpark umfassend erneuert.
Klein, schnell und spezialisiert
Astron konzentriert sich auf Prototypen sowie kleine und kleinste Serien elektronischer Baugruppen. Produkte, die Konsumenten unmittelbar mit dem Namen Astron verbinden, sucht man daher im Alltag meistens vergeblich. „Ein Beispiel im Alltag sind die Elektronikbauteile der Gotschlich-Drehsperren aus Straßburg, erklärt Hochenwarter. Die im Gailtal gefertigte Technik steckt aber vor allem in Maschinen oder medizinischen Anwendungen. Zu den Kunden zählen Unternehmen wie Infineon, ams-OSRAM oder Lam Research, die Exportquote liegt bei über 50 Prozent. Gerade bei der Entwicklung neuer Produkte zählt Geschwindigkeit. Während eine Verlagerung in eine asiatische Großserienfertigung Monate beansprucht, kann Astron unter den richtigen Voraussetzungen innerhalb weniger Tage einen Prototyp liefern. Dieser entspricht hinsichtlich Qualität und Dokumentation bereits weitgehend einer späteren Serie. „Wir sind im Zeitalter von hohen Automatisierungsgraden im Prinzip eine kleine, feine Manufaktur für Winzigserien“, beschreibt Hochenwarter das Prinzip.
„Die Dokumentation ist in der Produktion enorm wichtig, damit aus Einzelstücken Serienprodukte werden können“, erklärt Martin Möderndorfer. Der 28-jährige gebürtige Gitschtaler ist derzeit für die Kundenbetreuung zuständig und arbeitet perspektivisch in der Geschäftsführung mit. Entscheidend dafür sind hochqualifizierte Mitarbeiter. Sie müssen auch mit einfachen Kundendokumentationen umgehen und Lösungen eigenständig entwickeln können.
Dass man sich bei Astron auf Augenhöhe begegnet, zeigt sich auch räumlich. So steht der Schreibtisch des Geschäftsführers mitten in der Produktion. Neben Gewinnbeteiligungen und jährlichen Prämien gibt es weitere Benefits wie Unterstützungen für Mittagessen, Sehbehelfe, Physiotherapie oder Aboplätze für den EC VSV.
Der Mensch bleibt entscheidend
Automatisierung und Künstliche Intelligenz verändern mittlerweile den Arbeitsalltag. KI kommt etwa in der Administration, bei Recherchen oder bei der Prüfung der Verfügbarkeit von Komponenten zum Einsatz. Die hochspezialisierten Kleinserien lassen sich jedoch nicht vollständig automatisieren. „Den ‚Human in the Loop‘ wird es immer brauchen“, ist Hochenwarter überzeugt. Schließlich müsse jemand Neues einbringen und Entscheidungen treffen. Auch beim Thema Nachhaltigkeit sieht sich das Unternehmen in der Pflicht: Photovoltaik, eigenes Brunnenwasser zur Klimatisierung und eine Pelletsheizung gehören bereits seit Jahren zum Standort, eine Bienenwiese säumt das Betriebsgebäude. Noch deutlicher wird der Ansatz beim Produkt selbst: Baugruppen, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind, werden bei Bedarf weiterhin als Ersatzteile gefertigt: „Wir sorgen dafür, dass auch Maschinen aus den 1980er-Jahren heute noch funktionstüchtig bleiben.“
Auf die Frage, wo die Reise hingeht, hat Hochenwarter eine klare Antwort: „Ich sage immer, wir sind Glückskinder in einer tollen Branche und dadurch sehr gut aufgestellt.“
- 1997 gründen sieben Mitarbeiter gemeinsam mit vier Partnern die Astron Electronic GmbH in Villach.
- 1998 startet die Produktion auf rund 150 Quadratmetern in der Villacher Trattengasse.
- 2005 übersiedelt das Unternehmen an den eigenen Standort nach Feistritz an der Gail.
- Astron spezialisiert sich auf Prototypen sowie kleine und kleinste Serien elektronischer Baugruppen.
- Heute beschäftigt das Unternehmen rund 25 Mitarbeiter und erzielt eine Exportquote von mehr als 50 Prozent.
- Astron wurde bereits mehrfach bei den Austria’s Leading Companies ausgezeichnet.
Von der Sommerfrische zur Gastgebertradition