Von der Sommerfrische zur Gastgebertradition
Zur Sommerfrische wurden im Marienhof in Annenheim am Ossiacher See vor 130 Jahren die ersten Gäste begrüßt. Diese touristische Tradition führt Familie Zorn bereits in der vierten Generation weiter.
Als Köhler, der mit seinen Kohlen die Eisenbahn belieferte, hat Josef Raimund Geld gemacht und Weitblick bewiesen: Er baute ein Haus mit Ferienwohnungen in Annenheim und eröffnete mit 25 Jahren die heutige Villa Marienhof, damals noch Marienheim. Die Nähe zur Bahn bescherte auch rasch die ersten Gäste: Wohlhabende Familien aus Wien und Graz verbrachten hier ihre Sommerfrische. „Er hat seine Chance gesehen und schon damals weit gedacht“, weiß Veronika Zorn-Jäger, die heute gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter Angelika Zorn-Hagauer den Marienhof führt. Ursprünglich gab es nur Ferienwohnungen, später sind auch Doppelzimmer sowie kleine Studios entstanden.
Durch die unmittelbare Nähe zur 1928 errichteten Kanzelbahn konnte die Villa Marienhof früh ihren Winterbetrieb aufnehmen. Das macht sie heute beinahe zum Ganzjahresbetrieb mit vielen internationalen Gästen. „Der Großteil kommt aus Deutschland, ein großer Prozentsatz sind österreichische Gäste, wir begrüßen aber auch immer mehr Gäste aus Tschechien, der Slowakei, Polen, der Schweiz, den Niederlanden und im Winter auch sehr viele Gäste aus Ungarn, Kroatien oder Serbien“, erzählt Zorn-Jäger.
Mit ihrer Schwiegertochter teilt sie sich die Arbeit an der Rezeption oder plant mit ihr die Neugestaltung der Ferienhäuser, die im Garten der Villa stehen. „Das waren ehemalige Wirtschaftsgebäude, die wir umgebaut haben. Wir investieren laufend, um den Gästen eine moderne Ausstattung bieten zu können, achten dabei aber darauf, den historischen Kern zu bewahren.“ Mit der Historie des Hauses hat sie sich intensiv beschäftigt. Fotos und kleine Erinnerungsstücke machen die Entwicklung des Hauses für die Gäste sichtbar.
Um die Gäste kümmern sich die beiden Chefinnen mit Leidenschaft und besonderer Aufmerksamkeit. „Das schönste Feedback ist für uns, wenn sich die Gäste wie zuhause fühlen und wir sie immer wieder im Haus begrüßen dürfen“, sagt Angelika Zorn-Hagauer. Gastgeber zu sein, mache beiden große Freude. „Möglicherweise deshalb, weil wir beide zuvor nicht im Tourismus gearbeitet haben“, vermutet Zorn-Jäger. Sie war bis zu ihrer Pensionierung Professorin für Latein und Englisch, während Angelika Zorn-Hagauer ausgebildete Diplomingenieurin für Kunststofftechnik ist. Auch wenn die Betriebsgröße überschaubar sei, würde es aber ohne Mitarbeiter nicht gehen. „Wir sind stolz darauf, sie schon lange zu unserem Team zählen zu dürfen.“
Während Zorn-Jägers Sohn Michael und Tochter Andrea ebenfalls fallweise im Betrieb mithelfen, könnte mit den Enkeln Florentina (7) und Constantin (10) die nächste Betreibergeneration heranwachsen. Florentina habe bereits konkrete Ambitionen, die nächste Marienhof-Chefin zu werden.
- 1896 erbaute Josef Raimund das Marienheim. Benannt hat er das Haus nach seiner Frau Maria.
- Im Ersten Weltkrieg erkrankte er an Tuberkulose und verstarb früh. Das jüngste seiner fünf Kinder, Reinhilde, erbte den Marienhof. Sie war die Schwiegermutter der heutigen Seniorchefin.
- Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Marienhof Mieterschutzwohnungen errichtet. Erst Ende der 1970er-Jahre waren alle Mieter wieder ausgezogen und der Tourismus konnte wieder aufleben.
- Heute hat der Marienhof nahezu ganzjährig geöffnet und beschäftigt vier Mitarbeiter.