Veronika Zorn-Jäger und ­Angelika Zorn-Hagauer führen den ­Marienhof in Annenheim. Die Senior­chefin und ihre Schwiegertochter begrüßen hier Gäste, die die Nähe zu See und Berg schätzen.
Veronika Zorn-Jäger und ­Angelika Zorn-Hagauer führen den ­Marienhof in Annenheim. Die Senior­chefin und ihre Schwiegertochter begrüßen hier Gäste, die die Nähe zu See und Berg schätzen. © WKK/Just
Marienhof

Von der Sommer­frische zur Gastge­ber­tra­dition

Zur Sommerfrische wurden im Marienhof in Annenheim am Ossiacher See vor 130 Jahren die ­ersten Gäste begrüßt. Diese touristische Tradition führt Familie Zorn bereits in der vierten Generation weiter.

07.08.2026 07:32 von Ines Tebenszky
Lesezeit 6 Minuten

Als Köhler, der mit seinen Kohlen die Eisenbahn belie­ferte, hat Josef Raimund Geld gemacht und Weitblick bewiesen: Er baute ein Haus mit Ferien­woh­nungen in Annenheim und eröffnete mit 25 Jahren die heutige Villa Marienhof, damals noch Marienheim. Die Nähe zur Bahn bescherte auch rasch die ers­ten Gäste: Wohlha­bende Familien aus Wien und Graz verbrachten hier ihre Sommer­frische. „Er hat seine Chance gesehen und schon damals weit gedacht“, weiß Veronika Zorn-Jäger, die heute gemeinsam mit ihrer Schwie­ger­tochter Angelika Zorn-Hagauer den Marienhof führt. Ursprünglich gab es nur Ferien­woh­nungen, später sind auch Doppel­zimmer sowie kleine Studios entstanden.

Durch die unmit­telbare Nähe zur 1928 errich­teten Kanzelbahn konnte die Villa Marienhof früh ihren Winter­be­trieb aufnehmen. Das macht sie heute beinahe zum Ganzjah­res­be­trieb mit vielen inter­na­tio­nalen Gästen. „Der Großteil kommt aus Deutschland, ein großer Prozentsatz sind öster­rei­chische Gäste, wir begrüßen aber auch immer mehr Gäste aus Tsche­chien, der Slowakei, Polen, der Schweiz, den Nieder­landen und im Winter auch sehr viele Gäste aus Ungarn, Kroatien oder Serbien“, erzählt Zorn-Jäger.

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Mit ihrer Schwie­ger­tochter teilt sie sich die Arbeit an der Rezeption oder plant mit ihr die Neuge­staltung der Ferien­häuser, die im Garten der Villa stehen. „Das waren ehemalige Wirtschafts­ge­bäude, die wir umgebaut haben. Wir inves­tieren laufend, um den Gästen eine moderne Ausstattung bieten zu können, achten dabei aber darauf, den histo­ri­schen Kern zu bewahren.“ Mit der Historie des Hauses hat sie sich intensiv beschäftigt. Fotos und kleine Erinne­rungs­stücke machen die Entwicklung des Hauses für die Gäste sichtbar.

Um die Gäste kümmern sich die beiden Chefinnen mit Leiden­schaft und beson­derer Aufmerk­samkeit. „Das schönste Feedback ist für uns, wenn sich die Gäste wie zuhause fühlen und wir sie immer wieder im Haus begrüßen dürfen“, sagt Angelika Zorn-Hagauer. Gastgeber zu sein, mache beiden große Freude. „Mögli­cher­weise deshalb, weil wir beide zuvor nicht im Tourismus gearbeitet haben“, vermutet Zorn-Jäger. Sie war bis zu ihrer Pensio­nierung Profes­sorin für Latein und Englisch, während Angelika Zorn-Hagauer ausge­bildete Diplom­ingenieurin für Kunst­stoff­technik ist. Auch wenn die Betriebs­größe überschaubar sei, würde es aber ohne Mitar­beiter nicht gehen. „Wir sind stolz darauf, sie schon lange zu unserem Team zählen zu dürfen.“

Während Zorn-Jägers Sohn ­Michael und Tochter Andrea ebenfalls fallweise im Betrieb mithelfen, könnte mit den Enkeln Florentina (7) und Constantin (10) die nächs­te Betrei­ber­ge­ne­ration heran­wachsen. Florentina habe bereits konkrete Ambitionen, die nächste Marienhof-Chefin zu ­werden.

Aus der Chronik
  • 1896 erbaute Josef Raimund das Marienheim. ­Benannt hat er das Haus nach seiner Frau Maria.
  • Im Ersten Weltkrieg erkrankte er an Tuber­kulose und verstarb früh. Das jüngste seiner fünf Kinder, Reinhilde, erbte den ­Marienhof. Sie war die Schwie­ger­mutter der ­heutigen Senior­chefin.
  • Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Marienhof Mieter­schutz­woh­nungen errichtet. Erst Ende der 1970er-Jahre waren alle Mieter wieder ausge­zogen und der Tourismus konnte wieder aufleben.
  • Heute hat der Marienhof nahezu ganzjährig geöffnet und beschäftigt vier Mit­arbeiter.
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 15/26 erschienen.
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