„Unsicherheit
verlangt anderen Führungsstil“
Leadership-Expertin Maren Wölfl spricht über Führungsstile in unsicheren Zeiten und klärt auf, warum Frauen sich mehr zutrauen sollten.
„Kärntner Wirtschaft“: Ihr aktuelles Buch heißt „Female Wake-up Call“. An wen richtet sich Ihr Weckruf?
Maren Wölfl: Es gibt auf gesellschaftlicher Ebene und auch in den Unternehmen viel zu tun, aber das Buch richtet sich an die Frauen selbst und soll jene Frauen unterstützen, die beruflich erfolgreich sein wollen ohne sich den männlichen Strukturen anzupassen, ohne sich zu verbiegen.
In Führungspositionen sind Frauen mit einem Anteil von etwa einem Drittel immer noch unterrepräsentiert. Was hält Frauen zurück?
Frauen sind ehrgeiziger als je zuvor. Das sind die spannenden Umfrageergebnisse. Es ist mitunter unattraktiv für Frauen in Führung zu gehen, da könnten Unternehmen viel tun, sodass es für Frauen attraktiver wird. Frauen wollen Führung übernehmen und zuhause tun sie es auch. Die Frage ist, wieso tun sie es zuhause und nicht in den Unternehmen?
Sind Selbstzweifel ein Ballast, der Frauen daran hindert, in Führung zu gehen?
Ja und nein. Ich finde grundsätzlich Selbstzweifel oder auch Selbstreflexion gut. Wenn ich an einem Sessel vorbeigehe und mich stoße, dann ist es gut, wenn ich eine Seite habe, die sich denkt, wieso bin ich so knapp vorbeigegangen. Und dann gibt es natürlich den anderen Blick, blöder Sessel, wieso stehst du da? Ich finde beide Perspektiven so wichtig und es wäre eben gut, wenn man sie miteinander verbinden könnte.
Ist es für Frauen in einem selbstständigen Umfeld attraktiver, zu führen?
Die Selbstständigkeit bietet Vor- und Nachteile wie das Angestellten-Dasein auch. Ich finde es gut, wenn Frauen sich selbstständig machen – ich bin ja auch sehr gerne selbstständig. Es bietet den Vorteil der Unabhängigkeit und auch der ab und an besseren freien Zeiteinteilung, aber natürlich auch den Nachteil der fehlenden finanziellen Sicherheit. Als Selbstständige sitzen wir ganz oft vor dem weißen Blatt Papier und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird.
Ungewissheit ist generell spürbar. Braucht es gerade in unsicheren Zeiten einen anderen Führungsstil?
Unbedingt, denn wir können die Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind. Deswegen werden vor allem diese „weiblichen“ Kompetenzen, zum Beispiel Empathie, Fürsorglichkeit, Kollaboration, Beziehungsaufbau, so wichtig für Unternehmen. Das sind Eigenschaften, bei denen Frauen laut Studien signifikant besser abschneiden. Vor allem in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und viel Unsicherheit sind das Kompetenzen, die wir dringend mehr brauchen und auch mehr sehen und schätzen sollten. Nicht nur die Unternehmen, auch wir Frauen selbst.
Wie unterscheidet sich denn der Führungsstil von Männern von jenem von Frauen?
Wir unterscheiden gerne zwischen „männlichen“ und „weiblichen“ Kompetenzen. In einer idealen Welt haben wir beides verfügbar. Was wir momentan vor allem in Unternehmen sehen, ist, dass viele „männliche“ Kompetenzen wichtig sind: Durchsetzungsstärke, Fokus, Selbstbewusstsein.Die „weibliche“ Seite fehlt sehr oft – davon bräuchte man mehr.
Wenn Sie heute einer jungen Frau am Beginn ihrer Karriere einen Rat geben dürften, welcher wäre das?
Einfach machen, es könnte gut werden – wäre mein erster Rat. Und der zweite ist, vom eigenen Selbstbewusstsein zehn Stufen nach oben zu gehen, weil dann sind wir ungefähr auf der Selbstbewusstseinslinie von Männern angekommen.
Was raten Sie Unternehmen?
Es gibt viele Maßnahmen, die Unternehmen tun können. Ich bin ein großer Fan vom eigenen Einflussbereich: Wenn jeder in seinem Einflussbereich macht, was er tun kann, gibt das viel aus.
- Maren Wölfl gilt als Expertin für Frauen in Führung und Female Leadership.
- Sie hat langjährige Führungserfahrung in internationalen Unternehmen.
- Ihr Wissen gibt sie als Autorin, Vortragende und Business Coach weiter.
- Für ihr Wirken wurde Maren Wölfl 2024 unter anderem als „Unternehmerin des Jahres“ von der Wirtschaftskammer Österreich ausgezeichnet und zählt zu den Top HR-Influencerinnen Österreichs.
- In ihrer Freizeit reist sie gerne und verbringt Zeit mit ihrer Familie.