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Maren Wölfl setzt sich dafür ein, dass Frauen ­stärker in Führung kommen. © Katharina Schiffl
Maren Wölfl

„Unsicherheit
verlangt anderen Führungsstil“

Leadership-Expertin Maren Wölfl spricht über Führungsstile in unsicheren Zeiten und klärt auf, warum Frauen sich mehr zutrauen sollten.

14.07.2026 07:35 von Ines Tebenszky
Lesezeit 5 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Ihr aktuelles Buch heißt „Female Wake-up Call“. An wen richtet sich Ihr Weckruf?


Maren Wölfl: Es gibt auf gesell­schaft­licher Ebene und auch in den Unter­nehmen viel zu tun, aber das Buch richtet sich an die Frauen selbst und soll jene Frauen unter­stützen, die beruflich erfolg­reich sein wollen ohne sich den männlichen Struk­turen anzupassen, ohne sich zu verbiegen.

In Führungs­po­si­tionen sind Frauen mit einem Anteil von etwa einem Drittel immer noch unter­re­prä­sen­tiert. Was hält Frauen zurück?


Frauen sind ehrgei­ziger als je zuvor. Das sind die spannenden Umfra­ge­er­geb­nisse. Es ist mitunter unattraktiv für Frauen in Führung zu gehen, da könnten Unter­nehmen viel tun, sodass es für Frauen attrak­tiver wird. Frauen wollen Führung übernehmen und zuhause tun sie es auch. Die Frage ist, wieso tun sie es zuhause und nicht in den Unter­nehmen?

Sind Selbst­zweifel ein Ballast, der Frauen daran hindert, in Führung zu gehen?


Ja und nein. Ich finde grund­sätzlich Selbst­zweifel oder auch Selbst­re­flexion gut. Wenn ich an einem Sessel vorbeigehe und mich stoße, dann ist es gut, wenn ich eine Seite habe, die sich denkt, wieso bin ich so knapp vorbei­ge­gangen. Und dann gibt es natürlich den anderen Blick, blöder Sessel, wieso stehst du da? Ich finde beide Perspek­tiven so wichtig und es wäre eben gut, wenn man sie mitein­ander verbinden könnte.

Ist es für Frauen in einem selbst­stän­digen Umfeld ­attrak­tiver, zu führen?


Die Selbst­stän­digkeit bietet Vor- und Nachteile wie das Angestellten-Dasein auch. Ich finde es gut, wenn Frauen sich selbst­ständig machen – ich bin ja auch sehr gerne selbst­ständig. Es bietet den Vorteil der Unabhän­gigkeit und auch der ab und an besseren freien Zeitein­teilung, aber natürlich auch den Nachteil der fehlenden finan­zi­ellen Sicherheit. Als Selbst­ständige sitzen wir ganz oft vor dem weißen Blatt Papier und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird.

Ungewissheit ist ­generell spürbar. Braucht es gerade in unsicheren Zeiten einen anderen Führungsstil?


Unbedingt, denn wir können die Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind. Deswegen werden vor allem diese „weiblichen“ Kompe­tenzen, zum Beispiel Empathie, Fürsorg­lichkeit, Kolla­bo­ration, Bezie­hungs­aufbau, so wichtig für Unter­nehmen. Das sind Eigen­schaften, bei denen Frauen laut Studien signi­fikant besser abschneiden. Vor allem in Zeiten von Künst­licher Intel­ligenz und viel Unsicherheit sind das Kompe­tenzen, die wir dringend mehr brauchen und auch mehr sehen und schätzen sollten. Nicht nur die Unter­nehmen, auch wir Frauen selbst.

Wie unter­scheidet sich denn der Führungsstil von Männern von jenem von Frauen?


Wir unter­scheiden gerne zwischen „männlichen“ und „weiblichen“ Kompe­tenzen. In einer idealen Welt haben wir beides verfügbar. Was wir momentan vor allem in Unter­nehmen sehen, ist, dass viele „männliche“ Kompe­tenzen wichtig sind: Durch­set­zungs­stärke, Fokus, Selbstbewusstsein.Die „weibliche“ Seite fehlt sehr oft – davon bräuchte man mehr.

Wenn Sie heute einer jungen Frau am Beginn ihrer Karriere einen Rat geben dürften, welcher wäre das?


Einfach machen, es könnte gut werden – wäre mein erster Rat. Und der zweite ist, vom eigenen Selbst­be­wusstsein zehn Stufen nach oben zu gehen, weil dann sind wir ungefähr auf der Selbst­be­wusst­seins­linie von Männern angekommen.

Was raten Sie Unter­nehmen?


Es gibt viele Maßnahmen, die Unter­nehmen tun können. Ich bin ein großer Fan vom eigenen Einfluss­be­reich: Wenn jeder in seinem Einfluss­be­reich macht, was er tun kann, gibt das viel aus.

Zur Person
  • Maren Wölfl gilt als Expertin für Frauen in Führung und Female Leadership.
  • Sie hat langjährige Führungs­er­fahrung in inter­na­tio­nalen Unter­nehmen.
  • Ihr Wissen gibt sie als Autorin, Vortra­gende und Business Coach weiter.
  • Für ihr Wirken wurde Maren Wölfl 2024 unter anderem als „Unter­neh­merin des Jahres“ von der Wirtschafts­kammer Öster­reich ausge­zeichnet und zählt zu den Top HR-Influen­ce­rinnen Öster­reichs.
  • In ihrer Freizeit reist sie gerne und verbringt Zeit mit ihrer Familie.
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 13/26 erschienen.
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