„Führung beginnt
immer bei uns selbst“
Warum moderne Führung kein Kuschelkurs ist und wie der Generationswechsel in Familienunternehmen gelingt, erklärt Leadership-Expertin und Buchautorin Clara Crombach.
„Kärntner Wirtschaft“: Sie haben mit Mitte 20 bereits Ihre erste Führungsrolle übernommen. Wie haben sich Ihre Werte in der Führungskultur seitdem verändert?
Clara Crombach: Anfangs ging es viel darum, mir selbst etwas zu beweisen. Ich war sehr leistungsbezogen, für mich selbst und auch gegenüber meinem Team. Das war im Nachhinein betrachtet meine größte Schwäche. Mittlerweile führe ich ja mein eigenes Team und da bedeutet Führung für mich gar nicht mehr, alles im Griff zu haben, sondern bewusst Raum zu geben für neue Perspektiven und Entwicklung. Dadurch verschieben sich Werte automatisch mehr in Richtung Wirksamkeit. Leistung und Ergebnisorientierung sind immer noch wichtig, aber Vertrauen und Klarheit sind jetzt zentral.
In Ihrem neuen Buch sprechen Sie von „New Leadership“. Wo sehen Sie in Betrieben die größten Defizite?
Das Thema Führung auf Augenhöhe wird nach außen oft propagiert, aber wirklich gelebt wird es dann nicht immer. Wir arbeiten mit vielen Geschäftsführenden an Themen wie Delegieren und da denkt man eigentlich, das ist doch der erste Grundstein. Aber das ist es eben nicht. Führen auf Augenhöhe ist auch kein Kuschelkurs, sondern eine bewusste Entscheidung, Menschen Vertrauen zu schenken und ihnen Dinge zuzutrauen. Das fällt besonders in Familienunternehmen oder inhabergeführten Betrieben schwer, wo es eine lange Historie gibt.
Viele Betriebe in Österreich stehen vor einem Generationswechsel. Wie gelingt diese Veränderung?
In Familienunternehmen ist Führung ganz viel Beziehungspflege: zwischen Generationen, Menschen, Werten und Haltungen. Da geht es nicht nur um Prozesse und Strategien, sondern oft viel mehr um Identität: Wer sind wir eigentlich? Wer wollen wir sein? Deshalb gelingt der Übergang auch nicht nur über Strukturen, sondern über Vertrauen. Wir erleben häufig, dass sich ältere Generationen schwertun, Kontrolle abzugeben, weil das Unternehmen das Lebenswerk verkörpert. Da braucht es ganz viele Gespräche, damit man versteht: Wir sehen uns vielleicht gar nicht so unterschiedlich, wie man im ersten Schritt denkt. Dann fängt man an, Brücken zu bauen zwischen den Generationen und zu den Mitarbeitern. Dieses Bewahren und Verändern muss gleichzeitig Platz haben. Dafür gibt es keine Schablone.
Menschen wollen nicht gemanagt und kontrolliert, sondern verstanden werden.
Clara Crombach
Leadership-Expertin und BuchautorinWelche Mythen über Führung begegnen Ihnen oft?
In klassischeren Betrieben ist die erste Fehlannahme: Führung bedeutet Kontrolle. Also wenn ich führe, muss ich alles kontrollieren – welche Aufgaben ich übergebe bis wie sie erfüllt wurden. Die zweite: Führungskräfte müssen immer stark und souverän wirken. Ich gehe voran, ich muss alles wissen und immer direkt eine Lösung parat haben. Und die dritte: Führung ist etwas, das man hat, nicht etwas, das man gestalten muss. Ich bin die Führungskraft, ich habe die Rolle, damit ist es getan. Die Wahrheit ist eher das Gegenteil: Es ist viel mehr Vertrauen statt Kontrolle, Authentizität statt Perfektion, Haltung statt Status.
Wie geht Führung im Alltag leichter?
Führung wird zu einem Riesenthema gemacht und dadurch wahnsinnig komplex. Sie wird leichter, wenn wir sie uns bewusster machen. Führung darf kein To-do auf der Liste werden neben vielen anderen. Am Ende ist es Beziehungspflege, und die braucht Zeit. Menschen wollen nicht gemanagt und kontrolliert werden, sondern verstanden werden.
Ihr Tipp?
Mit Routinen starten: sich jede Woche 20 bis 30 Minuten für Reflexion nehmen. Dann das, was man reflektiert, in Kommunikation mit dem Team einbauen, Fragen stellen. Und Führung beginnt immer bei uns selbst. Am Ende kann man den besten Führungs-Werkzeugkasten der Welt haben, wenn man selbst nicht die passende Haltung hat, bringt das im Außen nichts. Bei sich selbst zu beginnen, ist das Einfachste, was man tun kann, und hat den größten Effekt.
- Clara Crombach, geboren 1996 in Bonn, ist Führungsberaterin, Coach und Gründerin von Minds & Measures. Heute lebt sie in München und unterstützt Unternehmen dabei, moderne Führungskulturen zu etablieren.
- Ihr aktuelles Buch „New Leadership to go – Warum Führung ein Update braucht“ erschien im Business Village Verlag.
- In ihrer Freizeit ist sie in den Bergen und am Wasser unterwegs, Sport ist ihre Energiequelle.