Traditionen
bewahren und Zukunft gestalten
Das 70-Jahr-Jubiläum feiert der Gasthof Kropf in Lind bei Griffen. Was im landwirtschaftlichen Nebenerwerb begann, hat sich zu einer kulinarischen Adresse mit zwei Gault&Millau-Hauben für hohe Kochkunst, Kreativität und handwerkliches Können entwickelt.
Unter der Woche und wochenends gute, bodenständige Menüs und À‑la-carte-Gerichte und am Freitag dann ganz großes Kino – so lautet das Credo von Andreas Morolz. Seit 2019 führt er den Gasthof Kropf und wird dabei von der gesamten Familie unterstützt. Von der Oma und der Mutter hat er das Kochen gelernt und schnell erkannt, dass er den Gerichten gerne seine eigene Handschrift verleihen möchte. „Genau deshalb ist freitags unser Gourmet-Abend entstanden, um zu experimentieren und Grenzen auszuloten“, erzählt Morolz. Selbst bei den Stammgästen kommen die kreativen Teller sehr gut an und auch die Geschmacksnerven der Tester von Gault&Millau wurden getroffen: „Zwei Hauben sind eine schöne Auszeichnung für den Mut, etwas Neues zu wagen.“
Vom Service in die Küche
Seinen beruflichen Weg begann der leidenschaftliche Koch nicht am Herd, sondern im Service. Als Kellner arbeitete er sich bis zum Restaurant- und Sommelierleiter im Schlosshotel Velden und Hotel Schloss Seefels in Pörtschach hoch. Der Wunsch nach Selbstständigkeit führte ihn zurück in den elterlichen Betrieb. „Von der gehobenen Hotellerie zurück in den ländlichen Gasthof war eine Umstellung, aber diese beiden Welten zu verbinden, war genau die Herausforderung, die ich wollte.“
Sowohl in der Küche als auch im Betrieb setzt Morolz auf die Verbindung von Tradition und Innovation. Deshalb wird auch am 150 Jahre alten Kasnudelrezept von der Oma nichts geändert, höchstens verfeinert. Grundsätzlich gehe es ihm beim Kochen darum, den Eigengeschmack und den Charakter eines Gerichts zu bewahren. Die Basis sei dabei ein gutes, ehrliches Produkt, möglichst aus der Region.
Am Puls der Zeit
Gleichzeitig beobachtet der Familienbetrieb mit acht Mitarbeitern und Aushilfen am Wochenende aktuelle Entwicklungen in der Gastronomie genau. „Wir haben zum Beispiel geschmackvolle vegane Gerichte entwickelt und nicht nur Beilagen aufgetischt.“ Auch beim Thema Teuerung verfolgt der Gasthof eine klare Strategie: „Man kann nicht die gesamten Mehrkosten dem Gast überlassen. Vielfach sind die Preise in der Gastronomie überzogen. Ein gesundes Maß dafür, was ein Teller kosten darf, sollte gewahrt bleiben.“
Die nächsten eigenen Investitionen fließen in absehbarer Zeit in eine neue Terrasse sowie die Modernisierung der Küche. Damit schafft der Betrieb die Voraussetzungen für die Zukunft – und vielleicht schon für die fünfte Generation, die derzeit noch in den Kinderschuhen steckt.
- 1948 führt Josef Morolz eine Landwirtschaft mit einem kleinen Gasthaus in Lind.
- 1956 wird das Gastgewerbe angemeldet, später die Landwirtschaft aufgegeben.
- Mittlerweile leitet Andreas Morolz in vierter Generation den Gasthof, die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit.
- Im Laufe der Jahre wurde die Gaststube erweitert, ein Saal, Gästezimmer und eine Kaffeerösterei kamen hinzu.
- Das Lokal wurde 2019 mit zwei Hauben ausgezeichnet.
Berufung statt Überbrückung