„Wichtig ist, einfach anzufangen und nichts aufzuschieben“
Barrierefreiheit auf Websites wird zur Pflicht. Patricia Scheuermann erklärt, worauf es ankommt .
Barrierefreiheit ist mehr als ein gesetzliches Muss: Sie verbessert die Nutzerfreundlichkeit für alle und stärkt gleichzeitig die Sichtbarkeit im Netz. Expertin Patricia Scheuermann von World of Communication über typische Missverständnisse, erste Schritte und pragmatische Lösungen gesprochen.
„Kärntner Wirtschaft“: Was macht eine Barrierefreiheits-Erklärung aus?
Patricia Scheuermann: Eine barrierefreie Erklärung (Barrierefreiheitserklärung) ist eine gut sichtbare Info auf der Website, die offenlegt, wie zugänglich das Angebot ist. Darin steht verständlich, welche Teile der Webseite barrierefrei sind und wo es vielleicht noch Hürden gibt. Wichtig ist auch ein Kontakt für Feedback, damit Nutzer Barrieren melden können – so zeigt man Transparenz und Engagement.
Wo und wie fängt man an?
Am besten beginnt man mit einer Bestandsaufnahme: Wo stehen wir in Sachen Barrierefreiheit? Man kann zum Beispiel einfache Online-Tools nutzen oder Expertenrat einholen, um herauszufinden, welche Bereiche der Website Probleme bereiten. Dann geht es Schritt für Schritt. Etwa Bilder mit Beschreibungstexten versehen, Überschriften klar strukturieren, Kontraste optimieren – so wird die Seite nach und nach barrierefrei.
Wie aufwendig ist die Umsetzung von Barrierefreiheit wirklich?
Pauschal kann man den Aufwand aber nicht abschätzen, da jede Website individuell gebaut und unterschiedlich umfangreich ist. Die Umsetzung ist aber oft weniger aufwendig, als viele befürchten. Vieles lässt sich umsetzen, ohne die ganze Website neu bauen zu müssen. Zum Beispiel Texte klarer formulieren oder Farbkontraste verbessern, was meist mit überschaubarem Aufwand möglich ist.
Wie läuft die Umsetzung bei bestehenden Webseiten oder Shops ab und welche typischen Hürden erleben Sie dabei mit Kunden?
Bei bestehenden Websites starten wir meist mit einem gründlichen Check, um die größten Barrieren aufzuspüren. Anschließend passen wir die Seite Stück für Stück an – zum Beispiel machen wir Formulare, die vorher nur mit der Maus bedienbar waren, auch per Tastatur zugänglich. Eine typische Hürde ist die anfängliche Unsicherheit: Manche Kunden fürchten hohe Kosten oder dass ihr Design darunter leiden könnte, aber in der Praxis lassen sich mit gezielten Anpassungen große Effekte erzielen und das Erscheinungsbild bleibt erhalten.
Gibt es typische Missverständnisse beim Thema Barrierefreiheit?
Ein häufiges Missverständnis ist, dass eine barrierefreie Website zwangsläufig langweilig oder schlicht aussehen muss – dabei lassen sich modernes Design und Barrierefreiheit sehr wohl verbinden. Oft wird auch angenommen, Barrierefreiheit betreffe nur eine kleine Nutzergruppe; in Wirklichkeit profitieren viele Menschen und auch die Suchmaschinen und damit die eigene Sichtbarkeit im Netz davon.
Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen?
Wichtig ist, einfach anzufangen und das Thema nicht aufzuschieben – jeder kleine Schritt zählt. Ich empfehle, sich zuerst zu informieren, ob man mit der eigenen Firmen- und Umsatzgröße unter das Gesetz fällt und sich dann einen groben Überblick mit einer Checkliste oder einem Online-Test zu verschaffen. Man muss das Rad nicht neu erfinden: Es gibt bereits viele gute Leitfäden und oft auch Beratungsangebote, die dabei helfen.