Patricia Scheuermann von World of Communication berät Unternehmen zur Barrierefreiheitserklärung.
Patricia Scheuermann von World of Communication berät Unternehmen zur Barrierefreiheitserklärung. © WOC
Barrierefreiheit

„Wichtig ist, einfach anzufangen und nichts aufzu­schieben“

Barrierefreiheit auf Websites wird zur Pflicht. Patricia Scheuermann erklärt, worauf es ankommt .

16.06.2025 20:32 von Corina Thalhammer
Lesezeit 3 Minuten

Barrie­re­freiheit ist mehr als ein gesetz­liches Muss: Sie verbessert die Nutzer­freund­lichkeit für alle und stärkt gleich­zeitig die Sicht­barkeit im Netz. Expertin Patricia Scheu­ermann von World of Commu­ni­cation über typische Missver­ständ­nisse, erste Schritte und pragma­tische Lösungen gesprochen.

„Kärntner Wirtschaft“: Was macht eine Barrie­re­frei­heits-Erklärung aus?

Patricia Scheu­ermann: Eine barrie­re­freie Erklärung (Barrie­re­frei­heits­er­klärung) ist eine gut sichtbare Info auf der Website, die offenlegt, wie zugänglich das Angebot ist. Darin steht verständlich, welche Teile der Webseite barrie­refrei sind und wo es vielleicht noch Hürden gibt. Wichtig ist auch ein Kontakt für Feedback, damit Nutzer Barrieren melden können – so zeigt man Trans­parenz und Engagement.

Wo und wie fängt man an?

Am besten beginnt man mit einer Bestands­auf­nahme: Wo stehen wir in Sachen Barrie­re­freiheit? Man kann zum Beispiel einfache Online-Tools nutzen oder Exper­tenrat einholen, um heraus­zu­finden, welche Bereiche der Website Probleme bereiten. Dann geht es Schritt für Schritt. Etwa Bilder mit Beschrei­bungs­texten versehen, Überschriften klar struk­tu­rieren, Kontraste optimieren – so wird die Seite nach und nach barrie­refrei.

Wie aufwendig ist die Umsetzung von Barrie­re­freiheit wirklich?

Pauschal kann man den Aufwand aber nicht abschätzen, da jede Website indivi­duell gebaut und unter­schiedlich umfang­reich ist. Die Umsetzung ist aber oft weniger aufwendig, als viele befürchten. Vieles lässt sich umsetzen, ohne die ganze Website neu bauen zu müssen. Zum Beispiel Texte klarer formu­lieren oder Farbkon­traste verbessern, was meist mit überschau­barem Aufwand möglich ist.

Wie läuft die Umsetzung bei bestehenden Webseiten oder Shops ab und welche typischen Hürden erleben Sie dabei mit Kunden?

Bei bestehenden Websites starten wir meist mit einem gründ­lichen Check, um die größten Barrieren aufzu­spüren. Anschließend passen wir die Seite Stück für Stück an – zum Beispiel machen wir Formulare, die vorher nur mit der Maus bedienbar waren, auch per Tastatur zugänglich. Eine typische Hürde ist die anfäng­liche Unsicherheit: Manche Kunden fürchten hohe Kosten oder dass ihr Design darunter leiden könnte, aber in der Praxis lassen sich mit gezielten Anpas­sungen große Effekte erzielen und das Erschei­nungsbild bleibt erhalten.

Gibt es typische Missver­ständ­nisse beim Thema Barrie­re­freiheit?

Ein häufiges Missver­ständnis ist, dass eine barrie­re­freie Website zwangs­läufig langweilig oder schlicht aussehen muss – dabei lassen sich modernes Design und Barrie­re­freiheit sehr wohl verbinden. Oft wird auch angenommen, Barrie­re­freiheit betreffe nur eine kleine Nutzer­gruppe; in Wirklichkeit profi­tieren viele Menschen und auch die Suchma­schinen und damit die eigene Sicht­barkeit im Netz davon.

Welche Tipps haben Sie für Unter­nehmen, die sich erstmals mit dem Thema beschäf­tigen?

Wichtig ist, einfach anzufangen und das Thema nicht aufzu­schieben – jeder kleine Schritt zählt. Ich empfehle, sich zuerst zu infor­mieren, ob man mit der eigenen Firmen- und Umsatz­größe unter das Gesetz fällt und sich dann einen groben Überblick mit einer Check­liste oder einem Online-Test zu verschaffen. Man muss das Rad nicht neu erfinden: Es gibt bereits viele gute Leitfäden und oft auch Beratungs­an­gebote, die dabei helfen.

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Mehr zum Thema gibt es hier: Barrie­re­freiheit in der Praxis.