Ihr Krebs hat Dagmar Hager ihr Leben neu organisieren lassen, denn „das Leben findet heute statt“.
Ihr Krebs hat Dagmar Hager ihr Leben neu organisieren lassen, denn „das Leben findet heute statt“. © Katharina Stögmüller
Dagmar Hager

„Viele glauben an das Irgendwann, nicht ans Jetzt“

Ihre Krebserkrankung war für Medienfrau und Moderatorin Dagmar Hager wie ein Tritt in den Hintern. Sie brachte mehr Fokus auf Wesentliches und Klarheit, wofür sie brennt: das Schreiben von Kriminalromanen, mit denen sie heute erfolgreich ist.

16.09.2026 07:57 von Ines Tebenszky
Lesezeit 4 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Vor elf Jahren hat eine Brust­krebsdiagnose Ihr Leben grund­legend verändert. Wie geht es Ihnen heute?

Dagmar Hager: Mir geht es super gut. Ich gelte als ganz gesund, denn die Schwelle sind fünf Jahre und das ist jetzt schon eine Zeit lang her. Aller­dings habe ich auch so radikal operiert, dass da eher nichts mehr kommen wird.

Wie hat Ihre Erkrankung Ihre Einstellung zum Leben verändert?

Während man mittendrin steckt, kämpft man in erster Linie. Ich habe nicht gewusst, ob ich das überlebe, weil der Krebs schon gestreut hatte. Trotzdem habe ich während der Chemo­the­rapie überlegt, was ich für den Rest meines Lebens will. Ich habe mich sehr viel mit mir ausein­an­der­ge­setzt und mich gefragt, was ich anders machen, was ich hinter­lassen will und was ich noch machen möchte, falls ich nur noch zwei oder drei Jahre habe. Zum anderen, für den Fall, dass es doch gut ausgeht, habe ich mich gefragt, was mir das Leben mit der Krankheit sagen will.

Sie haben dann Ihr Leben umorga­ni­siert, Priori­täten neu gesetzt. Wie viel Mut braucht ein solcher Neustart?

Es war eigentlich kein Mutthema, sondern ein Notwendigkeits­thema. Über die Jahre habe ich mich immer mehr auf die Themen fokus­siert, die mir wichtig sind. Ich war zuvor eine totale Perfek­tio­nistin und habe dann aber gelernt, dass 80 Prozent auch okay sind, es muss nicht immer alles perfekt sein. Ich habe mich sehr viel mit John Strelecky und seinen „Big Five For Life“ beschäftigt und mich selbst gefragt, was ist mir wirklich wichtig, was will ich leben.

Ich will meine ­Sache im Hier und Jetzt möglichst gut ­machen, denn jeder Tag ist wertvoll.Zitat Ende

Dagmar Hager

Autorin

Was war das erste Vorhaben, das Sie dann umgesetzt ­haben?

Ich habe schon während der Chemo das erste Buch umgeschrieben. Die Erstfassung hatte ich in der Schublade, ich war zuvor aber zu feig, sie heraus­zu­holen. Diese Fassung habe ich einer Freundin geschickt, die Bestsel­ler­au­torin ist, um sie dann zu überar­beiten. Ich bin dazu den ganzen Sommer, immer wenn es ging, in meinem Garten gesessen. Direkt nach der Chemo und der Reha bin ich mit meinem Sohn und meinem Ex-Mann nach Neuseeland geflogen – das war ein Eck der Welt, das ich unbedingt sehen wollte.

Braucht es aus Ihrer Sicht immer so ein einschnei­dendes Erlebnis wie Ihre Diagnose, das eine Änderung ins Rollen bringt?

Leider ist das bei vielen Menschen so. Durch meine Erkrankung habe ich gelernt, im Hier und Jetzt zu sein, aus der Vergan­genheit möglichst viel zu lernen, aber ich kenne die Zukunft nicht. Deshalb schaue ich, dass ich meine Sache im Hier und Jetzt möglichst gut mache, denn jeder Tag ist wertvoll. Man darf nicht zu sorglos sein, denn das Leben findet heute statt. Wenn ich mir etwas vornehme, dann tue ich das auch. Ich will es heute umsetzen, weil ich nicht weiß, ob ich das Morgen noch habe. Viele glauben an das Irgendwann und nicht an das Jetzt und deswegen braucht es diesen Tritt in den Hintern.

Sie geben anderen nicht gerne Ratschläge. Was würden Sie aber Ihrem Ich von vor der Diagnose mitgeben?

Rede offen über alles, was dir wichtig ist, deine Bedürf­nisse, aber auch darüber, was dir nicht passt. Ich habe sehr viel mit mir selbst ausge­macht und war zu wenig offen. Ich bin aber drauf­ge­kommen, dass im Leben Kommu­ni­kation alles ist.

Zur Person
  • Dagmar Hager, aufge­wachsen in Villach, hat nach dem Studium der Sport­wis­sen­schaften und einem Lehrab­schluss als Großhan­dels­kauffrau für verschiedene Medien gearbeitet, darunter Zeitungen, der ORF oder private ­Radio­sender.
  • Heute verant­wortet sie zwei nationale digitale ­Radio­sender.
  • Bekannt ist sie vielen als Krimi­au­torin zweier Buchreihen – eine spielt auf Mallorca, die zweite im Salzkam­mergut.
  • Sie lebt in Linz, Wien und auf Mallorca.
Zur Person
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 17/26 erschienen.
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