„Viele glauben an das Irgendwann, nicht ans Jetzt“
Ihre Krebserkrankung war für Medienfrau und Moderatorin Dagmar Hager wie ein Tritt in den Hintern. Sie brachte mehr Fokus auf Wesentliches und Klarheit, wofür sie brennt: das Schreiben von Kriminalromanen, mit denen sie heute erfolgreich ist.
„Kärntner Wirtschaft“: Vor elf Jahren hat eine Brustkrebsdiagnose Ihr Leben grundlegend verändert. Wie geht es Ihnen heute?
Dagmar Hager: Mir geht es super gut. Ich gelte als ganz gesund, denn die Schwelle sind fünf Jahre und das ist jetzt schon eine Zeit lang her. Allerdings habe ich auch so radikal operiert, dass da eher nichts mehr kommen wird.
Wie hat Ihre Erkrankung Ihre Einstellung zum Leben verändert?
Während man mittendrin steckt, kämpft man in erster Linie. Ich habe nicht gewusst, ob ich das überlebe, weil der Krebs schon gestreut hatte. Trotzdem habe ich während der Chemotherapie überlegt, was ich für den Rest meines Lebens will. Ich habe mich sehr viel mit mir auseinandergesetzt und mich gefragt, was ich anders machen, was ich hinterlassen will und was ich noch machen möchte, falls ich nur noch zwei oder drei Jahre habe. Zum anderen, für den Fall, dass es doch gut ausgeht, habe ich mich gefragt, was mir das Leben mit der Krankheit sagen will.
Sie haben dann Ihr Leben umorganisiert, Prioritäten neu gesetzt. Wie viel Mut braucht ein solcher Neustart?
Es war eigentlich kein Mutthema, sondern ein Notwendigkeitsthema. Über die Jahre habe ich mich immer mehr auf die Themen fokussiert, die mir wichtig sind. Ich war zuvor eine totale Perfektionistin und habe dann aber gelernt, dass 80 Prozent auch okay sind, es muss nicht immer alles perfekt sein. Ich habe mich sehr viel mit John Strelecky und seinen „Big Five For Life“ beschäftigt und mich selbst gefragt, was ist mir wirklich wichtig, was will ich leben.
Ich will meine Sache im Hier und Jetzt möglichst gut machen, denn jeder Tag ist wertvoll.
Dagmar Hager
AutorinWas war das erste Vorhaben, das Sie dann umgesetzt haben?
Ich habe schon während der Chemo das erste Buch umgeschrieben. Die Erstfassung hatte ich in der Schublade, ich war zuvor aber zu feig, sie herauszuholen. Diese Fassung habe ich einer Freundin geschickt, die Bestsellerautorin ist, um sie dann zu überarbeiten. Ich bin dazu den ganzen Sommer, immer wenn es ging, in meinem Garten gesessen. Direkt nach der Chemo und der Reha bin ich mit meinem Sohn und meinem Ex-Mann nach Neuseeland geflogen – das war ein Eck der Welt, das ich unbedingt sehen wollte.
Braucht es aus Ihrer Sicht immer so ein einschneidendes Erlebnis wie Ihre Diagnose, das eine Änderung ins Rollen bringt?
Leider ist das bei vielen Menschen so. Durch meine Erkrankung habe ich gelernt, im Hier und Jetzt zu sein, aus der Vergangenheit möglichst viel zu lernen, aber ich kenne die Zukunft nicht. Deshalb schaue ich, dass ich meine Sache im Hier und Jetzt möglichst gut mache, denn jeder Tag ist wertvoll. Man darf nicht zu sorglos sein, denn das Leben findet heute statt. Wenn ich mir etwas vornehme, dann tue ich das auch. Ich will es heute umsetzen, weil ich nicht weiß, ob ich das Morgen noch habe. Viele glauben an das Irgendwann und nicht an das Jetzt und deswegen braucht es diesen Tritt in den Hintern.
Sie geben anderen nicht gerne Ratschläge. Was würden Sie aber Ihrem Ich von vor der Diagnose mitgeben?
Rede offen über alles, was dir wichtig ist, deine Bedürfnisse, aber auch darüber, was dir nicht passt. Ich habe sehr viel mit mir selbst ausgemacht und war zu wenig offen. Ich bin aber draufgekommen, dass im Leben Kommunikation alles ist.
- Dagmar Hager, aufgewachsen in Villach, hat nach dem Studium der Sportwissenschaften und einem Lehrabschluss als Großhandelskauffrau für verschiedene Medien gearbeitet, darunter Zeitungen, der ORF oder private Radiosender.
- Heute verantwortet sie zwei nationale digitale Radiosender.
- Bekannt ist sie vielen als Krimiautorin zweier Buchreihen – eine spielt auf Mallorca, die zweite im Salzkammergut.
- Sie lebt in Linz, Wien und auf Mallorca.