Ortskerne
sind unter Druck
Wie entwickeln sich Handel, Kaufkraft und Ortszentren in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg? Eine aktuelle Wirtschaftsstrukturanalyse liefert einen umfassenden Blick auf die wirtschaftliche Situation in Unterkärnten.
Die aktuelle Wirtschaftsstrukturanalyse der LEADER-Region Unterkärnten liefert ein umfassendes Bild über die Entwicklung des Handels, das Konsumverhalten sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Region verfügt über eine solide wirtschaftliche Basis, steht jedoch vor großen Herausforderungen durch demografische Veränderungen, Kaufkraftabflüsse und den Strukturwandel im Handel. Die Studie belegt, dass sich die Bevölkerungsentwicklung in den beiden Bezirken bereits heute negativ auf die Handelsentwicklung auswirkt. Trotz dieser Entwicklung verfügt Unterkärnten aber weiterhin über eine beachtliche Kaufkraft.
Der Kaufkraftindex liegt bei rund 90 Prozent des österreichischen Durchschnitts. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft beträgt rund 24.400 Euro pro Einwohner in den beiden Bezirken und liegt damit deutlich über dem Kärntner Durchschnitt von 23.650 Euro. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die Kaufkraft außerhalb der Region ausgegeben wird. Neben dem Online-Handel zählen die Ballungsräume Klagenfurt und Graz zu den stärksten Konkurrenten des regionalen Einzelhandels.
Das touristische Potenzial muss in Wertschöpfung für Ortszentren umgewandelt werden.
Rudolf Bredschneider
WK-Obmann VölkermarktDer Tourismus stellt die wichtigste externe Kaufkraftquelle dar. In Unterkärnten stiegen die Nächtigungen seit 2025 um rund 15 Prozent, die touristische Intensität liegt bei 16,1 Nächtigungen pro Einwohner. Besonders stark entwickelt sich der Bezirk Völkermarkt mit rund 1,1 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025, was einem Plus von 18,3 Prozent seit 2015 entspricht. Allein auf St. Kanzian am Klopeiner See entfallen rund 833.900 Nächtigungen, also etwa drei Viertel aller Nächtigungen des Bezirks.
Handlungsbedarf groß
Die Wettbewerbsfähigkeit des Handels stehe jedoch unter Druck. Nur ein Drittel der Betriebe gelte als hoch wettbewerbsfähig. Zudem sehen 50 Prozent der Unternehmen die Entwicklung der regionalen Kaufkraft als verschlechtert. Ebenso beurteile jede zweite befragte Person die Entwicklung der Mietpreise kritisch.
Auch die Digitalisierung sei ausbaufähig: 35 Prozent der Handelsbetriebe nutzen keine digitalen Instrumente und lediglich 24 Prozent verfügen über einen eigenen Online-Shop. Gleichzeitig sehen 45 Prozent der Unternehmen ihre Wettbewerbssituation durch den Online-Handel verschlechtert.
Neue Konzepte gefragt
Im Bezirk Wolfsberg zeigt sich eine starke Bindung der Kaufkraft. Insgesamt bleiben 77 Prozent im Bezirk, im Bereich der Nahversorgung sogar 90 Prozent. Der jährliche Einzelhandelsumsatz beträgt rund 347 Millionen Euro. Zusätzlich bringt der Tourismus etwa 38,9 Millionen Euro an externer Kaufkraft in die Region.
Wir müssen Kaufkraftabflüsse verringern und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärken.
Gerhard Oswald
WK-Obmann WolfsbergDie Mehrzahl der Bezirksgemeinden in Unterkärnten verfüge zwar überwiegend über gute infrastrukturelle und bauliche Voraussetzungen, dennoch seien viele Leerstände nur eingeschränkt marktfähig. Es brauche neue Konzepte in der Standortpolitik, für das Leerstandsmanagement und Ortsmarketing sowie die stärkere Vernetzung von Handel, Tourismus und Gemeinden.
Quelle: Wirtschaftsstrukturanalyse der LEADER-Region Unterkärnten, 2617 befragte Konsumenten, 484 analysierte Handelsbetriebe,
106 eingebundene Unternehmen.