Ingrid Brodnig sprach beim Treffpunkt über Fake News, KI und falsche Behauptungen.
Ingrid Brodnig sprach beim Treffpunkt über Fake News, KI und falsche Behauptungen. © WKK/Welisch
Treffpunkt Kärntner Wirtschaft

Falsche Behaup­tungen erzählen viel über Kommu­ni­kation

Über Fake-News, falsche Behauptungen und Kommunikation an sich sprach Ingrid Brodnig beim Treffpunkt Kärntner Wirtschaft.

27.01.2025 10:50 - Update am: 05.02.2025 09:58 von Corina Thalhammer
Lesezeit 7 Minuten

Journa­listin und Publi­zistin Ingrid Brodnig hielt beim Treff­punkt Kärntner Wirtschaft eine Keynote zum Thema „Wider der Verrohung“.

„Falsche Behaup­tungen erzählen viel über Kommu­ni­kation an sich.“ Warum viele Personen falsche Behaup­tungen glauben, hänge oft mit kommu­ni­ka­tiven Grund­sätzen zusammen. „Leute fühlen sich wohl im Umfeld, wo Glaubens­sätze stark verwurzelt sind.“

Auch der „Illusory-Truth-Effekt“ sei ein beliebtes Mittel, das oft zur Anwendung komme. Der Effekt beschreibt das psycho­lo­gische Phänomen, bei dem Menschen dazu neigen, Infor­ma­tionen als wahr zu akzep­tieren, wenn sie diese wiederholt gehört oder gelesen haben, selbst wenn sie falsch sind. „Im Zweifelsfall glauben wir, was uns ins Weltbild passt.“ Das erkläre, wieso ein Fakten­check nur bedingt erfolg­reich sei. „Man muss hart daran arbeiten, dass sich auch die richtigen Behaup­tungen durch­setzen.“

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Jeder Mensch besitzt zwei Modi des Denkens: „System one“ (=Autopilot) und „System two“ (=analy­tische Denken). Der Mensch habe oft Probleme, recht­zeitig zwischen den Modi umzuschalten. Das sei auf Social-Media-Platt­formen oft der Fall. Hier befinde man sich eher im Autopi­loten.

Muster erkennen

„Leute, die unfair kommu­ni­zieren setzen stets auf die selben Muster“, führt Brodnig aus. Besonders beliebt sind folgende Strategien.

  • Self-sealing arguments: Keine Wiederrede ist möglich – beliebt in der Politik.
  • Anekdo­ten­be­weise: Sie bestehen aus persön­lichen Erfah­rungen oder Erzäh­lungen, die verwendet werden, um eine Schluss­fol­gerung zu ziehen oder einen Stand­punkt zu verdeut­lichen.
  • Cherry-picking: Es gibt 100 Studien, die das gleiche besagen. Eine Person nimmt sich aber genau eine heraus, die etwas anderes besagt.
  • Techn­obabble: Jemand verwendet Fachbe­griffe, um möglichst wichtig zu erscheinen, versteht aber nicht den Zusam­menhang.
  • Loaded questions: Falsche Behaup­tungen als Frage verpacken
  • Themen-Hopping: Das schnelle hin- und herspringen zwischen verschie­denen Themen.

Was tun bei einem Shitstorm?

Bei Postings empfiehlt es sich, allen zu antworten, nicht nur den negativen Stimmen. Beant­wortet man nur die negativen Kommentare, werden diese hervor­ge­hoben und oft als relevantes Posting – also als erstes angezeigt. Die Empfehlung lautet daher, konstruktive Postings zu beachten. Diesen positiven Kommen­taren sollte man auch antworten, um die Community zu stärken.

Für alle Inter­es­sierten sollten Sachin­for­ma­tionen bereit­ge­stellt werden – vor allem bei einem Shitstorm gibt es immer Userinnen und Unser, die für Infor­ma­tionen und Klarstel­lungen empfänglich sind.

Außerdem rät Ingrid Brodnig dazu, sich nicht die Zeit stehlen zu lassen und nur ein Minimum für Negatives aufzu­wenden. Zudem sollen die richtigen Infor­ma­tionen wiederholt werden – auch hier greift der „Illusory-Truth-Effekt“. Sprachlich muss dabei auf die richtige Formu­lierung geachtet werden. Es reicht nicht, ein einfaches „Nein“ oder „kein“ vor eine falsche Behauptung zu stellen. Die Wahrheit muss richtig ausfor­mu­liert werden.

Tipps

  • Quelle: „Je imposanter etwas klingt, desto genauer sollte man prüfen, ob es stimmt“, führt Brodnig aus. Daher sollte sich jeder stets die Frage stellen: Wer ist die Quelle?
  • Google-Bilder­suche: Screenshot aus einem Video erzeugen und es in die Google-Bilder­suche laden.
  • KI: KI-Programme auspro­bieren und testen. Dadurch wird das Auge geschult und das Erkennen von KI-Bilder und Videos, fällt leichter.
  • Truth-Sandwich“: Richtige Infor­mation, dann die falsche Infor­mation ansprechen und aufklären, dann wieder eine richtige Infor­mation. Das Modell sei erfolg­reich, weil Wieder­ho­lungen enthalten sind. Der „Illusory-Truth-Effekt“ kommt wieder zur Anwendung.
  • Bilder: Es empfiehlt sich, Infor­ma­tionen in Bildern oder Grafiken zu verpacken. Vor allem komplexe, schwer greifbare Themen sollte man veran­schau­lichen.
© WKK/Wajand
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