Eric Kirschner ist Experte für Regionalökonomie und Strukturpolitik am
Joanneum Research.
Eric Kirschner ist Experte für Regionalökonomie und Strukturpolitik am Joanneum Research. © Joanneum Research
Koralmbahn

„Die Kor­alm­bahn funk­tio­niert nur mit der letz­ten Mei­le“

Eric Kirschner im Interview über die Potenziale der Koralmbahn.

13.11.2025 09:30 von Johannes Moser
Lesezeit 2 Minuten

„Kärnt­ner Wirt­schaft“: Vie­le Betrie­be hof­fen, dass mit der Kor­alm­bahn auch neue Fach­kräf­te erreich­bar wer­den. Wel­che Poten­zia­le sehen Sie hier?

Eric Kirsch­ner: Die Kor­alm­bahn schafft erst­mals einen ech­ten gemein­sa­men Wirt­schafts­raum zwi­schen Kärn­ten und der Stei­er­mark. Inner­halb einer Stun­de errei­chen künf­tig bei­spiels­wei­se rund 800.000 erwerbs­fä­hi­ge Men­schen – über eine Mil­li­on ins­ge­samt – den neu­en Kno­ten­punkt St. Paul. Für Kärn­ten ist das ein mas­si­ver Zuwachs an poten­zi­el­len Fach­kräf­ten: Wir spre­chen von etwa 200.000 zusätz­li­chen Erwerbs­per­so­nen, die in Pen­del­di­stanz zu Kla­gen­furt lie­gen. In der Stei­er­mark haben pri­va­te Initia­ti­ven und Gemein­den früh inves­tiert, etwa im Kor­alm­park nähe dem Bahn­hof West­stei­er­mark. In Kärn­ten lau­fen Inves­ti­tio­nen wie die­se unter Feder­füh­rung der BABEG, die auch inten­siv an der Ansied­lung von neu­en Betrie­ben arbei­tet.

Wel­che neu­en Geschäfts­mo­del­le könn­ten aus der „Last Mile“ her­vor­ge­hen?

Die Kor­alm­bahn funk­tio­niert nur, wenn auch die letz­te Mei­le funk­tio­niert. Noch fehlt ein koor­di­nier­tes Gesamt­an­ge­bot mit Mikro-ÖV. Öffent­li­che Ver­kehrs­an­ge­bo­te ent­ste­hen aber nicht von heu­te auf mor­gen. Ent­schei­dend ist die Ver­knüp­fung der Wege: Wer pen­delt, muss Kin­der­be­treu­ung, Ein­käu­fe und Frei­zeit mög­lichst effi­zi­ent kom­bi­nie­ren kön­nen. Graz ist mit sei­nem Stra­ßen­bahn­netz gut vor­be­rei­tet, in Kärn­ten ste­hen wir hier erst am Anfang. In Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels müs­sen auch Unter­neh­men an Mobi­li­täts­lö­sun­gen für ihre Mit­ar­bei­ter den­ken. Im Tou­ris­mus wer­den die Kar­ten ohne­hin neu gemischt – künf­tig wird es mög­lich sein, ohne Auto ein voll­stän­di­ges Urlaubs­erlebnis zu genie­ßen.

Wie sehen Sie das Poten­zi­al für einen Aus­tausch zwi­schen Stu­die­ren­den?

Hier liegt gro­ßes Poten­zi­al, aber auch ein Risi­ko: Kla­gen­furt und Vil­lach müs­sen auf­pas­sen, den Anschluss nicht zu ver­lie­ren. Beson­ders die FH Kärn­ten mit ihrem Stand­ort in Vil­lach soll­te rasch Stra­te­gien ent­wi­ckeln, um vom neu­en Hoch­schul­raum zwi­schen Graz und Kla­gen­furt zu pro­fi­tie­ren – sonst droht eine Abwan­de­rung jun­ger Talen­te Rich­tung Stei­er­mark.

Wuss­ten Sie, dass …

… eine Mil­li­on Men­schen in Zukunft inner­halb einer Stun­de vom Bahn­hof St. Paul erreich­bar sind.

… 30 Pro­zent mehr Fern­ver­kehr in Zukunft auf Schie­nen durch Kärn­ten rollt.

… 98 Minu­ten die schnells­te Ver­bin­dung von Graz zur Burg Hoch­os­ter­witz ab 14. Dezem­ber dau­ert, der­zeit sind es min­des­tens 195 Minu­ten.

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Mehr zum The­ma gibt es hier: „Letz­te Mei­le“: Wege und Lösun­gen.