„Die Koralmbahn funktioniert nur mit der letzten Meile“
Eric Kirschner im Interview über die Potenziale der Koralmbahn.
„Kärntner Wirtschaft“: Viele Betriebe hoffen, dass mit der Koralmbahn auch neue Fachkräfte erreichbar werden. Welche Potenziale sehen Sie hier?
Eric Kirschner: Die Koralmbahn schafft erstmals einen echten gemeinsamen Wirtschaftsraum zwischen Kärnten und der Steiermark. Innerhalb einer Stunde erreichen künftig beispielsweise rund 800.000 erwerbsfähige Menschen – über eine Million insgesamt – den neuen Knotenpunkt St. Paul. Für Kärnten ist das ein massiver Zuwachs an potenziellen Fachkräften: Wir sprechen von etwa 200.000 zusätzlichen Erwerbspersonen, die in Pendeldistanz zu Klagenfurt liegen. In der Steiermark haben private Initiativen und Gemeinden früh investiert, etwa im Koralmpark nähe dem Bahnhof Weststeiermark. In Kärnten laufen Investitionen wie diese unter Federführung der BABEG, die auch intensiv an der Ansiedlung von neuen Betrieben arbeitet.
Welche neuen Geschäftsmodelle könnten aus der „Last Mile“ hervorgehen?
Die Koralmbahn funktioniert nur, wenn auch die letzte Meile funktioniert. Noch fehlt ein koordiniertes Gesamtangebot mit Mikro-ÖV. Öffentliche Verkehrsangebote entstehen aber nicht von heute auf morgen. Entscheidend ist die Verknüpfung der Wege: Wer pendelt, muss Kinderbetreuung, Einkäufe und Freizeit möglichst effizient kombinieren können. Graz ist mit seinem Straßenbahnnetz gut vorbereitet, in Kärnten stehen wir hier erst am Anfang. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen auch Unternehmen an Mobilitätslösungen für ihre Mitarbeiter denken. Im Tourismus werden die Karten ohnehin neu gemischt – künftig wird es möglich sein, ohne Auto ein vollständiges Urlaubserlebnis zu genießen.
Wie sehen Sie das Potenzial für einen Austausch zwischen Studierenden?
Hier liegt großes Potenzial, aber auch ein Risiko: Klagenfurt und Villach müssen aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Besonders die FH Kärnten mit ihrem Standort in Villach sollte rasch Strategien entwickeln, um vom neuen Hochschulraum zwischen Graz und Klagenfurt zu profitieren – sonst droht eine Abwanderung junger Talente Richtung Steiermark.
… eine Million Menschen in Zukunft innerhalb einer Stunde vom Bahnhof St. Paul erreichbar sind.
… 30 Prozent mehr Fernverkehr in Zukunft auf Schienen durch Kärnten rollt.
… 98 Minuten die schnellste Verbindung von Graz zur Burg Hochosterwitz ab 14. Dezember dauert, derzeit sind es mindestens 195 Minuten.