„Letzte Meile“: Wege und Lösungen
Wenn bald die Züge durch den Koralmtunnel rauschen, wird für viele Menschen die Area Süd Realität.
1,8 Millionen Menschen, 150.000 Betriebe, 500.000 Beschäftigte: Das sind die beeindruckenden Zahlen des Zentralraums Kärnten-Steiermark, der mit der Eröffnung der Koralmbahn Realität wird. Die Koralmbahn ermöglicht eine noch nie dagewesene Form des Austausches von Kärnten und der Steiermark. Entscheidend ist jedoch auch, wie die Menschen von den neuen, zahlreich bedienten Haltestellen entlang der Strecke an ihren Arbeitsplatz, ihre Weiterbildungseinrichtung oder an ihren Urlaubsort kommen.
Öffentlicher Verkehr im „Mikro-Modus“
In 75 Kärntner Gemeinden bestehen bereits Mikro-ÖV-Angebote, die eine Ergänzung für Menschen ohne eigenes Auto darstellen. Das bekannteste Modell ist hier das von Vereinen oder Gemeinden getragene Go-Mobil. Nebenbei existieren viele weitere regionale Systeme. Eric Kirschner, der am Forschungsinstitut Joanneum Research an den Regionalökonomie und Strukturpolitik arbeitet, erklärt dazu, „dass die gegenseitige Abstimmung der Vielzahl an Systemen auf die neuen Bedürfnisse, die die Koralmbahn mit sich bringen wird, eine große Herausforderung darstellt“.
„Bahnhofshuttle“ als Option
Aus touristischer Sicht besteht in Kärnten seit 2016 das Zentrum für nachhaltige Destinationsentwicklung. Diese Initiative organisiert unter anderem den Bahnhofshuttle, der 17 Bahnhöfe in Kärnten bedient und am Vortag gebucht wird. „Unser Ziel ist die Gestaltung von lückenloser Mobilität – sowohl zur Unterkunft als auch zu Ausflugszielen“, sagt Projektleiter Markus Reisner. Was die öffentliche Erreichbarkeit von Betrieben entlang der Strecke betrifft, wurden bereits in der jüngeren Vergangenheit Maßnahmen gesetzt. So wurde die Taktung des ÖBB-Busses vom Bahnhof St. Michael ob Bleiburg über das Werksgelände von Bosch-Mahle nach Eberndorf an die Anschlüsse der S‑Bahn abgestimmt. Auch der Klagenfurter Stadtbus fährt vom S‑Bahnhof Klagenfurt West alle zehn Minuten zum Lakeside Park. „Grundsätzlich wird sich der Bedarf allerdings erst zeigen. Öffentlicher Verkehr entsteht nicht von heute auf morgen“, so Eric Kirschner.
Stimmen aus der Wirtschaft
„Regionen für Fachkräfte attraktiver“
„Unser Unternehmen hat Standorte dies- und jenseits der Koralpe und wir glauben, dass die neue Möglichkeit der Mobilität beide Regionen für Fachkräfte attraktiver machen wird. Bei der letzten Meile gehen die Möglichkeiten derzeit auseinander: Während wir in St. Paul fünf Minuten vom neuen Bahnhof entfernt sind, ist der Standort in Raaba nur sehr umständlich per Bus erreichbar. Hier müsste sich, je nach Bedarf, eine neue Form des Mikro-ÖV in die Industriezentren einpendeln. In St. Paul könnte beispielsweise auch bestehende Infrastruktur wie das alte Gleis der Lavanttalbahn für autonomen Verkehr ins Ortszentrum genutzt werden.“
„Shuttle-Service zu Betrieben“
„Die Tatsache, wie viele Züge jetzt Kärnten queren und am nur vier Kilometer entfernten Bahnhof in Kühnsdorf halten werden, macht uns sehr hoffnungsvoll. Wir werden deshalb den Shuttle-Service zu unseren Betrieben gleich mitbuchbar machen und selbst anbieten. Sinnvoll wäre auch ein Auto-Verleihsystem direkt an den wichtigsten Bahnhöfen.“
„First & Last Mile-Service“
„Wir decken bereits seit etlichen Jahren die ‚First & Last Mile‘ in der Region Mittelkärnten ab. Unser System RUF:Mi ist in den sechs Gemeinden Althofen, Guttaring, Mölbling, Micheldorf, Kappel am Krappfeld sowie Friesach unterwegs und deckt ländliche Gebiete ab. Der Service ist als Mikro-ÖV eingerichtet und ergänzt die eher schwächer frequentierten Zeiten. In der Region Wolfsberg/Unterkärnten sind wir ebenso als Subunternehmer für den Postbus im Einsatz.“