Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen durch die „letzte Meile“?
Welche Chancen ergeben sich für Unternehmen durch die „letzte Meile“? © ÖBB
Koralmbahn

„Letz­te Mei­le“: Wege und Lösun­gen

Wenn bald die Züge durch den Koralmtunnel rauschen, wird für viele Menschen die Area Süd Realität.

11.11.2025 07:16 von Johannes Moser
Lesezeit 5 Minuten

1,8 Mil­lio­nen Men­schen, 150.000 Betrie­be, 500.000 Beschäf­tig­te: Das sind die beein­dru­cken­den Zah­len des Zen­tral­raums Kärn­ten-Stei­er­mark, der mit der Eröff­nung der Kor­alm­bahn Rea­li­tät wird. Die Kor­alm­bahn ermög­licht eine noch nie dage­we­se­ne Form des Aus­tau­sches von Kärn­ten und der Stei­er­mark. Ent­schei­dend ist jedoch auch, wie die Men­schen von den neu­en, zahl­reich bedien­ten Halte­stellen ent­lang der Stre­cke an ihren Arbeits­platz, ihre Wei­ter­bil­dungs­ein­rich­tung oder an ihren Urlaubs­ort kom­men.

Öffent­li­cher Ver­kehr im „Mikro-Modus“

In 75 Kärnt­ner Gemein­den bestehen bereits Mikro-ÖV-Ange­bo­te, die eine Ergän­zung für Men­schen ohne eige­nes Auto dar­stel­len. Das bekann­tes­te Modell ist hier das von Ver­ei­nen oder Gemein­den getra­ge­ne Go-Mobil. Neben­bei exis­tie­ren vie­le wei­te­re regio­na­le Sys­te­me. Eric Kirsch­ner, der am Forschungs­institut Joan­ne­um Rese­arch an den Regio­nal­öko­no­mie und Struk­tur­po­li­tik arbei­tet, erklärt dazu, „dass die gegen­sei­ti­ge Abstim­mung der Viel­zahl an Sys­te­men auf die neu­en Bedürf­nis­se, die die Kor­alm­bahn mit sich brin­gen wird, eine gro­ße Her­aus­for­de­rung dar­stellt“.

„Bahn­hofs­hut­tle“ als Opti­on

Aus tou­ris­ti­scher Sicht besteht in Kärn­ten seit 2016 das Zen­trum für nach­hal­ti­ge Desti­na­ti­ons­ent­wick­lung. Die­se Initia­ti­ve orga­ni­siert unter ande­rem den Bahn­hofs­hut­tle, der 17 Bahn­hö­fe in Kärn­ten bedient und am Vor­tag gebucht wird. „Unser Ziel ist die Gestal­tung von lück­enloser Mobi­li­tät – sowohl zur Unter­kunft als auch zu Aus­flugs­zie­len“, sagt Pro­jekt­lei­ter Mar­kus Reis­ner. Was die öffent­li­che Erreich­bar­keit von Betrie­ben ent­lang der Stre­cke betrifft, wur­den bereits in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit Maß­nah­men gesetzt. So wur­de die Tak­tung des ÖBB-Bus­ses vom Bahn­hof St. Micha­el ob Blei­burg über das Werks­ge­län­de von Bosch-Mah­le nach Ebern­dorf an die Anschlüs­se der S‑Bahn abge­stimmt. Auch der Kla­gen­fur­ter Stadt­bus fährt vom S‑Bahnhof Kla­gen­furt West alle zehn Minu­ten zum Lake­si­de Park. „Grund­sätz­lich wird sich der Bedarf aller­dings erst zei­gen. Öffent­li­cher Ver­kehr ent­steht nicht von heu­te auf mor­gen“, so Eric Kirsch­ner.

Stim­men aus der Wirt­schaft

„Regio­nen für Fach­kräf­te attrak­ti­ver“

„Unser Unter­neh­men hat Stand­or­te dies- und jen­seits der Kor­alpe und wir glau­ben, dass die neue Mög­lich­keit der Mobi­li­tät bei­de Regio­nen für Fach­kräf­te attrak­ti­ver machen wird. Bei der letz­ten Mei­le gehen die Mög­lich­kei­ten der­zeit aus­ein­an­der: Wäh­rend wir in St. Paul fünf Minu­ten vom neu­en Bahn­hof ent­fernt sind, ist der Stand­ort in Raa­ba nur sehr umständ­lich per Bus erreich­bar. Hier müss­te sich, je nach Bedarf, eine neue Form des Mikro-ÖV in die Indus­trie­zen­tren ein­pen­deln. In St. Paul könn­te bei­spiels­wei­se auch bestehen­de Infra­struk­tur wie das alte Gleis der Lavanttal­bahn für auto­no­men Ver­kehr ins Orts­zen­trum genutzt wer­den.“

Chris­ti­an Schram­mel

„Shut­tle-Ser­vice zu Betrie­ben“

„Die Tat­sa­che, wie vie­le Züge jetzt Kärn­ten que­ren und am nur vier Kilo­me­ter ent­fern­ten Bahn­hof in Kühns­dorf hal­ten wer­den, macht uns sehr hoff­nungs­voll. Wir wer­den des­halb den Shut­tle-Ser­vice zu unse­ren Betrie­ben gleich mit­buch­bar machen und selbst anbie­ten. Sinn­voll wäre auch ein Auto-Ver­leih­sys­tem direkt an den wichtigs­ten Bahn­hö­fen.“

Micha­el Sam­mer

„First & Last Mile-Ser­vice“

„Wir decken bereits seit etli­chen Jah­ren die ‚First & Last Mile‘ in der Regi­on Mit­tel­kärn­ten ab. Unser Sys­tem RUF:Mi ist in den sechs Gemein­den Alt­ho­fen, Gut­ta­ring, Mölb­ling, Michel­dorf, Kap­pel am Krapp­feld sowie Frie­sach unter­wegs und deckt länd­li­che Gebie­te ab. Der Ser­vice ist als Mikro-ÖV ein­ge­rich­tet und ergänzt die eher schwä­cher fre­quen­tier­ten Zei­ten. In der Regi­on Wolfsberg/Unterkärnten sind wir eben­so als Sub­un­ter­neh­mer für den Post­bus im Ein­satz.“

Tho­mas Hof­stät­ter
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Die­ser Arti­kel ist in Aus­ga­be 21/25 erschie­nen.
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