Wirte entdecken den
Geschmack von Alpen und Adria
Wirte unterwegs: Erste Fachexkursion für Gaumen und Wissen der Wirtshauskultur führte nach Slowenien und Friaul.
„Der Austausch untereinander ist sehr wichtig“, waren sich die Obleute der Kärntner Wirtshauskultur, Kathrin Zollner und Gerfried Hopf, einig und hochzufrieden, dass er bei der ersten Fachexkursion für Gaumen und Wissen „Geschmack der Alpen Adria“ intensiv und herzlich gepflegt wurde. „Miteinander reden, voneinander lernen und sich gegenseitig helfen“ formulierte Zollner ihren Wunsch, der in diesen zwei Tagen mit Leben erfüllt wurde. „Konkurrenzdenken und Berührungsängste gibt es nicht mehr. Wir wollen uns gegenseitig bestärken“.
Genussreise mit Blick hinter die Kulissen
Unter diesem Motto steuerte ein Bus voller Wirte von Obervellach bis Ludmannsdorf gut gelaunt und gut betreut von Guntram Jilka und Julia Stanitznig von der Fachgruppe Gastronomie, unterstützt von Francesca Rosetto von Klagenfurt Tourismus, den Ort Sora in Slowenien an, wo das Familienunternehmen Jezeršek, das mit Event-Catering zu den Top 10 Europas gehört, einen Blick hinter die Kulissen gestattete.
So wurde das neue, KI-gestützte System zur Verringerung von Abfall, der meist 20 Prozent pro Person beträgt, präsentiert. Was am Teller übrig bleibt, wird gewogen und von der KI erfasst, die nach Datensammlung errechnet, was beim nächsten Mal eingespart werden kann. Durch dieses „Smart Food Management“ sei in nur neun Monaten der Abfall um zehn Prozent zurückgegangen, erzählte CEO Martin Jezeršek, stolz auf 2500 Events pro Jahr, darunter UEFA-Supercup- und Olympische Spiele. Jezeršek betreibt auch die Gastronomie auf den Burgen Bled, Laibach und nun auch Taggenbrunn, im Imagevideo eine „märchenhafte“ Kärntner Location inmitten „smaragdgrüner Landschaften“, wo Geschichte auf Weinkunst trifft.
Regionale Spezialitäten und gelebte Tradition
Im Vipavatal verkostete man in Križ autochthone Weißweine wie den Pinella mit der feinen Mandelnote und Natural Wines wie Zelen mit seinem knackigen Geschmack. Im friulanischen Casal Vena zeigte man in der historischen Mühle Antico Molino F.lli Persello, wie man mit Nischenprodukten wie nach alter Tradition gemahlener Polenta und speziellen Mehlen aus antiken Sorten wie Urweizen reüssieren kann. Die hölzerne Mühle, eine von acht übriggebliebenen der ehemals 800 Mühlen in Friaul gibt es seit 1928, der Motor funktioniert seit 1938 einwandfrei.
Im Hotel „Là di Moret“ in Tricesimo lernte man Alberto Tonizzo, den neuen Küchenchef des für seine typisch friulanische Küche bekannten Restaurants „Al Fogolar“ kennen und in Fagagna im „Al Castello“ die Brüder F.lli Negrini, die in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre Slow Food Presidi wie Cipolla di Cavasso, eine milde, rötliche Zwiebel, authochtone Apfelsorten „Antiche mele dell‘Alto Friuli“, Ziegensalami und „Pestat“, ein Pesto aus Gemüsen und Speck von speziellen Schweinen, präsentierten, was Christian Tammegger von Slow Food Travel Marktplatz Mittelkärnten besonders freute.
Auch die agnolotti, eine Art Schlickkrapferln, gefüllt mit „pitina“, einer typischen in Maismehl gewälzten, geräucherten Wurstspezialität aus dem Tramontina-Tal, begeisterte. „Bei uns wird alles selber gemacht und sparsam gewirtschaftet“, meinte Stefano Negrini, der das Service leitet, während sein Bruder Angelo Negrini, „autodidaktischer Koch mit Persönlichkeit und Kreativität“ in der Küche werkt.
„Mit ehrlichen Grundprodukten und drei einfachen Zutaten macht man in Italien ein gutes Gericht“, war Wirte-Obmann Hopf beeindruckt. „Wir sollten uns beim Essen mehr Zeit lassen und mehr kosten“, nahm er als Impuls von der Reise mit. Die Grenzen solle man kulinarisch viel mehr auflösen. „Die Liebe zum Essen und zur Gastfreundschaft verbindet uns alle“.