Elisabeth Zehetner machte sich unlängst ein Bild von der Situation im Kärntner Tourismus.
Elisabeth Zehetner machte sich unlängst ein Bild von der Situation im Kärntner Tourismus. © WKK/Just
Elisabeth Zehetner

„Wir müssen ­verein­fachen und beschleu­nigen“

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner spricht im Interview über Digitalisierung, Start-ups und den heimischen Tourismus.

27.08.2025 07:36 - Update am: 28.08.2025 09:04 von Ines Tebenszky
Lesezeit 5 Minuten

Ob One-Stop-Shop für Energie­wende-Projekte, neue Touris­mus­stra­tegie oder Dachfonds für Start-up-Finan­zie­rungen – was es damit auf sich hat, weiß Staats­se­kre­tärin für Energie, Tourismus und Start-ups Elisabeth Zehetner.

„Kärntner Wirtschaft“: ­Damit die Wirtschaft nicht in einer Stagnation verharrt, fordert die Wirtschafts­kammer Kärnten, den Impuls­motor zu starten. Ein Schlüssel dafür ist die Deregu­lierung. Was ist dazu auf ­Bundes­ebene zu erwarten?

Elisabeth Zehetner: Das Wirtschafts­ressort hat eine eigene Soko Bürokra­tie­abbau. Sie durch­forstet alle Bereiche nach Verein­fa­chungen. Gleich­zeitig müssen wir uns damit beschäf­tigen, wie wir Geneh­mi­gungs­ver­fahren beschleu­nigen können. Ich kümmere mich gerade ums Erneu­er­baren-Ausbau-Beschleu­ni­gungs­gesetz, in dem es darum geht, für die Energie­wende-Projekte konzen­trierte Verfahren auf den Weg zu bringen, damit in einem One-Stop-Shop alles abgewi­ckelt werden kann.

Welche Rolle spielt dabei die Digita­li­sierung?

Die Digita­li­sierung spielt überall eine wesent­liche Rolle. Ich sehe darin und auch in der Künst­lichen Intel­ligenz ein Tool, das uns das Leben verein­fachen soll. Überall dort, wo keine Dienst­leistung am Menschen oder am Gast nötig ist, kann man komplexe Prozesse einfacher abwickelbar machen.

Der Tourismus ist eine Schlüs­sel­branche für die Wirtschaft, die aktuell vor großen Heraus­for­de­rungen steht. Was ist geplant, um hier die Wett­bewerbs­fähigkeit langfristig zu ­sichern?

Das Thema der hohen Arbeits­kos­ten und des Fachkräf­te­mangels verbindet den Tourismus mit vielen Branchen, wirkt sich aber im Tourismus doppelt aus. Die Lohnstei­ge­rungen können Betriebe nicht schlu­cken, höhere Preise bringen der Branche sehr viel Kritik ein. Insgesamt steht sie unter großem Druck. Das ist auch ein Thema unserer Touris­mus­stra­tegie, die wir aktuell erneuern. Ein großes Thema ist die wirtschaft­liche Resilienz und die Rahmen­be­din­gungen so zu gestalten, dass es sich im Tourismus wirtschaftlich auszahlt nicht nur zu agieren, sondern auch zu inves­tieren. Dafür brauchen Betriebe Planungs­sicherheit.

Wie beurteilen Sie die Förde­rungen im Tourismus?

Ich glaube, wir sind insgesamt recht gut aufge­stellt. Wichtig ist aber, dass wir Betriebe fit für die Übergabe machen. Wir haben zusätzlich mit der Touris­mus­för­derung für ländliche Regionen ein eigenes Instrument dafür.

Es muss sich im Tourismus auszahlen, nicht nur zu agieren, sondern auch zu ­inves­tieren.Zitat Ende

Elisabeth Zehetner

Staats­se­kre­tärin

Braucht es mehr gezielte ­Inves­tition in die Qualität?

In den Hotels hat man relativ rasche Renovie­rungs­zyklen. Da geht es um die Frage der Finan­zierung. Wir werden uns dieser Frage in der Touris­mus­stra­tegie genau widmen und schauen, wie man den Hebel, den wir mit den jetzigen Mitteln erreichen, noch weiter vergrößern kann. Die Struktur muss einfach modern sein, sonst ist man für den Gast unattraktiv.

Sie sind auch für Start-ups zuständig. Was benötigt der Standort, um für Start-ups attraktiv zu sein?

Um die Themen Finan­zierung und Risiko­ka­pital abzudecken, wollen wir einen öster­rei­chi­schen Dachfonds instal­lieren, der in unter­schied­liche Start-up-Fonds inves­tiert, und damit mehr Kapital für Ideen in Öster­reich auf den Weg bringen. Parallel dazu bemühen wir uns um eine stärkere Vernetzung der Start-up-Szene.

Gibt es einen Zeitplan für diesen Dachfonds?

Wir werden im Herbst eine Studie präsen­tieren, die verglichen hat, wie Dachfonds in anderen europäi­schen Ländern funktio­nieren und auf dieser Basis dann auch ein Modell für Öster­reich vorstellen. Ich hoffe, dass wir Ende 2026 soweit sind, dass dieser Fonds tatsächlich die ersten Finan­zie­rungen ausschütten wird.

Geld dafür ist da?

Wir denken gerade kreativ, um Geld zu finden.

Bei all diesen drängenden Themen – auf welchem liegt Ihr Haupt­au­genmerk?

Das ist das Los der Politik, dass man versuchen muss, alle wichtigen Themen gleich­zeitig zu bearbeiten.

Elisabeth Zehetner
  • Elisabeth Zehetner (48) ist seit März Staats­se­kre­tärin im Bundes­mi­nis­terium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, wo sie für die Bereiche Start-ups, Energie und Tourismus zuständig ist.
  • Die gebürtige Oberös­ter­rei­cherin war von 2003 bis 2022 in der Wirtschafts­kammer Öster­reich tätig, unter anderem als Bundes­ge­schäfts­füh­rerin der ­Jungen Wirtschaft, des Gründer­service und von Frau in der Wirtschaft.
  • 2022 gründete sie den Think-Tank OEcolution ­Austria.
Zur Person
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 15/16/25 erschienen.
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