„Wir müssen vereinfachen und beschleunigen“
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner spricht im Interview über Digitalisierung, Start-ups und den heimischen Tourismus.
Ob One-Stop-Shop für Energiewende-Projekte, neue Tourismusstrategie oder Dachfonds für Start-up-Finanzierungen – was es damit auf sich hat, weiß Staatssekretärin für Energie, Tourismus und Start-ups Elisabeth Zehetner.
„Kärntner Wirtschaft“: Damit die Wirtschaft nicht in einer Stagnation verharrt, fordert die Wirtschaftskammer Kärnten, den Impulsmotor zu starten. Ein Schlüssel dafür ist die Deregulierung. Was ist dazu auf Bundesebene zu erwarten?
Elisabeth Zehetner: Das Wirtschaftsressort hat eine eigene Soko Bürokratieabbau. Sie durchforstet alle Bereiche nach Vereinfachungen. Gleichzeitig müssen wir uns damit beschäftigen, wie wir Genehmigungsverfahren beschleunigen können. Ich kümmere mich gerade ums Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, in dem es darum geht, für die Energiewende-Projekte konzentrierte Verfahren auf den Weg zu bringen, damit in einem One-Stop-Shop alles abgewickelt werden kann.
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Die Digitalisierung spielt überall eine wesentliche Rolle. Ich sehe darin und auch in der Künstlichen Intelligenz ein Tool, das uns das Leben vereinfachen soll. Überall dort, wo keine Dienstleistung am Menschen oder am Gast nötig ist, kann man komplexe Prozesse einfacher abwickelbar machen.
Der Tourismus ist eine Schlüsselbranche für die Wirtschaft, die aktuell vor großen Herausforderungen steht. Was ist geplant, um hier die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern?
Das Thema der hohen Arbeitskosten und des Fachkräftemangels verbindet den Tourismus mit vielen Branchen, wirkt sich aber im Tourismus doppelt aus. Die Lohnsteigerungen können Betriebe nicht schlucken, höhere Preise bringen der Branche sehr viel Kritik ein. Insgesamt steht sie unter großem Druck. Das ist auch ein Thema unserer Tourismusstrategie, die wir aktuell erneuern. Ein großes Thema ist die wirtschaftliche Resilienz und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass es sich im Tourismus wirtschaftlich auszahlt nicht nur zu agieren, sondern auch zu investieren. Dafür brauchen Betriebe Planungssicherheit.
Wie beurteilen Sie die Förderungen im Tourismus?
Ich glaube, wir sind insgesamt recht gut aufgestellt. Wichtig ist aber, dass wir Betriebe fit für die Übergabe machen. Wir haben zusätzlich mit der Tourismusförderung für ländliche Regionen ein eigenes Instrument dafür.
Es muss sich im Tourismus auszahlen, nicht nur zu agieren, sondern auch zu investieren.
Elisabeth Zehetner
StaatssekretärinBraucht es mehr gezielte Investition in die Qualität?
In den Hotels hat man relativ rasche Renovierungszyklen. Da geht es um die Frage der Finanzierung. Wir werden uns dieser Frage in der Tourismusstrategie genau widmen und schauen, wie man den Hebel, den wir mit den jetzigen Mitteln erreichen, noch weiter vergrößern kann. Die Struktur muss einfach modern sein, sonst ist man für den Gast unattraktiv.
Sie sind auch für Start-ups zuständig. Was benötigt der Standort, um für Start-ups attraktiv zu sein?
Um die Themen Finanzierung und Risikokapital abzudecken, wollen wir einen österreichischen Dachfonds installieren, der in unterschiedliche Start-up-Fonds investiert, und damit mehr Kapital für Ideen in Österreich auf den Weg bringen. Parallel dazu bemühen wir uns um eine stärkere Vernetzung der Start-up-Szene.
Gibt es einen Zeitplan für diesen Dachfonds?
Wir werden im Herbst eine Studie präsentieren, die verglichen hat, wie Dachfonds in anderen europäischen Ländern funktionieren und auf dieser Basis dann auch ein Modell für Österreich vorstellen. Ich hoffe, dass wir Ende 2026 soweit sind, dass dieser Fonds tatsächlich die ersten Finanzierungen ausschütten wird.
Geld dafür ist da?
Wir denken gerade kreativ, um Geld zu finden.
Bei all diesen drängenden Themen – auf welchem liegt Ihr Hauptaugenmerk?
Das ist das Los der Politik, dass man versuchen muss, alle wichtigen Themen gleichzeitig zu bearbeiten.
- Elisabeth Zehetner (48) ist seit März Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, wo sie für die Bereiche Start-ups, Energie und Tourismus zuständig ist.
- Die gebürtige Oberösterreicherin war von 2003 bis 2022 in der Wirtschaftskammer Österreich tätig, unter anderem als Bundesgeschäftsführerin der Jungen Wirtschaft, des Gründerservice und von Frau in der Wirtschaft.
- 2022 gründete sie den Think-Tank OEcolution Austria.