Für Manuela Wenger ist Wertschätzung ein Teil der Unternehmenskultur.
Für Manuela Wenger ist Wertschätzung ein Teil der Unternehmenskultur. © KK/MoveX
Manuela Wenger

„Wertschätzung birgt ein großes Potenzial in sich“

Manuela Wenger über Wertschätzung als Erfolgsstrategie.

17.12.2025 08:11 - Update am: 18.12.2025 07:17 von Anita Arneitz
Lesezeit 5 Minuten

Warum ein ehrliches Danke oft mehr bringt als eine teure Weihnachts­feier, verrät Unter­neh­mens­be­ra­terin und Buchau­torin Manuela Wenger, die ihren Fokus ganz auf Wertschätzung legt.

„Kärntner Wirtschaft“: Was ist Wertschätzung für Sie?

Manuela Wenger: Wertschätzung ist für mich eine innere, positive Haltung den Menschen gegenüber. Echte Wertschätzung zeigt sich nicht nur in guten Zeiten, sondern besonders dann, wenn es heraus­for­dernd wird, zum Beispiel bei schwie­rigen Entschei­dungen, Konflikten oder Krisen­zeiten. Gerade dann heißt es auf Augenhöhe zu kommu­ni­zieren und wertschätzend zu bleiben.

Werden „Bitte“ und „Danke“ noch geschätzt im Business?

„Bitte“ und „Danke“ sind ein Teil der Wertschätzung. Man kann auch noch heute mit Höflichkeit und Freund­lichkeit punkten. Aber es stimmt, durch das Digitale ist vieles anonymer geworden. Aller­dings dürfen wir nicht vergessen, wir sind mensch­liche Wesen und als solche brauchen wir den emotio­nalen Austausch mit anderen Menschen. Studien belegen, wer Wertschätzung bekommt, ist viel engagierter, motivierter, kreativer und wird weniger oft krank. Umgekehrt ist Ignoranz für Menschen die schlimmste Strafe.

Gesehen zu werden ist für Mitar­beiter genauso wichtig wie für kleine Betriebe?

Ja, es ist sicherlich eines der schwie­rigsten Dinge zu zeigen, was wir im Alltag alles leisten. Deshalb bin ich ein großer Fan davon, Erfolge zu feiern. Das muss nicht immer die opulente Weihnachts­feier sein, es kann auch ein Zusam­men­stehen in der Monta­ge­halle sein, bei dem gesagt wird, dass das Jahr vielleicht nicht so war wie es gewünscht wurde, aber alle haben ihr Bestes gegeben und für diesen Einsatz gibt es ein ehrlich gemeintes Danke.

Wertschätzung beginnt dann, wenn das Schön­wetter-Programm endet.Zitat Ende

Manuela Wenger

Autorin und Trainerin

Am Ende des Jahres kommen Mitar­beiter mit Wünschen, die nicht erfüllbar sind, was tun?

Grund­sätzlich sollte es mehr als einmal im Jahr Feedback­ge­spräche mit Mitar­beitern geben. Wünsche von Mitar­beitern sollten gehört werden und mit klarer Kommu­ni­kation einher­gehen: „Danke für die Idee, aus diesem Grund geht es nicht, aber in einem halben Jahr können wir noch einmal darüber sprechen.“ Wertschätzung bedeutet, sich selbst und andere zu verstehen.

Wird Wertschätzung nicht immer als solche wahrge­nommen?

Nicht jeder versteht unter Wertschätzung dasselbe. Eine Studie bestä­tigte, dass 81 Prozent der Führungs­kräfte überzeugt waren, ihre Mitar­beiter regel­mäßig wertzu­schätzen. Doch 67 Prozent der Mitar­beiter erlebten es anders, sie fühlten sich nur selten wertge­schätzt. Das zeigt, Wertschätzung hat viele Facetten im beruf­lichen Kontext.

Ihr Tipp?

Das Gefühl des Gesehen­werdens ist ein wesent­licher Punkt in Unter­nehmen. Setzen Sie sich mit Ihren Mitar­beitern ausein­ander und geben Sie ihnen das Gefühl, dass sie wertvolle Arbeit leisten. Man muss Mitar­beitern nichts schenken, um sie zu motivieren. Es geht vor allem um die Haltung, wie ich auf meine Mitar­beiter zugehe.

Warum sollte Wertschätzung keine Einbahn­straße sein?

Wertschätzung ist nichts einsei­tiges. Beide Seiten, Führungs­kräfte und Mitar­beiter, sind gefordert mehr Wertschätzung im Alltag zu leben. Es sollte ein wechsel­sei­tiger Prozess sein, der auf allen Ebenen eines Unter­nehmens gelebt wird. Genauso wie Anerkennung, Zugehö­rigkeit, Dank und Feedback. Wertschätzung hat großes Potenzial und ist ein unter­schätzter Hebel für die Motivation – auch in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Erst wenn Wertschätzung ein gelebtes Führungs­prinzip ist, entsteht Loyalität.

Manuela Wenger
  • Manuela Wenger, geboren 1970 in Wels, absol­vierte eine Bürolehre. Später folgte neben dem Vollzeitjob das BWL-Studium in Linz.
  • Seit 2018 ist Wenger als Unter­neh­mens­be­ra­terin mit Sitz in Zell am Moos, Oberös­ter­reich, selbst­ständig. Heute bezeichnet sie sich als die „Wertschät­zerin“ und arbeitet unter anderem auch als Speakerin zum Thema Wertschätzung.
  • Ihr Buch „Wertschätzung to go, 51 Wege, wie Sie im Arbeits­alltag wertschätzen“ erschien im Juni 2025.
  • Ihre Freizeit verbringt Wenger gerne im oder am See, auf ihrem Bike oder ihren Skiern.
Zur Person
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