„Wertschätzung birgt ein großes Potenzial in sich“
Manuela Wenger über Wertschätzung als Erfolgsstrategie.
Warum ein ehrliches Danke oft mehr bringt als eine teure Weihnachtsfeier, verrät Unternehmensberaterin und Buchautorin Manuela Wenger, die ihren Fokus ganz auf Wertschätzung legt.
„Kärntner Wirtschaft“: Was ist Wertschätzung für Sie?
Manuela Wenger: Wertschätzung ist für mich eine innere, positive Haltung den Menschen gegenüber. Echte Wertschätzung zeigt sich nicht nur in guten Zeiten, sondern besonders dann, wenn es herausfordernd wird, zum Beispiel bei schwierigen Entscheidungen, Konflikten oder Krisenzeiten. Gerade dann heißt es auf Augenhöhe zu kommunizieren und wertschätzend zu bleiben.
Werden „Bitte“ und „Danke“ noch geschätzt im Business?
„Bitte“ und „Danke“ sind ein Teil der Wertschätzung. Man kann auch noch heute mit Höflichkeit und Freundlichkeit punkten. Aber es stimmt, durch das Digitale ist vieles anonymer geworden. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, wir sind menschliche Wesen und als solche brauchen wir den emotionalen Austausch mit anderen Menschen. Studien belegen, wer Wertschätzung bekommt, ist viel engagierter, motivierter, kreativer und wird weniger oft krank. Umgekehrt ist Ignoranz für Menschen die schlimmste Strafe.
Gesehen zu werden ist für Mitarbeiter genauso wichtig wie für kleine Betriebe?
Ja, es ist sicherlich eines der schwierigsten Dinge zu zeigen, was wir im Alltag alles leisten. Deshalb bin ich ein großer Fan davon, Erfolge zu feiern. Das muss nicht immer die opulente Weihnachtsfeier sein, es kann auch ein Zusammenstehen in der Montagehalle sein, bei dem gesagt wird, dass das Jahr vielleicht nicht so war wie es gewünscht wurde, aber alle haben ihr Bestes gegeben und für diesen Einsatz gibt es ein ehrlich gemeintes Danke.
Wertschätzung beginnt dann, wenn das Schönwetter-Programm endet.
Manuela Wenger
Autorin und TrainerinAm Ende des Jahres kommen Mitarbeiter mit Wünschen, die nicht erfüllbar sind, was tun?
Grundsätzlich sollte es mehr als einmal im Jahr Feedbackgespräche mit Mitarbeitern geben. Wünsche von Mitarbeitern sollten gehört werden und mit klarer Kommunikation einhergehen: „Danke für die Idee, aus diesem Grund geht es nicht, aber in einem halben Jahr können wir noch einmal darüber sprechen.“ Wertschätzung bedeutet, sich selbst und andere zu verstehen.
Wird Wertschätzung nicht immer als solche wahrgenommen?
Nicht jeder versteht unter Wertschätzung dasselbe. Eine Studie bestätigte, dass 81 Prozent der Führungskräfte überzeugt waren, ihre Mitarbeiter regelmäßig wertzuschätzen. Doch 67 Prozent der Mitarbeiter erlebten es anders, sie fühlten sich nur selten wertgeschätzt. Das zeigt, Wertschätzung hat viele Facetten im beruflichen Kontext.
Ihr Tipp?
Das Gefühl des Gesehenwerdens ist ein wesentlicher Punkt in Unternehmen. Setzen Sie sich mit Ihren Mitarbeitern auseinander und geben Sie ihnen das Gefühl, dass sie wertvolle Arbeit leisten. Man muss Mitarbeitern nichts schenken, um sie zu motivieren. Es geht vor allem um die Haltung, wie ich auf meine Mitarbeiter zugehe.
Warum sollte Wertschätzung keine Einbahnstraße sein?
Wertschätzung ist nichts einseitiges. Beide Seiten, Führungskräfte und Mitarbeiter, sind gefordert mehr Wertschätzung im Alltag zu leben. Es sollte ein wechselseitiger Prozess sein, der auf allen Ebenen eines Unternehmens gelebt wird. Genauso wie Anerkennung, Zugehörigkeit, Dank und Feedback. Wertschätzung hat großes Potenzial und ist ein unterschätzter Hebel für die Motivation – auch in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Erst wenn Wertschätzung ein gelebtes Führungsprinzip ist, entsteht Loyalität.
- Manuela Wenger, geboren 1970 in Wels, absolvierte eine Bürolehre. Später folgte neben dem Vollzeitjob das BWL-Studium in Linz.
- Seit 2018 ist Wenger als Unternehmensberaterin mit Sitz in Zell am Moos, Oberösterreich, selbstständig. Heute bezeichnet sie sich als die „Wertschätzerin“ und arbeitet unter anderem auch als Speakerin zum Thema Wertschätzung.
- Ihr Buch „Wertschätzung to go, 51 Wege, wie Sie im Arbeitsalltag wertschätzen“ erschien im Juni 2025.
- Ihre Freizeit verbringt Wenger gerne im oder am See, auf ihrem Bike oder ihren Skiern.