Wolfgang Deutschmann liebt es, Unternehmer zu sein – so sehr, dass er beim Arbeiten immer wieder die Zeit vergisst.
Wolfgang Deutschmann liebt es, Unternehmer zu sein – so sehr, dass er beim Arbeiten immer wieder die Zeit vergisst. © WKK/Thomas Hude
Wolfgang Deutschmann

„Wer wachsen will,
braucht ein gutes Team“

Wolfgang Deutschmann kennt die Herausforderungen des Gründens und weiß, worauf es ankommt, wenn das Unternehmen wachsen soll.

22.11.2024 11:52 - Update am: 22.11.2024 16:01 von Ines Tebenszky
Lesezeit 5 Minuten

Als jemand, der schon in jungen Jahren zahlreiche Unter­nehmen gegründet hat, kennt Wolfgang Deutschmann die Heraus­for­de­rungen, die während des Gründungs­pro­zesses auf einen zukommen können.

„Kärntner Wirtschaft“: Sie haben bereits etliche Unter­nehmen gegründet. Was ­haben Sie daraus gelernt?

Wolfgang Deutschmann: Einer der Kardi­nal­fehler, die man beim Gründen machen kann, ist aus dem falschen Grund zu gründen. Es darf nicht darum gehen, was gerade in ist, sondern die Idee muss Spaß machen und motivieren. Denn es kommen auch schwierige Zeiten auf einen zu und dafür braucht man Motivation und Ausdauer. Ich habe diesen Fehler vor Jahren gemacht: Wir wollten auf den Solar­energie-Trend aufspringen, weil wir hier das große Geld gewittert haben. Es hat aber eigentlich keinen Spaß gemacht und wir haben gemerkt: Solange wir dem Geld nachge­laufen sind, ist es vor uns davon­ge­laufen.

Welche Eigen­schaften sollte man fürs Unter­neh­mer­leben mitbringen?

Mut, Disziplin, Selbst­re­flek­tiertheit, die Bereit­schaft, von anderen zu lernen und Selbst­be­wusstsein. Und ganz wichtig: Man darf nicht Unter­nehmer werden, nur weil es gerade nichts anderes gibt, was man machen kann. Ohne Leiden­schaft geht es nicht. Nur wenn man selbst begeistert und überzeugt ist, dass die Welt das Unter­nehmen oder das Produkt braucht, kann man in schwie­rigen Zeiten durch­halten oder sogar zum Wegbe­reiter für eine gesamte Branche werden.

Wenn man etwas findet, das einem Spaß macht – welchen Fehler darf man dann nicht machen?

Man darf nicht drei Jahre an seinem Businessplan schreiben, sondern man muss anfangen! Wenn man ein Produkt hat, ist vor allem das Feedback der Kunden wichtig, das man dann auch nutzen muss, um das Produkt anzupassen und weiterzuentwi­ckeln. So bekommt man viel Input, den man beim ständigen Anpassen seines Business­plans nicht bekommt. Wir hatten Mitbe­werber, die die gleiche Nische wie wir besetzen wollten. Sie hatten vielleicht auf dem Papier die besseren Voraus­set­zungen, aber sie sind uns letztlich nicht nachge­kommen, weil sie im Gegensatz zu uns nicht angefangen haben.

Solange wir dem Geld nachge­laufen sind, ist es vor uns ­davon­ge­laufen.Zitat Ende

Wolfgang Deutschmann

Unter­nehmer

Irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Unter­nehmen sich entscheidet zu wachsen. Was muss man ­dabei beachten?

Um wachsen zu können, muss man ein gutes Team aufbauen. Dafür braucht man ein gutes Bauch­gefühl und vor allem Leute, die in dem Bereich, in dem sie einge­setzt werden, mehr können als man selbst. Denn nur so kann man auch Verant­wortung abgeben. Ich war lange Zeit alleine für den Vertrieb verant­wortlich, was aber länger­fristig zu einem Problem werden kann, wenn man die einzige Person ist, die das Produkt verkaufen kann, denn schließlich finan­ziert sich ein Unter­nehmen am besten über den Vertrieb. Heute funktio­niert der Vertrieb völlig ohne mich und ich kann mich auf der strate­gi­schen Ebene um das Unter­nehmen kümmern.

Welche Rolle spielen Prozesse im Betrieb?

Eine sehr große. Man sollte schon relativ früh Prozesse einführen, denn alles, was automa­tisch passiert, kann weiter­laufen, auch wenn eine Person ausfällt. Darüber hinaus hat man durch digitale Prozesse die Kennzahlen des Unter­nehmens auf Knopf­druck zur Hand.

Worin sehen Sie eine Gefahr für Unter­nehmen?

Eine große Gefahr ist es, sich auf seinem Erfolg auszu­ruhen – da ist Nokia ein Beispiel. Lange Zeit waren sie Markt­führer, haben aber die Weiter­ent­wicklung verpasst. So etwas kann auch Klein- und Mittel­be­trieben passieren, deshalb ist es wichtig, seine Innova­ti­ons­kraft zu bewahren.

Wie kann das gelingen?

Indem man mit Gründern zusam­men­ar­beitet. Sie haben oft viele neue Ideen und gehen hochmo­ti­viert an die Sache heran.

Zur Person
  • Wolfgang Deutschmann, 1992 in der Südwest­stei­ermark geboren, machte sich mit 18 Jahren selbst­ständig.
  • Heute ist er Geschäfts­führer von zehn Unter­nehmen in den Bereichen ­Finan­zierung und ­Social Media sowie Miteigen­tümer zweier Holding-­Gesell­schaften.
  • Mehr als 500 Unter­nehmen hat er beraten.
  • Als Experte für Crowd­funding und Social Media ist er Vortra­gender an Fachhoch­schulen und Univer­si­täten in Deutschland und Öster­reich.
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