„Unternehmer werden
zu Helden der Zukunft“
Unternehmertum darf kein Schimpfwort sein, sondern muss als Motor für Wohlstand und Fortschritt verstanden werden, davon ist Julien Backhaus überzeugt.
Julien Backhaus, Verleger, Produzent und Autor, spricht im Interview über Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich nicht bremsen lassen.
„Kärntner Wirtschaft“: In Ihrem aktuellen Buch sprechen Sie über den schlechten Ruf des Unternehmertums. Was braucht es, um dieses Narrativ zu brechen?
Julien Backhaus: Wir brauchen Macher – Menschen, die mehr wollen und dafür auch bereit sind, mehr zu leisten, um über sich hinaus zu wachsen und ihre Ziele zu erreichen. Sie geben sich nicht mit dem Status-quo zufrieden, stehen für Fortschritt und werden so zu Heldenfiguren. Bei anderen wird dadurch oft unbewusst Neid geschürt, aber niemand sieht, dass Unternehmer vor allem zu Beginn oft schlechter verdienen als Angestellte. Dennoch wollen sie mehr vom Leben, bleiben dran, gehen die Extrameile – und genau das wird in der Regel belohnt.
Bei der Recherche wurden zahlreiche Unternehmer und Millionäre befragt. Was eint erfolgreiche Menschen?
Sie brechen herkömmliche Regeln und hinterfragen die Dinge. Sie haben den Mut, voranzuschreiten, weiterzumachen, auch wenn etwas schiefgehen könnte. Ob man als Unternehmen wächst oder schrumpft – man muss vorangehen. Dabei riskieren sie nicht nur Geld, sondern auch ihren Ruf.
Überbordende Bürokratie, Rezession und Unsicherheit: Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um zu gründen?
Der beste Zeitpunkt, um zu gründen, ist in einer Krise. Wirtschaft bedeutet ja nichts anderes, als das Lösen von Problemen und davon hat man in schwierigen Zeiten bekanntlich mehr. Es bieten sich auch die meisten Chancen, als kleines Unternehmen die großen Monopole anzugreifen. Monopole haben immer ein Ablaufdatum und wie wir bei Kodak, Nokia und IBM gesehen haben, zerbrechen sie oft an ihrem eigenen Gewicht.
Wir brauchen Gründer, die sich weder von Bürokratie noch von Vorurteilen bremsen lassen.
Julien Backhaus
Autor, Produzent, VerlegerIn welchen Bereichen brauchen wir jetzt vor allem Macher?
Beim Umweltschutz muss sich dringend etwas ändern. Der Staat mischt sich zu sehr ein. Regeln, Vorschriften, Quoten – es ist unattraktiv, auf einem überregulierten Markt zu arbeiten und es verhindert Innovation und Kreativität der Unternehmer. Flugtaxis sind etwa in Deutschland verboten, in China zugelassen, obwohl sie unumstritten funktionieren. Ich sehe das politische System Chinas durchaus kritisch, aber um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir schneller werden.
Politik und Staat versus Unternehmen: Wer soll für Wohlstand und Wachstum sorgen?
Der Staat sollte so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich eingreifen. Die Aufgabe des Staates sehe ich vielmehr beim Bereitstellen der Infrastruktur und des Bildungssystems. Hier wäre es viel wichtiger, dass Schüler lernen, wie Wirtschaft funktioniert, wie man mit Geld umgeht und was es bedeutet, in ein eigenständiges Arbeitsleben einzusteigen.
Welche Rolle wird Künstliche Intelligenz (KI) in Zukunft spielen?
Ich bin überzeugt davon, dass es eine Zeitrechnung vor und eine nach der KI geben wird. Vor allem das Zusammenspiel von KI und Robotik wird die Welt verändern und die Entwicklung künstlicher Arbeitskräfte auf ein neues Level heben. Der Mensch war bislang die Grenze, diese fällt jetzt weg. Die KI kann sich selbst programmieren und ihr Potenzial zu 100 Prozent ausschöpfen. Es werden zwei Wirtschaftssysteme entstehen, eines für künstliche und eines für menschliche Arbeitskräfte. Die Frage, die wir uns als Kunden dann stellen werden, ist, ob ich beim Friseur meine Haare von jemandem oder von etwas geschnitten haben möchte.
Das Buch schließt mit zehn Regeln zum Erfolg. Welche drei Regeln würden Sie Unternehmen besonders ans Herz legen?
Seien Sie leidenschaftlich – nur wer mit seinem Herzen bei der Sache ist, kann seine beste Performance abrufen und und hat auch die Kraft, durchzuziehen. Wer nur nach wirtschaftlichem Erfolg strebt, ist am Ende ausgebrannt und unglücklich. Als zweiten Punkt würde ich dazu raten, Mut zu trainieren. Es befindet sich gerade alles im Umbruch, da darf man Neues wagen und es ist in Ordnung, wenn dabei Fehler passieren. Und letztlich geht es darum, Entscheidungen zu treffen. Wer sich bewusst für den Erfolg entscheidet, wird seine ganze Energie in diesen einen Weg legen.
- Julien Backhaus ist ein deutscher Zeitschriftenverleger, Fernsehproduzent und Bestsellerautor.
- Er wuchs auf einem Bauernhof in Niedersachsen auf. Mit 18 Jahren machte er sich selbstständig.
- Durch sein Magazin „Erfolg“ trifft er regelmäßig Prominente aus Politik und Wirtschaft.
- Sein Buch „Wir brauchen Macher – Unternehmer retten die Welt“ ist im April 2025 erschienen.