Schlafforscher Gerhard Klösch
Schlafforscher Gerhard Klösch © Medizinische Universität Wien
Nachtarbeit

„Nacht­arbeit im Rhythmus“

Während viele ihren Feierabend genießen oder längst im Bett liegen, beginnt in manchen Unternehmen erst der Arbeitstag. Schlafforscher Gerhard Klösch erklärt im Interview für wen Nachtarbeit geeignet ist.

30.10.2026 08:20 von Johannes Moser
Lesezeit 2 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Was passiert im Körper, wenn wir
regel­mäßig nachts arbeiten?

Gerhard Klösch: Unsere innere Uhr orien­tiert sich am natür­lichen Hell-Dunkel-Wechsel. Sie steuert nicht nur den Schlaf, sondern auch die Hormon-ausschüttung, die Verdauung und den Stoff­wechsel. Wer nachts unter künst­lichem Licht arbeitet, bringt diese biolo­gi­schen Rhythmen durch­ein­ander.

Wie verändern sich Konzen­tration und Leistungs­fä­higkeit?

Unsere Leistungs­fä­higkeit erreicht gegen zwei Uhr früh ihren Tiefpunkt. Besonders zwischen zwei und vier Uhr sind wir weniger aufmerksam, machen häufiger Fehler und reagieren empfind­licher auf Stress. In dieser Zeit ist auch das Unfall­risiko besonders hoch. Das hängt unter anderem mit der Körper­kern­tem­pe­ratur zusammen, die nachts ihren niedrigsten Wert erreicht.

Gibt es Menschen, die für Nacht­arbeit besser geeignet sind?

Nacht­men­schen oder „Eulen“ arbeiten lieber zu später Stunde. Aller­dings sind auch sie nicht vor gesund­heit­lichen Folgen geschützt. Jüngere Menschen unter 30 Jahren vertragen Nacht­arbeit meist besser. Ab etwa 45 bis 50 Jahren nimmt die Belast­barkeit deutlich ab und die Erholungs­zeiten werden länger.

Was können Unter­nehmen für ihre Mitar­beiter tun?

Wichtig sind vorher­sehbare Dienst­pläne, ausrei­chend Ruhezeiten und regel­mäßige Schlaf­zeiten. Empfeh­lenswert sind höchstens zwei bis drei Nacht­dienste hinter­ein­ander. Die Zeitum­stellung ist eine zusätz­liche Belas­tung: Wir brauchen sieben bis zehn Tage, um uns anzupassen. In dieser Phase können Müdigkeit, Konzen­tra­ti­ons­pro­bleme und ein erhöhtes Unfall­risiko auftreten.

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Dieser Artikel ist in Ausgabe 20/26erschienen.
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