„Nachtarbeit im Rhythmus“
Während viele ihren Feierabend genießen oder längst im Bett liegen, beginnt in manchen Unternehmen erst der Arbeitstag. Schlafforscher Gerhard Klösch erklärt im Interview für wen Nachtarbeit geeignet ist.
„Kärntner Wirtschaft“: Was passiert im Körper, wenn wir
regelmäßig nachts arbeiten?
Gerhard Klösch: Unsere innere Uhr orientiert sich am natürlichen Hell-Dunkel-Wechsel. Sie steuert nicht nur den Schlaf, sondern auch die Hormon-ausschüttung, die Verdauung und den Stoffwechsel. Wer nachts unter künstlichem Licht arbeitet, bringt diese biologischen Rhythmen durcheinander.
Wie verändern sich Konzentration und Leistungsfähigkeit?
Unsere Leistungsfähigkeit erreicht gegen zwei Uhr früh ihren Tiefpunkt. Besonders zwischen zwei und vier Uhr sind wir weniger aufmerksam, machen häufiger Fehler und reagieren empfindlicher auf Stress. In dieser Zeit ist auch das Unfallrisiko besonders hoch. Das hängt unter anderem mit der Körperkerntemperatur zusammen, die nachts ihren niedrigsten Wert erreicht.
Gibt es Menschen, die für Nachtarbeit besser geeignet sind?
Nachtmenschen oder „Eulen“ arbeiten lieber zu später Stunde. Allerdings sind auch sie nicht vor gesundheitlichen Folgen geschützt. Jüngere Menschen unter 30 Jahren vertragen Nachtarbeit meist besser. Ab etwa 45 bis 50 Jahren nimmt die Belastbarkeit deutlich ab und die Erholungszeiten werden länger.
Was können Unternehmen für ihre Mitarbeiter tun?
Wichtig sind vorhersehbare Dienstpläne, ausreichend Ruhezeiten und regelmäßige Schlafzeiten. Empfehlenswert sind höchstens zwei bis drei Nachtdienste hintereinander. Die Zeitumstellung ist eine zusätzliche Belastung: Wir brauchen sieben bis zehn Tage, um uns anzupassen. In dieser Phase können Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und ein erhöhtes Unfallrisiko auftreten.