Arbeiten, wenn
andere schlafen
Während viele ihren Feierabend genießen oder längst im Bett liegen, beginnt in manchen Unternehmen erst der Arbeitstag. Ob Backstuben, Transportdienste, Taxis oder Winter- und Notdienste: Zahlreiche Betriebe halten auch nachts den Alltag am Laufen.
Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt sich in der Nacht auf den 25. Oktober nicht, werden doch alle Zeitmesser um eine Stunde zurückgestellt. Während der Großteil eine Stunde Schlaf gewinnt, kann die Zeitumstellung für Nachtarbeiter eine zusätzliche Arbeitsstunde bedeuten. Wie viele Menschen regelmäßig nachts arbeiten, zeigt Eurostat: 2025 waren es in Österreich fünf Prozent der Erwerbstätigen, im EU-Durchschnitt 4,1 Prozent.
Wie gut Nachtarbeit vertragen wird, hängt wesentlich von ihrer Organisation ab. „Je unregelmäßiger die Schichtfolgen, desto größer ist die Unzufriedenheit“, erklärt Schlafforscher Gerhard Klösch. Planbarkeit spielt deshalb eine entscheidende Rolle. In der Bäckerei Gregori in Gödersdorf beginnt die Arbeit gewöhnlich um 22 Uhr, bei Moll Logistik in Villach sind die Nachttouren im Voraus geplant. Anders im Winterdienst von Kevin Grebenjak oder beim Kanalnotdienst von Robert Bradaric: Hier bestimmen Wetter und Notfälle den Einsatz. Auch für Gerald Podesser von Taxi Elke gehören ungewöhnliche Arbeitszeiten zum Alltag.
Doch nicht nur die Dienstpläne sind entscheidend. Studien zeigen laut Klösch, dass Menschen mit regelmäßigen Schlafzeiten die Belastungen durch Schichtarbeit besser verkraften. Auch Bewegung, bewuss-te Ernährung und ausreichend Erholung helfen, den Körper trotz ungewöhnlicher Arbeitszeiten im Gleichgewicht zu halten.
Stimmen aus der Wirtschaft
„Im Winter ist unsere Arbeit, auch weil die Wetterprognosen gefühlt immer unkonkreter werden, schwer planbar. Unsere 60 Mitarbeiter sind in Teams aufgeteilt und müssen regelmäßig nachts ausrücken. Ich selbst bin oft in der Nacht unterwegs und schätze die Situationen selbst ein, wie viel Personal für welche Tätigkeit notwendig ist. Gerade weil jede Situation individuell ist, bleibt im Winter der Schlaf oft auf der Strecke. Die Nachtarbeit muss man gern machen, ansonsten macht man das nicht lange.“
„Unsere Mitarbeiter sind wochenweise für den Notdienst eingeteilt und werden dafür auch bezahlt. Den Telefondienst übernehmen meine Frau und ich persönlich. Wir wollen, dass unsere Kunden gleich jemanden erreichen, der sich auskennt – und nicht in einem Callcenter landen. An einem Wochenende haben wir zwischen drei und zehn Notdienstaufträgen, richtige Nachteinsätze kommen etwa einmal im Monat vor. Der Zusammenhalt wird bei uns groß geschrieben, deshalb sind auch Nachteinsätze kein Problem in der Organisation.“
„Flexibilität und Zuverlässigkeit sind für unsere Kunden, zu denen viele Labore, Humanmediziner und Tierärzte zählen, sehr wichtig. Gerade bei Laborproben, Blutkonserven oder dringend benötigten Medikamenten zählt oft jede Minute. Eine Blutkonserve bringen wir beispielsweise in rund 80 Minuten von Villach nach Klagenfurt. Viele Aufträge kommen völlig kurzfristig, deshalb haben wir immer einen Fahrer in Bereitschaft. Die Nachttouren sind jedoch immer vorher fixiert und werden so planbar.“
„Im Bäckereigeschäft gibt das Produkt nach wie vor den Schlafrhythmus vor, was natürlich nicht jedem Menschen gleich bekommt. Für gewöhnlich starten wir um 22 Uhr und arbeiten rund sechseinhalb Stunden. Ich persönlich hole mir meinen Schlaf daher immer in Dosen, finde dabei aber nie länger als vier bis fünf Stunden Ruhe am Stück – eine Gewohnheit, die man sich über Jahre antrainieren muss. Die Zeitumstellung trifft mich und meine zwölf Mitarbeiter weniger als jene, die über den Tag verteilt zu geregelten Arbeitszeiten ihren Dienst versehen.“
„Die Nachfrage nach einem Taxitransfer in der Nacht war früher stärker. Heute ist das Nachtgeschäft deutlich weniger geworden, selbst am Wochenende ist oft schon um zwei oder drei Uhr Schluss. Nachtarbeit beeinträchtigt natürlich das Privatleben. Man schläft bis halb zwölf, legt am Nachmittag vielleicht noch einen Powernap ein und muss beispielsweise Familienfeiern oft verschieben. Der Betrieb ist immer im Hinterkopf. Trotzdem sind wir mit unseren zwei Mitarbeitern für unsere Kunden da und fahren sie dorthin, wo sie uns brauchen.“