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Nachtarbeit

Arbeiten, wenn
andere schlafen

Während viele ihren Feierabend genießen oder längst im Bett liegen, beginnt in manchen Unternehmen erst der Arbeitstag. Ob Backstuben, Transportdienste, Taxis oder Winter- und Notdienste: Zahlreiche Betriebe halten auch nachts den Alltag am Laufen.

27.10.2026 13:08 - Update am: 27.10.2026 13:08 von Johannes Moser
Lesezeit 7 Minuten

Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage stellt sich in der Nacht auf den 25. Oktober nicht, werden doch alle Zeitmesser um eine Stunde zurück­ge­stellt. Während der Großteil eine Stunde Schlaf gewinnt, kann die Zeitum­stellung für Nacht­ar­beiter eine zusätz­liche Arbeits­stunde bedeuten. Wie viele Menschen regel­mäßig nachts arbeiten, zeigt Eurostat: 2025 waren es in Öster­reich fünf Prozent der Erwerbs­tä­tigen, im EU-Durch­schnitt 4,1 Prozent.

Wie gut Nacht­arbeit vertragen wird, hängt wesentlich von ihrer Organi­sation ab. „Je unregel­mä­ßiger die Schicht­folgen, desto größer ist die Unzufrie­denheit“, erklärt Schlaf­for­scher Gerhard Klösch. Planbarkeit spielt deshalb eine entschei­dende Rolle. In der Bä­ckerei Gregori in Gödersdorf beginnt die Arbeit gewöhnlich um 22 Uhr, bei Moll Logistik in Villach sind die Nacht­touren im Voraus geplant. Anders im Winter­dienst von Kevin Grebenjak oder beim Kanal­not­dienst von Robert Bradaric: Hier bestimmen Wetter und Notfälle den Einsatz. Auch für Gerald Podesser von Taxi Elke gehören ungewöhn­liche Arbeits­zeiten zum Alltag.

Doch nicht nur die Dienst­pläne sind entscheidend. Studien zeigen laut Klösch, dass Menschen mit regel­mä­ßigen Schlaf­zeiten die Belas­tungen durch Schicht­arbeit besser verkraften. Auch Bewegung, bewuss-te Ernährung und ausrei­chend Erholung helfen, den Körper trotz ungewöhn­licher Arbeits­zeiten im Gleich­ge­wicht zu halten.

Stimmen aus der Wirtschaft

„Im Winter ist unsere Arbeit, auch weil die Wetter­pro­gnosen gefühlt immer unkon­kreter werden, schwer planbar. Unsere 60 Mitar­beiter sind in Teams aufge­teilt und müssen regel­mäßig nachts ausrücken. Ich selbst bin oft in der Nacht unterwegs und schätze die Situa­tionen selbst ein, wie viel Personal für welche Tätigkeit notwendig ist. Gerade weil jede Situation indivi­duell ist, bleibt im Winter der Schlaf oft auf der Strecke. Die Nacht­arbeit muss man gern machen, ansonsten macht man das nicht lange.“

Kevin Grebenjak
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„Unsere Mitar­beiter sind wochen­weise für den Notdienst einge­teilt und werden dafür auch bezahlt. Den Telefon­dienst übernehmen meine Frau und ich persönlich. Wir wollen, dass unsere Kunden gleich jemanden erreichen, der sich auskennt – und nicht in einem Callcenter landen. An einem Wochenende haben wir zwischen drei und zehn Notdienst­auf­trägen, richtige Nacht­ein­sätze kommen etwa einmal im Monat vor. Der Zusam­menhalt wird bei uns groß geschrieben, deshalb sind auch Nacht­ein­sätze kein Problem in der Organi­sation.“

Robert Bradaric

„Flexi­bi­lität und Zuver­läs­sigkeit sind für unsere Kunden, zu denen viele Labore, Human­me­di­ziner und Tierärzte zählen, sehr wichtig. Gerade bei Labor­proben, Blutkon­serven oder dringend benötigten Medika­menten zählt oft jede Minute. Eine Blutkon­serve bringen wir beispiels­weise in rund 80 Minuten von Villach nach Klagenfurt. Viele Aufträge kommen völlig kurzfris­tig, deshalb haben wir immer einen Fahrer in Bereit­schaft. Die Nacht­touren sind jedoch immer vorher fixiert und werden so planbar.“

Christina Moll

„Im Bäcke­rei­ge­schäft gibt das Produkt nach wie vor den Schlaf­rhythmus vor, was natürlich nicht jedem Menschen gleich bekommt. Für gewöhnlich starten wir um 22 Uhr und arbeiten rund sechs­einhalb Stunden. Ich persönlich hole mir meinen Schlaf daher immer in Dosen, finde dabei aber nie länger als vier bis fünf Stunden Ruhe am Stück – eine Gewohnheit, die man sich über Jahre antrai­nieren muss. Die Zeitum­stellung trifft mich und meine zwölf Mitar­beiter weniger als jene, die über den Tag verteilt zu geregelten Arbeits­zeiten ihren Dienst versehen.“

Josef Gregori
© Taxi Elke

„Die Nachfrage nach einem Taxitransfer in der Nacht war früher stärker. Heute ist das Nacht­ge­schäft deutlich weniger geworden, selbst am Wochenende ist oft schon um zwei oder drei Uhr Schluss. Nacht­arbeit beein­trächtigt natürlich das Privat­leben. Man schläft bis halb zwölf, legt am Nachmittag vielleicht noch einen Powernap ein und muss beispiels­weise Famili­en­feiern oft verschieben. Der Betrieb ist immer im Hinterkopf. Trotzdem sind wir mit unseren zwei Mitar­beitern für unsere Kunden da und fahren sie dorthin, wo sie uns brauchen.“

Gerald Podesser
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 20/26 erschienen.
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