Gesund in den
Herbst starten
Der Sommer geht zu Ende. Der Terminkalender füllt sich und das letzte Quartal rückt näher. Für viele beginnt im September eine Phase, in der das Arbeitstempo spürbar anzieht. Doch gerade jetzt kann es sinnvoll sein, nicht einfach dort weiterzumachen, wo man vor dem Sommer aufgehört hat. .
Zeitdruck raus, Zufriedenheit an. Dass die Erholung aus dem Sommerurlaub nicht automatisch bis zum Jahresende reicht, ist wissenschaftlich belegt. Studien zeigen: Erschöpfung kehrt teilweise schon nach drei Tagen und spätestens nach drei Wochen wieder auf das Vorurlaubsniveau zurück, unabhängig davon, wie lange der Urlaub gedauert hat. Auch die deutsche Urlaubsforscherin Jessica de Bloom hat herausgefunden, dass der ideale Urlaub maximal 14 Tage dauern sollte: Die Stimmung steigt bis zum achten Urlaubstag, stagniert dann aber. Ein längerer Urlaub bringt also nicht mehr Erholung.
„Ferien und Urlaub brauchen wir vor allem für den Kopf“, erklärt Christiane Eberwein, Psychotherapeutin und Arbeitspsychologin aus Klagenfurt. „Gemeint sind damit Auszeiten, in denen wir nicht unter Termin- und Leistungsdruck stehen und es für unsere fünf Sinne Eindrücke gibt, die sich von unserem Alltag unterscheiden.“ Diese Unterschiede bilden neue Synapsen im Gehirn und erhöhen so die Kreativität. Ebenso wichtig sind laut Eberwein aber auch Auszeiten, in denen man einfach mal nichts tut, tagträumt oder sich „im positiven Sinne langweilen darf“.
Wer sich darauf verlässt, dass zwei oder drei Wochen Sommerurlaub die Energie automatisch bis Weihnachten tragen, überschätzt die Wirkung der großen Auszeit und unterschätzt die Bedeutung kleiner, regelmäßiger Erholungsroutinen. „Deshalb ist es ratsam, das Arbeitsjahr durch mehrere Auszeiten oder Lieblingsaktivitäten zu unterbrechen“, sagt Eberwein.
Wie stark Tempo und Termindruck die Arbeitszufriedenheit tatsächlich beeinflussen, zeigt der Österreichische Arbeitsklima Index. Unter Zeitdruck sind nur 67 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Job zufrieden, ohne Zeitdruck steigt dieser Wert auf 78 Prozent. Insgesamt bewerten rund 80 Prozent der Befragten ihr Leben als zufriedenstellend, drei Viertel sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden. Zeitdruck ist damit eine der stärksten Stellschrauben für Zufriedenheit, die Betriebe selbst beeinflussen können.
Wie ein Team den Herbststart erlebt, ist kein rein persönliches Thema Einzelner, sondern hat direkt mit dem Arbeitstempo zu tun, das im Unternehmen vorgegeben wird. Es geht darum, einen Arbeitsrhythmus zu finden, der sich auch die nächsten Monate durchhalten lässt. Dabei helfen gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft oder ein Tapetenwechsel.
Wie sich die Erholung in den Herbst mitnehmen lässt, weiß Eberwein: „Unser Geruchssinn ist der kürzeste und direkteste Weg zu unseren Emotionen und Erinnerungen.“ Sie rät deshalb, einen Duft, den man mit einem schönen Ort verbindet in den Alltag einzubauen. Außerdem wichtig: ausreichend Schlaf und sich in der ersten Arbeitswoche nicht gleich mit den schwierigsten Themen zu beschäftigen.
Stimmen aus der Wirtschaft
„Für mehr gesunde Routinen und Bewegung nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten. Ich weiß selbst, wie voll ein Alltag sein kann. Gleichzeitig merke ich immer wieder, wie gut mir die Zeit beim Sport tut, nicht nur körperlich, auch mental. Danach bin ich ausgeglichener und habe den Kopf wieder frei. Deshalb lieber kleine, realistische Bewegungseinheiten einbauen, anstatt auf die große freie Stunde zu warten. Heute gibt es so viele Möglichkeiten: Gruppenkurse, Fitnessstudio, zu Hause oder einfach Bewegung an der frischen Luft. Wichtig ist, etwas zu finden, das zu einem selbst und zum eigenen Alltag passt und vor allem Spaß macht.“
„Fehler nach der Sommerpause: Viele Betriebe neigen dazu, nach der Sommerpause sofort auf Vollgas zu schalten, was häufig zu Stress und Überlastung führt. Eine schrittweise Rückkehr in den Arbeitsrhythmus ist ratsam. Maßnahmen wie regelmäßige Bewegungspausen, gesunde Snacks sowie Ausgleichs‑, Dehnungs- und Mobilisationsübungen sind hilfreich, um das Wohlbefinden zu fördern und Dysbalancen, insbesondere bei einseitigen Tätigkeiten, auszugleichen. Ich plane bewusst Pausen ein und nutze die Herbstzeit für Aktivitäten im Freien, um frische Luft und Bewegung zu integrieren.“
„Im Herbst habe ich noch keine Auszeit für mich geplant, weil wir auch noch jetzt viele Radfahrer aus der ganzen Welt als Gäste haben. Bei uns schätzen die Radfahrer die Serviceangebote der Drauradweg-Wirte, weil die Betriebe auf die Bedürfnisse der Radausflügler eingestellt sind und es immer wieder neue Angebote gibt, wie die Seitensprünge entlang des Drauradweges.“