„Man muss wissen,
was man nie tun möchte“
Christina Bauer ist das Gesicht von „Backen mit Christina“ – aber längst nicht mehr allein das Unternehmen dahinter. Sie beschäftigt 20 Mitarbeiterinnen, erreicht Hunderttausende Menschen über Social Media und veröffentlichte im September ihr zehntes Buch. Einen Masterplan dafür gab es nie, doch hatte sie von Anfang an klare Vorstellungen davon, was zu ihr passt – und was nicht.
„Kärntner Wirtschaft“: „Backen mit Christina“ hat als persönliche Leidenschaft begonnen. Wann haben Sie gemerkt, dass daraus mehr werden könnte?
Christina Bauer: Diesen einen Zeitpunkt gab es eigentlich nie. Es war ein Prozess. Ich hatte nie das Ziel, einmal 20 Mitarbeiterinnen zu beschäftigen oder eine bestimmte Anzahl an Paketen zu verschicken. Es hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Vieles ist einfach passiert.
Ihre Marke ist stark aus Ihrer Persönlichkeit heraus entstanden. Was können klassische Unternehmen davon lernen?
Dass eine Marke so stark an einer Person hängt, kann natürlich Vor- und Nachteile haben. Backen war meine Leidenschaft, und daraus hat sich alles weiterentwickelt. Für mich war vieles „Learning by Doing“. Man muss sich weiterentwickeln, neue Herausforderungen annehmen und versuchen, aus jeder Situation das Beste zu machen – und trotzdem sich selbst treu bleiben. Mit zunehmender Bekanntheit entsteht natürlich auch eine gewisse Erwartungshaltung. Dieser gerecht zu werden und trotzdem bei sich zu bleiben, ist eine große Herausforderung.
Heute folgen Ihnen rund 220.000 Menschen auf Instagram. Was braucht es, um aus einer guten Idee eine starke und unverwechselbare Marke zu machen?
e bekannter man wird, desto wichtiger ist es zu wissen, was man gerne tut und was einem wirklich wichtig ist. Genauso wichtig ist es aber auch zu wissen, was man nie tun möchte. Diesen Weg muss man dann auch verfolgen und darf sich nicht ständig davon abbringen lassen.
Wer unterschiedliche Bereiche kennt, schätzt die Arbeit der anderen mehr.“
Christina Bauer
Unternehmerin, Autorin und BäuerinWährend viele Betriebe Personal suchen, gibt es bei Ihnen eine Warteliste mit Bewerbern. Was macht einen Betrieb zu einem Arbeitgeber, für den Menschen gerne arbeiten?
Warum das bei uns so ist, kann ich selbst gar nicht genau beantworten. Mir ist jedenfalls ein gutes Arbeitsklima wahnsinnig wichtig. Ich versuche, meinen Mitarbeiterinnen möglichst viel zu bieten, etwa bei der Zeiteinteilung. Und mir ist wichtig, dass viel miteinander geredet wird. Das ist für alle ein Lernprozess. Man muss sagen können: Ich brauche Hilfe. Gleichzeitig darf man sich für keine Arbeit zu schade sein. Wenn man unterschiedliche Bereiche selbst kennt, lernt man außerdem, die Arbeit der anderen viel stärker zu schätzen. Und man entwickelt mehr Verständnis dafür, dass Fehler passieren können.
Ihre Backkurse waren sehr gefragt – trotzdem haben Sie damit aufgehört. Warum?
Weil ich mit meiner Zeit wirtschaften muss. Gerade wenn ein Unternehmen so stark personenbezogen ist wie meines, ist Zeit die begrenzende Ressource. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden.
Ist Nein-Sagen also eine unternehmerische Fähigkeit?
Auf jeden Fall. Es gibt viele Dinge, die wirtschaftlich interessant wären. Aber gerade bei einem personenbezogenen Unternehmen kann ich nicht alles machen. Ich muss entscheiden, wofür ich meine Zeit einsetze.
Im September ist Ihr zehntes Buch erschienen. Warum funktioniert ein gedrucktes Kochbuch neben digitalen Rezepten noch immer?
Für mich muss ein Buch einen Mehrwert gegenüber dem bieten, was man digital bekommt. Haptik, schöne Bilder und Inspiration sind nach wie vor wichtig. Die vielen Vorbestellungen zeigen mir, dass Bücher nach wie vor gefragt sind.
- Christina Bauer (39) ist Unternehmerin, Bestsellerautorin und Bäuerin. In Tamsweg betreibt sie ihre „Backwelt“ mit Schauküche, Café, Shop und Logistikzentrum.
- Sie beschäftigt 20 Mitarbeiterinnen.
- Im September ist ihr zehntes Buch erschienen. Ihr Adventkalender löst Jahr für Jahr einen Ansturm aus.
- Mit ihrem Mann bewirtschaftet sie im Salzburger Lungau einen Bauernhof mit 40 Kühen und bietet „Urlaub am Bauernhof“ an.