Blonde Frau mit herzförmigen Butterzopf in der Hand.
Christina Bauer zählt zu den bekanntesten Gesichtern der heimischen Backszene. © Backen mit Christina
Christina Bauer

„Man muss wissen,
was man nie tun möchte“

Christina Bauer ist das Gesicht von „Backen mit Christina“ – aber längst nicht mehr allein das Unternehmen dahinter. Sie beschäftigt 20 Mitarbeiterinnen, erreicht Hunderttausende Menschen über Social Media und veröffentlichte im September ihr zehntes Buch. Einen Masterplan dafür gab es nie, doch hatte sie von Anfang an klare Vorstellungen davon, was zu ihr passt – und was nicht.

15.10.2026 07:33 von Birgit Sacherer
Lesezeit 4 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: ­„Backen mit Christina“ hat als persön­liche Leiden­schaft begonnen. Wann haben Sie gemerkt, dass daraus mehr werden könnte?

Christina Bauer: Diesen einen Zeitpunkt gab es eigentlich nie. Es war ein Prozess. Ich hatte nie das Ziel, einmal 20 Mitar­bei­te­rinnen zu beschäf­tigen oder eine bestimmte Anzahl an Paketen zu verschicken. Es hat sich Schritt für Schritt entwi­ckelt. Vieles ist einfach passiert.

Ihre Marke ist stark aus ­Ihrer Persön­lichkeit heraus entstanden. Was können klassische Unter­nehmen ­davon lernen?

Dass eine Marke so stark an einer Person hängt, kann natürlich Vor- und Nachteile haben. Backen war meine Leiden­schaft, und daraus hat sich alles weiter­ent­wi­ckelt. Für mich war vieles „Learning by Doing“. Man muss sich weiter­ent­wi­ckeln, neue Heraus­for­de­rungen annehmen und versuchen, aus jeder Situation das Beste zu machen – und trotzdem sich selbst treu bleiben. Mit zuneh­mender Bekanntheit entsteht natürlich auch eine gewisse Erwar­tungs­haltung. Dieser gerecht zu werden und trotzdem bei sich zu bleiben, ist eine große Heraus­for­derung.

Heute folgen Ihnen rund 220.000 Menschen auf Instagram. Was braucht es, um aus einer guten Idee eine starke und unver­wech­selbare Marke zu machen?

e bekannter man wird, des­to wichtiger ist es zu wissen, was man gerne tut und was einem wirklich wichtig ist. Genauso wichtig ist es aber auch zu wissen, was man nie tun möchte. Diesen Weg muss man dann auch verfolgen und darf sich nicht ständig davon abbringen lassen.

Wer unter­schied­liche ­Bereiche kennt, schätzt die Arbeit der anderen mehr.“Zitat Ende

Christina Bauer

Unter­neh­merin, Autorin und Bäuerin

Während viele Betriebe Personal suchen, gibt es bei Ihnen eine Warte­liste mit Bewerbern. Was macht einen Betrieb zu einem Arbeit­geber, für den Menschen gerne arbeiten?

Warum das bei uns so ist, kann ich selbst gar nicht genau beant­worten. Mir ist jeden­falls ein gutes Arbeits­klima wahnsinnig wichtig. Ich versuche, meinen Mitar­bei­te­rinnen möglichst viel zu bieten, etwa bei der Zeitein­teilung. Und mir ist wichtig, dass viel mitein­ander geredet wird. Das ist für alle ein Lernprozess. Man muss sagen können: Ich brauche Hilfe. Gleich­zeitig darf man sich für keine Arbeit zu schade sein. Wenn man unter­schied­liche Bereiche selbst kennt, lernt man außerdem, die Arbeit der anderen viel stärker zu schätzen. Und man entwi­ckelt mehr Verständnis dafür, dass Fehler passieren können.

Ihre Backkurse waren sehr gefragt – trotzdem haben Sie damit aufgehört. Warum?

Weil ich mit meiner Zeit wirtschaften muss. Gerade wenn ein Unter­nehmen so stark perso­nen­be­zogen ist wie meines, ist Zeit die begren­zende Ressource. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden.

Ist Nein-Sagen also eine unter­neh­me­rische ­Fähigkeit?

Auf jeden Fall. Es gibt viele Dinge, die wirtschaftlich inter­essant wären. Aber gerade bei einem perso­nen­be­zo­genen Unter­nehmen kann ich nicht alles machen. Ich muss entscheiden, wofür ich meine Zeit einsetze.

Im September ist Ihr zehntes Buch erschienen. Warum funktio­niert ein gedrucktes Kochbuch neben digitalen Rezepten noch immer?

Für mich muss ein Buch einen Mehrwert gegenüber dem bieten, was man digital bekommt. Haptik, schöne Bilder und Inspi­ration sind nach wie vor wichtig. Die vielen Vorbe­stel­lungen zeigen mir, dass Bücher nach wie vor gefragt sind.

Zur Person
  • Christina Bauer (39) ist Unter­neh­merin, Bestsel­ler­au­torin und Bäuerin. In Tamsweg betreibt sie ihre „Backwelt“ mit Schau­küche, Café, Shop und Logis­tikzentrum.
  • Sie beschäftigt 20 Mit­arbeiterinnen.
  • Im September ist ihr zehntes Buch erschienen. Ihr Advent­ka­lender löst Jahr für Jahr einen Ansturm aus.
  • Mit ihrem Mann bewirt­schaftet sie im Salzburger Lungau einen Bauernhof mit 40 Kühen und bietet „Urlaub am Bauernhof“ an.
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 19/26 erschienen.
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