Von der
Dampfmaschine zur Robotik
Seit über hundert Jahren wird in Ettendorf in Lavamünd im Sägewerk der Familie Cimenti Holz verarbeitet – einst mit handbetriebenen Dampfmaschinen, heute mit vollautomatisierter Hightech-Robotik.
Vor mehr als 100 Jahren, im Jahr 1918, beginnt die Geschichte des Sägewerks Cimenti. Damals noch als Außenstelle der Firma Fratelli Romanelli, die ihren Sitz in Udine hatte und von dort aus den italienischen Markt mit Holz belieferte. Das Unternehmen beschäftigte damals 130 Mitarbeitende, die die Dampfmaschinen händisch betrieben und die Waggons der Gleisanlagen von Hand beluden.
In den 1980er-Jahren kam es zur entscheidenden Wende: Die Firma Fratelli Romanelli geriet in Schwierigkeiten. Umberto Cimenti beschloss daraufhin gemeinsam mit seinem Neffen Anton, der gerade seine Ausbildung zum Säger abgeschlossen hatte, das Sägewerk in Ettendorf zu übernehmen. Seit 1999 leitet Anton Cimenti die Geschäfte des Unternehmens. „Damals beendete ich gerade die Fachschule in Kuchl und begann meine Laufbahn als Säger. Diese Entscheidung habe ich nie bereut“, erzählt Cimenti.
Die Verbindung zum italienischen Markt ist bis heute geblieben: 70 Prozent der Produktion exportiert das Sägewerk nach wie vor nach Italien, 30 Prozent nach Kroatien.
Überschwemmung und Bauverbot
Vor Herausforderungen blieb das Unternehmen aber auch in den folgenden Jahren nicht verschont: Ein Hochwasser setzte das Sägewerk 2004 eineinhalb Meter tief unter Wasser. Die Folgen der Überschwemmung reichten weit über den unmittelbaren Schaden hinaus: Das Land Kärnten erklärte das Firmenareal zur roten Zone mit Bauverbot.
2018 errichtete das Unternehmen mit Unterstützung des Landes einen Hochwasserschutz. Mit Fertigstellung des Hochwasserschutzes endete auch das Bauverbot. Anschließend investierte das Unternehmen in eine Photovol-taikanlage mit 200 kWp Leistung, mit der ein Teil des benötigten Stroms selbst produziert wird.
Von der Dampfmaschine zur Saw-Box
Von den einstigen Dampfmaschinen ist heute nichts mehr übrig. An ihre Stelle ist die Saw-Box der Firma Springer getreten – ein in Kärnten entwickeltes, vollautomatisiertes Kompakt-Sägewerk. Wo früher zahlreiche Arbeitsschritte und viele Fachkräfte nötig waren, übernehmen heute 3D-Sensoren, Software, Robotik und ein einziger Bediener das Zusammenspiel: Jeder Stamm wird vermessen, das optimale Schnittbild berechnet und das Holz mit minimalem Verschnitt verarbeitet. Umgesetzt wurde das Projekt von regionalen Firmen aus Kärnten und dem Lavanttal.
Auf nur 1000 Quadratmetern lassen sich so bis zu 15.000 Festmeter pro Jahresschicht verarbeiten. Aus Rundholz wird in wenigen Minuten fertiges Schnittholz.„Wir standen vor der Entscheidung, aufzuhören und in Pension zu gehen, oder in die Zukunft zu investieren“, sagt Anton Cimenti. Sohn Fabio stieg ins Unternehmen ein und entschied gemeinsam mit Schwager René Pansi zu investieren und den Betrieb weiterzuentwickeln. Ein Motiv wog dabei besonders schwer: der Personalmangel in der Branche. „Wir suchen bereits seit zwei Jahren passende Mitarbeiter für unser Sägewerk“, so Cimenti. Damit ist die dritte Generation bereits am Werk und schreibt die Geschichte des Sägewerks technisch neu.
- 1918 wird das Sägewerk Fratelli Romanelli gegründet.
- 1986 übernimmt Umberto Cimenti mit seinem Neffen Anton Cimenti das Sägewerk in Ettendorf.
- Seit 1999 ist Anton Cimenti Geschäftsführer.
- 2004 trifft das Sägewerk ein Hochwasser.
- 2019 tritt Sohn Fabio Cimenti in die FIirma ein. In diesem Jahr wird auch der Hochwasserschutz errichtet.
- 2021 wird eine PV-Anlage gebaut.
- 2026 geht die Saw-Box in Betrieb.
- Der Familienbetrieb beschäftigt aktuell fünf Mitarbeiter.