Knapp 5000 Kilometer ist Kurt Matzler quer durch die USA geradelt. Aus seinen Strategien fürs Durchhalten könne auch die Wirtschaft lernen.
Knapp 5000 Kilometer ist Kurt Matzler quer durch die USA geradelt. Aus seinen Strategien fürs Durchhalten könne auch die Wirtschaft lernen. © KK/Irene Rohregger
Kurt Matzler

„Ist Motivation da,
kommt auch die Leistung“

Worauf es im Extremsport und in der Wirtschaft ankommt, weiß Universitätsprofessor Kurt Matzler.

17.03.2025 12:49 - Update am: 20.03.2025 09:21 von Ines Tebenszky
Lesezeit 6 Minuten

Univer­si­täts­pro­fessor Kurt Matzler weiß, ein gutes Team und Durch­hal­te­ver­mögen sind sowohl in der Wirtschaft als auch im Extrem­sport notwendig.

„Kärntner Wirtschaft“: Ist der Weg zum unter­neh­me­ri­schen Erfolg vergleichbar mit dem Extrem­sport?

Kurt Matzler: Ja, eigentlich fast eins zu eins. Wenn man sich Startups anschaut überleben im Durch­schnitt 50 Prozent die ersten fünf Jahre nicht. Das ist etwa die Finis­her­quote beim Race Across America. Man hat ein ganz großes Ziel und dann hat man einen langen Weg mit vielen Wider­ständen. Man muss sich permanent motivieren, dran zu bleiben, die Disziplin aufbringen, um die Ziele zu erreichen und das richtige Team um sich zu versammeln. Das sind genau die gleichen Heraus­for­de­rungen im Management von einem Unter­nehmen wie im Extrem­sport.

Es sieht so aus, als wäre ein Extrem­sportler, wenn er so wie Sie am Rad sitzt, ein Einzel­kämpfer. Wie wichtig ist dennoch das Team?

Ich denke, ein Drittel ist physische Vorbe­reitung, ein Drittel ist mentale Stärke und ein Drittel ist das Team. Man sagt, das Team kann das Rennen für einen nicht gewinnen, aber das Team kann es verlieren. Es ist ganz entscheidend, dass man ein Team findet, das in der Lage ist, dem Radfahrer alle Probleme abzunehmen und zu lösen und ihn vor allem im zweiten Teil des Rennens zu motivieren. Das ist ganz entscheidend, dass man da die richtigen Leute hat, die zum richtigen Zeitpunkt das Richtige sagen und tun. Beim Start werden alle Entschei­dungen an das Team abgegeben. Dem Team muss man zu 100 Prozent vertrauen können. Und so ein Team zusam­men­zu­stellen, das ist einer der ganz entschei­denden Aufgaben.

Die Heraus­for­de­rungen im Extrem­sport sind die gleichen wie im Management.Zitat Ende

Kurt Matzler

Extrem­sportler und Professor

Im Sport motiviert das Team den Sportler – in der Wirtschaft scheint es oft umgekehrt zu sein …

Eigentlich finde ich den Ansatz, Mitar­beiter zu motivieren, falsch. Weil die beste Motivation ist immer die, die von innen kommt – und zwar dann, wenn sich die Mitar­beiter mit dem Ziel identi­fi­zieren und den Sinn sehen. Antoine de Saint-Exupéry hat einmal gesagt, wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um ihnen zu zeigen, wie man Bäume fällt und ein Schiff baut, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Wenn das gelingt bei den Mitar­beitern, dann kommt die Motivation von innen heraus. Und dann kommen Freude, Begeis­terung und Leistungs­fä­higkeit.

Wie geht man mit Heraus­for­de­rungen um?

Bei so einem Rennen gibt es viele Situa­tionen, medizi­nisch schwierige Situa­tionen, Defekte, extreme Wetter­be­din­gungen. Da muss man vorher klar festlegen, wer welche Entscheidung trifft, überlegen, was alles passieren kann und dann entspre­chende Pläne entwi­ckeln. Weil jeder, der vorbe­reitet ist, gerät in einer schwie­rigen Situation nicht in Panik. Das ist in der Wirtschaft genau das Gleiche. Wenn ich Szenarien entwickle, dann ist es immer wichtig, mir zu überlegen, was passiert im Worst Case, was passiert im Best Case. Dann werde ich von drama­ti­schen Entwick­lungen nicht so überrascht, sondern habe mich hier gedanklich schon einmal damit ausein­an­der­ge­setzt und ich kann in Ruhe entscheiden. Das Schlimmste ist immer, es passiert etwas Unvor­her­ge­se­henes und ich verfalle in den Panik­modus.

Setzen sich Unter­nehmen oft zu spät damit ausein­ander?

Ganz häufig erst dann, wenn die Krise kommt. Und dann ist es für viele schon zu spät. Große Unter­nehmen haben oft Strate­gie­ab­tei­lungen, wo das regel­mäßig gemacht wird. Aber kleinere, mittlere Unter­nehmen machen das häufig nicht. Und da kann es dann schon sehr schwierig werden, weil man dann nicht mehr die Zeit und die Ressourcen hat, zu reagieren.

Was kann die Wirtschaft vom Spitzen­sport lernen?

Das Wichtigste ist, sich langfristige Ziele zu setzen, weil jeder Spitzen­sportler in der Regel jahrelang trainiert, um sein großes Ziel zu erreichen. Dieses Ziel sollte man herun­ter­brechen in viele kleine Ziele, damit man permanent Erfolgs­er­leb­nisse hat und dann die Disziplin entwi­ckelt, auf diesem Weg zu bleiben. Und Disziplin lässt sich ganz leicht entwi­ckeln, indem man Routine schafft. Dann sorgt man dafür, dass man permanent dranbleibt.

Zur Person
  • Kurt Matzler ist Professor für Strate­gi­sches Management an der Univer­sität Innsbruck.
  • Neben seiner wissen­schaft­lichen Karriere ist Matzler leiden­schaft­licher Radfahrer. Er hat an Rennen wie dem Race Across America, dem Race Around Austria oder dem Northcape4000 teilge­nommen.
  • Durch seine Teilnahme am Race Across America sammelte sein Team über vier Millionen US-Dollar für die Ausrottung von Polio.
  • Seine Erfah­rungen gibt er im Buch „The High Perfor­mance Mindset“ wieder.
Zur Website der Univer­sität Innsbruck
Info-Icon
Ähnliche Artikel finden Sie in der Kategorie: Inter­views