„Ist Motivation da,
kommt auch die Leistung“
Worauf es im Extremsport und in der Wirtschaft ankommt, weiß Universitätsprofessor Kurt Matzler.
Universitätsprofessor Kurt Matzler weiß, ein gutes Team und Durchhaltevermögen sind sowohl in der Wirtschaft als auch im Extremsport notwendig.
„Kärntner Wirtschaft“: Ist der Weg zum unternehmerischen Erfolg vergleichbar mit dem Extremsport?
Kurt Matzler: Ja, eigentlich fast eins zu eins. Wenn man sich Startups anschaut überleben im Durchschnitt 50 Prozent die ersten fünf Jahre nicht. Das ist etwa die Finisherquote beim Race Across America. Man hat ein ganz großes Ziel und dann hat man einen langen Weg mit vielen Widerständen. Man muss sich permanent motivieren, dran zu bleiben, die Disziplin aufbringen, um die Ziele zu erreichen und das richtige Team um sich zu versammeln. Das sind genau die gleichen Herausforderungen im Management von einem Unternehmen wie im Extremsport.
Es sieht so aus, als wäre ein Extremsportler, wenn er so wie Sie am Rad sitzt, ein Einzelkämpfer. Wie wichtig ist dennoch das Team?
Ich denke, ein Drittel ist physische Vorbereitung, ein Drittel ist mentale Stärke und ein Drittel ist das Team. Man sagt, das Team kann das Rennen für einen nicht gewinnen, aber das Team kann es verlieren. Es ist ganz entscheidend, dass man ein Team findet, das in der Lage ist, dem Radfahrer alle Probleme abzunehmen und zu lösen und ihn vor allem im zweiten Teil des Rennens zu motivieren. Das ist ganz entscheidend, dass man da die richtigen Leute hat, die zum richtigen Zeitpunkt das Richtige sagen und tun. Beim Start werden alle Entscheidungen an das Team abgegeben. Dem Team muss man zu 100 Prozent vertrauen können. Und so ein Team zusammenzustellen, das ist einer der ganz entscheidenden Aufgaben.
Die Herausforderungen im Extremsport sind die gleichen wie im Management.
Kurt Matzler
Extremsportler und ProfessorIm Sport motiviert das Team den Sportler – in der Wirtschaft scheint es oft umgekehrt zu sein …
Eigentlich finde ich den Ansatz, Mitarbeiter zu motivieren, falsch. Weil die beste Motivation ist immer die, die von innen kommt – und zwar dann, wenn sich die Mitarbeiter mit dem Ziel identifizieren und den Sinn sehen. Antoine de Saint-Exupéry hat einmal gesagt, wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um ihnen zu zeigen, wie man Bäume fällt und ein Schiff baut, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer. Wenn das gelingt bei den Mitarbeitern, dann kommt die Motivation von innen heraus. Und dann kommen Freude, Begeisterung und Leistungsfähigkeit.
Wie geht man mit Herausforderungen um?
Bei so einem Rennen gibt es viele Situationen, medizinisch schwierige Situationen, Defekte, extreme Wetterbedingungen. Da muss man vorher klar festlegen, wer welche Entscheidung trifft, überlegen, was alles passieren kann und dann entsprechende Pläne entwickeln. Weil jeder, der vorbereitet ist, gerät in einer schwierigen Situation nicht in Panik. Das ist in der Wirtschaft genau das Gleiche. Wenn ich Szenarien entwickle, dann ist es immer wichtig, mir zu überlegen, was passiert im Worst Case, was passiert im Best Case. Dann werde ich von dramatischen Entwicklungen nicht so überrascht, sondern habe mich hier gedanklich schon einmal damit auseinandergesetzt und ich kann in Ruhe entscheiden. Das Schlimmste ist immer, es passiert etwas Unvorhergesehenes und ich verfalle in den Panikmodus.
Setzen sich Unternehmen oft zu spät damit auseinander?
Ganz häufig erst dann, wenn die Krise kommt. Und dann ist es für viele schon zu spät. Große Unternehmen haben oft Strategieabteilungen, wo das regelmäßig gemacht wird. Aber kleinere, mittlere Unternehmen machen das häufig nicht. Und da kann es dann schon sehr schwierig werden, weil man dann nicht mehr die Zeit und die Ressourcen hat, zu reagieren.
Was kann die Wirtschaft vom Spitzensport lernen?
Das Wichtigste ist, sich langfristige Ziele zu setzen, weil jeder Spitzensportler in der Regel jahrelang trainiert, um sein großes Ziel zu erreichen. Dieses Ziel sollte man herunterbrechen in viele kleine Ziele, damit man permanent Erfolgserlebnisse hat und dann die Disziplin entwickelt, auf diesem Weg zu bleiben. Und Disziplin lässt sich ganz leicht entwickeln, indem man Routine schafft. Dann sorgt man dafür, dass man permanent dranbleibt.
- Kurt Matzler ist Professor für Strategisches Management an der Universität Innsbruck.
- Neben seiner wissenschaftlichen Karriere ist Matzler leidenschaftlicher Radfahrer. Er hat an Rennen wie dem Race Across America, dem Race Around Austria oder dem Northcape4000 teilgenommen.
- Durch seine Teilnahme am Race Across America sammelte sein Team über vier Millionen US-Dollar für die Ausrottung von Polio.
- Seine Erfahrungen gibt er im Buch „The High Performance Mindset“ wieder.