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Markus Miklautsch, Experte für KI und E-Commerce. © Studio Horst
Markus Miklautsch

„Händler ohne gepflegte Daten werden unsicht­barer“

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in den Kärntner Handel – nicht als Zukunftsvision, sondern als konkretes Werkzeug im Alltag. Im Interview erzählt Markus Miklautsch, warum Datenqualität als Wettbewerbsvorteil gilt und kleine Schritte eine große Wirkung zeigen können.

25.02.2026 08:58 - Update am: 25.02.2026 08:58 von Sarah Aichwalder
Lesezeit 6 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Wie weit ist KI im Kärntner Handel integriert und wo gibt es noch große Poten­ziale?

Markus Miklautsch: Inwieweit KI im Kärntner Handel wirklich integriert ist, lässt sich pauschal schwer beant­worten. Was wir in der Praxis sehen, ist eine solide Basis bei der Digita­li­sierung. Viele Betriebe haben einen Onlineshop oder sind auf Social Media aktiv, gerade kleinere Händler holen dort sichtbar auf. Das ist ein guter Start.

Das große Potenzial beginnt dort, wo KI an Daten andocken kann. KI braucht klare Infor­ma­tionen zum Sortiment, Verfüg­barkeit, Preisen, Varianten, Öffnungs­zeiten, Kontakt und Service. Sobald diese Infor­ma­tionen sauber digital vorliegen. Fehlen diese Daten, wird es schwer für die Kunden sichtbar zu bleiben, weil Suchsysteme und Assis­tenten wie ChatGPT oder Google Gemini vor allem die Händler vorschlagen werden, die klare und aktuelle Infor­ma­tionen liefern.

Ein zweiter großer Hebel liegt intern. Viele Abläufe im Handel sind wieder­kehrend. Bestel­lungen, Nachbe­stel­lungen, Arbeits­vor­be­reitung, Rückfragen, Angebots­vor­lagen, einfache Auswer­tungen. KI kann hier Zeit sparen, weil sie Routi­ne­arbeit abnimmt, Vorschläge macht und Standards vorbe­reitet. Das ist für viele Betriebe der eigent­liche Gewinn, weil mehr Zeit für Kunden und Verkauf bleibt.

Welche Missver­ständ­nisse gibt es beim Thema KI im Handel?

Das häufigste Missver­ständnis ist die Angst, dass KI Menschen ersetzt. In der Realität ersetzt KI vor allem Reibungs­ver­luste. Sie nimmt Routine und beschleunigt die Vorarbeit. Sie hilft beim Analy­sieren, Struk­tu­rieren und Zusam­men­fassen. Der Mensch bleibt der Entscheider, gerade im Handel, wo Vertrauen, Erfahrung und Gefühl für Kunden zählen.

Ein zweites Missver­ständnis ist der Gedanke, man brauche dafür gleich ein großes Projekt. Viele starten zu groß und scheitern dann an der Komple­xität. In unseren Beglei­tungen drehen wir das um. Wir beginnen klein, mit einem klaren Anwen­dungsfall, der sofort spürbar hilft. Wer einmal erlebt, dass er in 20 Minuten etwas schafft, wofür er früher 2 Stunden gebraucht hat, versteht den Wert sofort.

Ein drittes Missver­ständnis ist, dass KI “magisch” funktio­niert. KI ist nur so gut wie das, was man ihr gibt. Saubere Produkt­daten, klare Abläufe und ein guter Prompt sind oft wichtiger als das teuerste Tool.

Der Mensch bleibt der Entscheider, gerade im Handel, wo Vertrauen, Erfahrung und Gefühl für Kunden zählen.Zitat Ende

Markus Miklautsch

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Welche Prozesse lassen sich schnell automa­ti­sieren?

Am schnellsten geht alles, was wieder­kehrend ist und heute viel Zeit frisst. Social Media ist hier ein sehr dankbares Feld. Inhalte planen, Texte vorschlagen lassen, Varianten für verschiedene Kanäle erstellen, Bildideen liefern, Antworten auf Kommentare vorbe­reiten. Das bringt rasch mehr Sicht­barkeit, ohne dass jeden Tag bei null gestartet wird. Direkt danach kommen interne Standards. E‑Mails an Liefe­ranten, Vorlagen für Angebote, Check­listen für neue Produkte, kurze Erklär­texte für Kunden, kleine Auswer­tungen aus Verkaufs­zahlen. Viele dieser Dinge sind nicht kompli­ziert, sie sind nur mühsam.

Ein Beispiel aus unserer Beratung, das viele Betriebe überrascht: Wir lassen KI nicht nur Texte schreiben, wir lassen sie Abläufe verbessern. Wir geben ihr einen Prozess in einfachen Worten, zum Beispiel wie heute nachbe­stellt wird, wo es hängt, was oft vergessen wird. Dann erarbeiten wir gemeinsam eine bessere Schritt­folge und bauen daraus eine einfache Routine, die im Alltag funktio­niert. Genau dort entsteht der echte Nutzen, weil es nicht um Spielerei geht, sondern um weniger Fehler und weniger Stress.

Wie verändert KI die Waren­wirt­schaft im Alltag?

KI verändert die Waren­wirt­schaft vor allem dort, wo Daten Qualität bekommen müssen. Das klingt trocken, hat aber eine sehr konkrete Wirkung. Sobald Bestände, Verfüg­bar­keiten und Produkt­infos sauber gepflegt sind, kann man diese Daten für Sicht­barkeit und für bessere Entschei­dungen nutzen. Man sieht das gerade bei Google sehr deutlich, weil KI immer stärker in die Suche integriert wird. Die Systeme wollen Antworten geben, nicht nur Links zeigen.

Ein Blumen­händler, der aktuelle Daten zu Produkten und Verfüg­barkeit bereit­stellt, hat bessere Chancen, vorge­schlagen zu werden, wenn Kunden nach den optimalen Pflanzen für das neue Hochbeet fragen. Ein Händler ohne gepflegte Daten wird unsicht­barer, obwohl er vielleicht das bessere Sortiment hat. Im Alltag bedeutet das: Genau­igkeit wird zum Wettbe­werbs­vorteil. Wer weiß, was lagernd ist, was schnell dreht, was nachbe­stellt werden muss, kann schneller reagieren. KI kann dabei unter­stützen, Muster zu erkennen, Hinweise zu geben und Vorschläge zu machen. Die Verant­wortung bleibt beim Betrieb, die Arbeit wird aber leichter, weil weniger geraten werden muss.

Mit welchen Inves­ti­ti­ons­kosten muss man rechnen?

Die wichtigste Inves­tition kostet tatsächlich kein Geld. Das ist die Bereit­schaft, sich eine Stunde pro Woche Zeit zu nehmen und KI im Alltag auszu­pro­bieren. Viele Betriebe scheitern nicht am Budget, sondern daran, dass im Tages­ge­schäft keine Luft bleibt. Finan­ziell kann der Einstieg sehr klein sein. Viele Werkzeuge kosten im Monat überschaubar und reichen für erste Schritte völlig aus. Teurer wird es dann, wenn man Daten sauber aufsetzen will, Schnitt­stellen benötigt oder Prozesse wirklich automa­ti­sieren möchte. Das bewegt sich je nach Ausgangslage von ein paar hundert Euro bis in größere Projekte.

Was ich kleinen und mittleren Betrieben immer mitgebe: Nicht zuerst über das Tool reden, sondern über den Nutzen. Wenn ein Betrieb mit KI jede Woche 3 bis 5 Stunden spart oder sichtbar mehr Anfragen bekommt, dann rechnet sich der Einstieg schnell. Genau so begleiten wir es in Beratungen. Erst ein klarer Anwen­dungsfall, dann ein einfacher Ablauf, dann saubere Daten. Danach kann man gezielt inves­tieren, statt ins Blaue hinein.

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