Bei Ruhdorfer wird
Holz zu Ende gedacht
Der Rohstoff Holz spielt bei der Bruno Ruhdorfer GmbH im Gurktal in vielen Variationen eine Rolle – und das seit über 100 Jahren.
Surrende Förderbänder und präzise Scanner auf der einen, eine stilvolle Nutzung von Holz als Werkstoff beim Büro- und Wohngebäude auf der anderen Straßenseite: Das Unternehmen von Bruno und Anton Ruhdorfer in Gundersdorf bei Straßburg ist mehr als ein klassisches Sägewerk, es ist ein Lieferant für Holzbau im großen Stil.
Bruno Ruhdorfer, der den Betrieb seit 1986 leitet, erkannte früh die Chancen für das Unternehmen. Mit technischer Ausbildung an der HTL Kuchl, Berufserfahrung außerhalb des Betriebs und fundierten Italienischkenntnissen brachte er neue Perspektiven ein. Statt ausschließlich auf Produktion zu setzen, entwickelte Ruhdorfer das Unternehmen strategisch weiter: „Das Holzhandelsgeschäft gewann an Bedeutung, Streckengeschäfte und Zwischenlagerung wurden aufgebaut. Schnittholzexporte nach Italien entwickelten sich zu einem wichtigen Standbein“, erzählt er. Bis heute ist Italien der bedeutendste Markt. „Bei unseren südlichen Nachbarn ist die Nachfrage nach Bauholz seit jeher hoch, die verarbeitende Industrie aber nahezu nicht vorhanden“, erklärt Bruno Ruhdorfer die große Bedeutung des Marktes. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden heute über den Holzhandel erzielt.
Mit globalem Blick zurück ins Gurktal
1999 wurde außerdem das Sägewerk des Bistums Gurk in Hirt gemeinsam mit Partnern übernommen, Ruhdorfer ist Mehrheitsgesellschafter. Mit dem Zukauf der Marke „Drauholz“ baute man zudem den Pelletshandel massiv aus. Mit Anton Ruhdorfer ist die vierte Generation aktiv im Betrieb. Nach der Ausbildung zog es ihn zunächst nach Kanada und in die USA, wo er operativ bei Holzbetrieben und Sägewerken arbeitete. Später studierte er Unternehmensführung in Wien und sammelte politische Erfahrung, bevor er ins Gurktal zurückkehrte. Gebracht hat ihm der Blick über den Tellerrand so einiges: „Andere Kulturen und Denkweisen kennenzulernen, war sehr wichtig.“ Die Offenheit für Auslandsmärkte und neue Technologien prägen das Unternehmensleitbild.
Regionale Wertschöpfung
Die Rohware stammt aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern. Ruhdorfer versteht sich als rohstoffnaher Versorger der Holzwirtschaft: „Ein großer nennenswerter Teil des Konstruktionsvollholzes geht an regionale Zimmerer und Holzbauer – das ist auch Ehrensache“, betont Anton Ruhdorfer stolz. Ehrenvoll ist auch die Energieautarkie des Betriebs: Mit Photovoltaik und einem eigenen Wasserkraftwerk wird über das Jahr mehr Strom erzeugt, als verbraucht wird.
Qualität durch modernste Sortiertechnik
Ein entscheidender Meilenstein folgte 2014 mit dem Bau eines Hobelwerks um rund 2,5 Millionen Euro. „Ziel war es, Schnittholz weiterzuverarbeiten, um Zimmerern Produkte wie Latten, Profile und Schalungen anbieten zu können.“ Der nächste große Schritt kam 2021: Rund sechs Millionen Euro investierte das Unternehmen in eine der modernsten Konstruktionsvollholz-Produktionslinien Österreichs. Scanner- und Röntgentechnologie prüfen seither jedes einzelne Stück auf seine Festigkeit und visuelle Qualität. „Holz ist ein lebendiger Werkstoff – kein Stück gleicht dem anderen“, erklärt Anton Ruhdorfer. Neben maschineller Sortierung bleibt auch die visuelle Qualitätsbeurteilung entscheidend. „Holzteile, die nicht den Kriterien entsprechen, werden ausgeschnitten und die optimierte Ware wird mittels Fräsen und Keilverzinkung wieder zu langen Stücken miteinander verbunden.“
Was die B93 räumlich trennt, ist digital längst miteinander verbunden: Die hochdigitalisierte Anlage in der neuen Halle kann vom Schreibtisch im Bürogebäude kontrolliert werden. Sieben Mitarbeiter arbeiten im Einschichtbetrieb in der Produktion, insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 15 Personen.
Herausforderungen und Verantwortung
Die Baukonjunktur entwickelt sich derzeit verhalten. Der Wohnbedarf wäre vorhanden, doch Regulatorien und wirtschaftliche Unsicherheiten bremsen Projekte. Dennoch sehen die Unternehmer große Chancen im nachhaltigen Holzbau – gerade auch für öffentliche Bauvorhaben.
Worauf sie stolz sind? „Dass wir als vierte Generation am Standort festgehalten haben“, sagen Bruno und Anton Ruhdorfer. Regionale Arbeitsplätze, langjährige Mitarbeiter und der Mut zu großen Investitionen prägen die Unternehmensgeschichte.
- 1924 gründet Franz Ruhdorfer neben der existierenden Landwirtschaft ein Sägewerk, das damals vor allem die bäuerliche Umgebung mit Holz versorgte.
- Ab den 1950ern baut Sohn Siegfried Ruhdorfer den Betrieb stetig aus.
- 1986 übernimmt Bruno Ruhdorfer den Betrieb.
- 2014 und 2021 folgen große Investitionen in den Standort.
- Heute beschäftigt das Unternehmen 15 Mitarbeiter.
5.
Der Zwick