Bruno (links) und Anton ­Ruhdorfer: ­Herren über das neu eröffnete Kontruktionsvollholzwerk.
Bruno (links) und Anton ­Ruhdorfer: ­Herren über das neu eröffnete Kontruktionsvollholzwerk. © Peter Just
Bruno Ruhdorfer GmbH

Bei Ruhdorfer wird
Holz zu Ende gedacht

Der Rohstoff Holz spielt bei der Bruno Ruhdorfer GmbH im Gurktal in vielen Variationen eine Rolle – und das seit über 100 Jahren.

26.02.2026 09:22 - Update am: 03.03.2026 15:39 von Johannes Moser
Lesezeit 8 Minuten

Surrende Förder­bänder und präzise Scanner auf der einen, eine stilvolle Nutzung von Holz als Werkstoff beim Büro- und Wohnge­bäude auf der anderen Straßen­seite: Das Unter­nehmen von Bruno und Anton Ruhdorfer in Gundersdorf bei Straßburg ist mehr als ein klassi­sches Sägewerk, es ist ein Lieferant für Holzbau im großen Stil.

Bruno Ruhdorfer, der den Betrieb seit 1986 leitet, erkannte früh die Chancen für das Unter­nehmen. Mit techni­scher Ausbildung an der HTL Kuchl, Berufs­erfahrung außerhalb des Betriebs und fundierten Italie­nisch­kennt­nissen brachte er neue Perspek­tiven ein. Statt ausschließlich auf Produktion zu setzen, entwi­ckelte Ruhdorfer das Unter­nehmen strate­gisch weiter: „Das Holzhan­dels­ge­schäft gewann an Bedeutung, Strecken­ge­schäfte und Zwischen­la­gerung wurden aufgebaut. Schnitt­holz­ex­porte nach Italien entwi­ckelten sich zu einem wichtigen Standbein“, erzählt er. Bis heute ist Italien der bedeu­tendste Markt. „Bei unseren südlichen Nachbarn ist die Nachfrage nach Bauholz seit jeher hoch, die verar­bei­tende Industrie aber nahezu nicht vorhanden“, erklärt Bruno Ruhdorfer die große Bedeutung des Marktes. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden heute über den Holzhandel erzielt.

Mit globalem Blick zurück ins Gurktal

1999 wurde außerdem das Sägewerk des Bistums Gurk in Hirt gemeinsam mit Partnern übernommen, Ruhdorfer ist Mehrheits­ge­sell­schafter. Mit dem Zukauf der Marke „Drauholz“ baute man zudem den Pelletshandel massiv aus. Mit Anton Ruhdorfer ist die vierte Generation aktiv im Betrieb. Nach der Ausbildung zog es ihn zunächst nach Kanada und in die USA, wo er operativ bei Holzbe­trieben und Sägewerken arbeitete. Später studierte er Unter­neh­mens­führung in Wien und sammelte politische Erfahrung, bevor er ins Gurktal zurück­kehrte. Gebracht hat ihm der Blick über den Tellerrand so einiges: „Andere Kulturen und Denkweisen kennen­zu­lernen, war sehr wichtig.“ Die Offenheit für Auslands­märkte und neue Techno­logien prägen das Unter­neh­mens­leitbild.

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Regionale Wertschöpfung

Die Rohware stammt aus einem Umkreis von rund 150 Kilometern. Ruhdorfer versteht sich als rohstoff­naher Versorger der Holzwirt­schaft: „Ein großer nennens­werter Teil des Konstruk­ti­ons­voll­holzes geht an regionale Zimmerer und Holzbauer – das ist auch Ehren­sache“, betont Anton Ruhdorfer stolz. Ehrenvoll ist auch die Energie­aut­arkie des Betriebs: Mit Photo­voltaik und einem eigenen Wasser­kraftwerk wird über das Jahr mehr Strom erzeugt, als verbraucht wird.

Qualität durch modernste Sortier­technik

Ein entschei­dender Meilen­stein folgte 2014 mit dem Bau eines Hobel­werks um rund 2,5 Millionen Euro. „Ziel war es, Schnittholz weiter­zu­ver­ar­beiten, um Zimmerern Produkte wie Latten, Profile und Schalungen anbieten zu können.“ Der nächste große Schritt kam 2021: Rund sechs Millionen Euro inves­tierte das Unter­nehmen in eine der modernsten Konstruk­ti­ons­vollholz-Produk­ti­ons­linien Öster­reichs. Scanner- und Röntgen­tech­no­logie prüfen seither jedes einzelne Stück auf seine Festigkeit und visuelle Qualität. „Holz ist ein leben­diger Werkstoff – kein Stück gleicht dem anderen“, erklärt Anton Ruhdorfer. Neben maschi­neller Sortierung bleibt auch die visuelle Quali­täts­be­ur­teilung entscheidend. „Holzteile, die nicht den Kriterien entsprechen, werden ausge­schnitten und die optimierte Ware wird mittels Fräsen und Keilver­zinkung wieder zu langen Stücken mitein­ander verbunden.“

Was die B93 räumlich trennt, ist digital längst mitein­ander verbunden: Die hochdi­gi­ta­li­sierte Anlage in der neuen Halle kann vom Schreib­tisch im Büroge­bäude kontrol­liert werden. Sieben Mitar­beiter arbeiten im Einschicht­be­trieb in der Produktion, insgesamt beschäftigt das Unter­nehmen rund 15 Personen.

Heraus­for­de­rungen und Verant­wortung

Die Baukon­junktur entwi­ckelt sich derzeit verhalten. Der Wohnbedarf wäre vorhanden, doch Regula­torien und wirtschaft­liche Unsicher­heiten bremsen Projekte. Dennoch sehen die Unter­nehmer große Chancen im nachhal­tigen Holzbau – gerade auch für öffent­liche Bauvor­haben.

Worauf sie stolz sind? „Dass wir als vierte Generation am Standort festge­halten haben“, sagen Bruno und Anton Ruhdorfer. Regionale Arbeits­plätze, langjährige Mitar­beiter und der Mut zu großen Inves­ti­tionen prägen die Unter­neh­mens­ge­schichte.

Bruno Ruhdorfer GmbH
  • 1924 gründet Franz Ruhdorfer neben der existie­renden Landwirt­schaft ein Sägewerk, das damals vor allem die bäuer­liche Umgebung mit Holz versorgte.
  • Ab den 1950ern baut Sohn Siegfried Ruhdorfer den Betrieb stetig aus.
  • 1986 übernimmt Bruno Ruhdorfer den Betrieb.
  • 2014 und 2021 folgen große Inves­ti­tionen in den Standort.
  • Heute beschäftigt das Unter­nehmen 15 Mitar­beiter.
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Dieser Artikel ist in Ausgabe 4/26 erschienen.
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