Knöpfe, Nadeln, Zwirn sowie Nähmaschinen findet man bei Martin Seyer in der Nähcassette.
Knöpfe, Nadeln, Zwirn sowie Nähmaschinen findet man bei Martin Seyer in der Nähcassette. © KK
Nähcassette

Nachhaltig
einge­fädelt

Reparieren, aufwerten und wiederverwenden: Mit seiner „Nähcassette“ in der Postgasse setzt Martin Seyer ein Zeichen gegen Fast Fashion.

06.11.2026 08:27 von Sarah Aichwalder
Lesezeit 5 Minuten

In Zeiten, in denen Fast Fashion boomt und Kleidung oft schon nach kurzer Zeit im Müll landet, setzt Martin Seyer bewusst auf Langle­bigkeit. „Die Leute sollen wieder zur Qualität finden, und Produkte sollen reparierbar sein“, erklärt der Inhaber der Nähcas­sette. In seinem Geschäft in der Klagen­furter Postgasse dreht sich alles ums Nähen – vom Knopf über Nadel und Zwirn bis hin zur Nähma­schine.

Gegründet wurde die Nähcas­sette 1980 von Vater Maximilian Seyer. Das Angebot des Famili­en­be­triebs ist bis heute vielfältig: Neben Nähzu­behör und Acces­soires gehören auch Nähma­schinen sowie deren Wartung und Reparatur zum Sortiment bezie­hungs­weise zu den Dienst­leis­tungen. Seit 2014 betreibt Martin Seyer eine eigene Werkstätte, in der er Nähma­schinen selbst wartet und repariert. Darüber hinaus bietet er Nähtech­nik­schu­lungen sowie Einschu­lungen in die Bedienung der Maschinen an.

© KW/AS (4)

90.000 Knöpfe bieten unzählige Möglich­keiten

Wer den passenden Knopf für sein Lieblings­klei­dungs­stück sucht, hat bei Seyer gute Chancen, fündig zu werden. Mehr als 90.000 Knöpfe lagern in seinem Geschäft – rund 3000 verschiedene Modelle in unter­schied­lichsten Farben, Formen und Materialien. Auch Reißver­schlüsse mit einer Länge von bis zu 100 Metern gehören zum Sortiment.

Zu seinen Kunden zählen neben Schnei­de­reien auch Menschen, die ihrer Kleidung ein zweites Leben schenken möchten. Ob durch Upcycling, kleine Repara­turen oder besondere Knöpfe: Statt Neues zu kaufen, wird Bestehendes aufge­wertet.

Besonders erfreulich findet Seyer, dass Nachhal­tigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Gerade die junge Generation entwi­ckelt wieder ein stärkeres Bewusstsein für unsere Umwelt und merkt, dass Fast Fashion nicht das Ziel ist. Sie achtet darauf, dass die Dinge lange haltbar sind, und wertet vorhandene Kleidung lieber auf, anstatt gleich neue zu kaufen.“ Dass Nähen längst nicht mehr als altmo­di­sches Hobby gilt, spürt Seyer auch in seinem Geschäft.

Das Interesse nehme deutlich zu, erzählt er. Besonders Jugend­liche, aber auch immer mehr Männer würden Nadel und Faden für sich entdecken. Dabei müsse nicht gleich beim ersten Versuch alles perfekt gelingen. Entscheidend sei, einfach anzufangen – die Übung komme mit der Zeit, ist der gelernte Handels­kaufmann überzeugt. „Nähen soll Spaß machen. Und wenn man sein Lieblings­klei­dungs­stück auch nach über zehn Jahren noch hat, hat das einen beson­deren Wert.“

Neben Nadel und Faden hat Seyer noch eine weitere Leiden­schaft: das Meer. Wenn er einmal nicht in seinem Geschäft anzutreffen ist, könnte er gerade in Kroatien unterwegs sein. Denn der gelernte Skipper hat sich auch beruflich ein zweites Standbein geschaffen: Seit 2021 gehört zur „Nähcas­sette“ eine Yacht­char­ter­firma.

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Dieser Artikel ist in Ausgabe 21/26erschienen.
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