Nachhaltig
eingefädelt
Reparieren, aufwerten und wiederverwenden: Mit seiner „Nähcassette“ in der Postgasse setzt Martin Seyer ein Zeichen gegen Fast Fashion.
In Zeiten, in denen Fast Fashion boomt und Kleidung oft schon nach kurzer Zeit im Müll landet, setzt Martin Seyer bewusst auf Langlebigkeit. „Die Leute sollen wieder zur Qualität finden, und Produkte sollen reparierbar sein“, erklärt der Inhaber der Nähcassette. In seinem Geschäft in der Klagenfurter Postgasse dreht sich alles ums Nähen – vom Knopf über Nadel und Zwirn bis hin zur Nähmaschine.
Gegründet wurde die Nähcassette 1980 von Vater Maximilian Seyer. Das Angebot des Familienbetriebs ist bis heute vielfältig: Neben Nähzubehör und Accessoires gehören auch Nähmaschinen sowie deren Wartung und Reparatur zum Sortiment beziehungsweise zu den Dienstleistungen. Seit 2014 betreibt Martin Seyer eine eigene Werkstätte, in der er Nähmaschinen selbst wartet und repariert. Darüber hinaus bietet er Nähtechnikschulungen sowie Einschulungen in die Bedienung der Maschinen an.
90.000 Knöpfe bieten unzählige Möglichkeiten
Wer den passenden Knopf für sein Lieblingskleidungsstück sucht, hat bei Seyer gute Chancen, fündig zu werden. Mehr als 90.000 Knöpfe lagern in seinem Geschäft – rund 3000 verschiedene Modelle in unterschiedlichsten Farben, Formen und Materialien. Auch Reißverschlüsse mit einer Länge von bis zu 100 Metern gehören zum Sortiment.
Zu seinen Kunden zählen neben Schneidereien auch Menschen, die ihrer Kleidung ein zweites Leben schenken möchten. Ob durch Upcycling, kleine Reparaturen oder besondere Knöpfe: Statt Neues zu kaufen, wird Bestehendes aufgewertet.
Besonders erfreulich findet Seyer, dass Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Gerade die junge Generation entwickelt wieder ein stärkeres Bewusstsein für unsere Umwelt und merkt, dass Fast Fashion nicht das Ziel ist. Sie achtet darauf, dass die Dinge lange haltbar sind, und wertet vorhandene Kleidung lieber auf, anstatt gleich neue zu kaufen.“ Dass Nähen längst nicht mehr als altmodisches Hobby gilt, spürt Seyer auch in seinem Geschäft.
Das Interesse nehme deutlich zu, erzählt er. Besonders Jugendliche, aber auch immer mehr Männer würden Nadel und Faden für sich entdecken. Dabei müsse nicht gleich beim ersten Versuch alles perfekt gelingen. Entscheidend sei, einfach anzufangen – die Übung komme mit der Zeit, ist der gelernte Handelskaufmann überzeugt. „Nähen soll Spaß machen. Und wenn man sein Lieblingskleidungsstück auch nach über zehn Jahren noch hat, hat das einen besonderen Wert.“
Neben Nadel und Faden hat Seyer noch eine weitere Leidenschaft: das Meer. Wenn er einmal nicht in seinem Geschäft anzutreffen ist, könnte er gerade in Kroatien unterwegs sein. Denn der gelernte Skipper hat sich auch beruflich ein zweites Standbein geschaffen: Seit 2021 gehört zur „Nähcassette“ eine Yachtcharterfirma.