Wandel
und Wachstum
Seit 175 Jahren setzt sich die Wirtschaftskammer Kärnten für die Interessen der heimischen Betriebe ein. Als starke Stimme der Wirtschaft begleitet sie Unternehmen durch Wandel und Wachstum – damals wie heute.
Gegründet wurde die Wirtschaftskammer auf Basis des Handelskammergesetzes von 1850. Die Geschichte zeigt, dass viele Herausforderungen der Wirtschaft von damals ganz ähnlich jenen von heute sind. Mitte des 19. Jahrhunderts steht die Kärntner Wirtschaft vor einem tiefgreifenden Umbruch. Der Niedergang der Montanindustrie und wirtschaftliche Krisen verändern die wirtschaftlichen Strukturen nachhaltig. Es beginnt eine Phase der Neuorientierung.
Einer der ersten großen Kärntner Unternehmer, Carl Auer von Welsbach, begründet 1898 in Treibach mit den „Treibacher Chemischen Werken“ einen zukunftsweisenden Betrieb. Forschung und Produktion werden miteinander verknüpft und das von ihm entwickelte „Cereisen“ findet weltweit Verbreitung als Zündstein in der Feuerzeugindustrie. 1902 ist die Eisenindustrie jedoch am Ende angelangt. Sie war über Jahrhunderte das Herz der Landeswirtschaft. Neue wirtschaftliche Perspektiven entstehen mit der Holz- und Papierindustrie.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs muss sich die Wirtschaft unter neuen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen neu orientieren.
Die 1920er-Jahre sind von einem Wechselspiel aus mühsamer Konsolidierung und ersten Modernisierungsschüben geprägt. Aufgrund der Weltwirtschaftkrise ab 1929 gerät die Wirtschaft massiv unter Druck. Produktion und Beschäftigung brechen ein und zahlreiche Betriebe stellen ihren Betrieb ein. Ab Mitte der 1930er-Jahre setzt eine leichte Erholung ein, doch fehlen Investitionen und Kaufkraft für eine nachhaltige Stabilisierung.
Krieg und Wiederaufbau
Mit dem Anschluss 1938 wird Kärntens Wirtschaft Teil der deutschen Rüstungswirtschaft. Die Kammer fungiert als Gaukammer und ist dem Deutschen Reich unterstellt. Insbesondere im Handel kommt es zu „Arisierungen“. Der Zweite Weltkrieg bringt massive Zerstörungen. Ab 1944 erreichen Luftangriffe auch Kärnten, Verkehrswege und Industrieanlagen werden gezielt getroffen. 1945 wird das Kammergebäude durch Luftangriffe nahezu vollständig zerstört. Die Arbeit kann nur provisorisch fortgesetzt werden. Produktionen in Kärnten kommen zunehmend zum Stillstand.
Nach dem Kriegsende stehen Wiederaufbau und Versorgung im Mittelpunkt. 1952 wird auch der Neubau des Kammergebäudes in Klagenfurt fertiggestellt und die Aktivitäten können wieder aufgenommen werden. Mit Unterstützung der Marshall-Hilfe erhält die Wirtschaft wichtige Impulse. Schrittweise verbessern sich die Lebensbedingungen und eine wirtschaftliche Stabilisierung setzt ein. Gleichzeitig beginnt die Entwicklung Kärntens zu einem Industrieland und einer Industriegesellschaft – eine entscheidende Grundlage für den späteren Aufschwung.
Wirtschaftskammer Gebäude über die Jahre
Neue Perspektiven
Ab Mitte der 1950er-Jahre setzt ein kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung ein. Kärnten partizipiert am österreichischen „Wirtschaftwunder“: Produktion und Einkommen steigen, der Lebensstandard verbessert sich deutlich. Für viele Menschen werden Konsumgüter wie Auto, Fernseher oder Urlaubsreisen erstmals leistbar. Gleichzeitig entwickelt sich der Tourismus zu einer wichtigen Säule der Wirtschaft. Mit der Erdölkrise 1973 endet die Phase des anhaltenden Wachstums.
Nach der Krise setzt ein tiefgreifender struktureller Wandel ein. Die Wirtschaft entwickelt sich von der klassischen Schwerindustrie hin zu spezialisierter Produktion, Technologie und Dienstleistungen. Industrie, Gewerbe und Handel passen sich neuen Rahmenbedingungen an. Im Tourismus führen Investitionen zu Qualitätssteigerungen und Ganzjahresangeboten. Die Wirtschaft wird effizienter, zugleich aber stärker von internationalen Entwicklungen abhängig.
Mit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 wird Kärnten Teil des europäischen Binnenmarktes. Es entstehen neue Märkte und der Wettbewerbsdruck steigt. Digitalisierung, Innovation und Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschung prägen die Entwicklung. Initiativen wie „Silicon Alps“ sowie Großprojekte wie die Koralmbahn stärken den Standort und eröffnen neue wirtschaftliche Perspektiven.
175 Jahre und 18 Präsidenten später ist die Wirtschaftskammer weiterhin ein verlässlicher Ansprechpartner für Unternehmen. Sie begleitet sie im wirtschaftlichen Alltag, hilft bei rechtlichen Fragen und unterstützt bei wichtigen Entscheidungen. Die Wirtschaftskammer Kärnten stellt ein umfassendes Serviceangebot bereit und bietet Unternehmen ein flächendeckendes Netzwerk mit persönlicher Beratung und digitalen Services.