„Tschechische Wirtschaft entwickelt sich dynamisch“
Im Interview spricht Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Prag, Klaus Hofstadler, über die tschechische Wirtschaft und die Marktchancen Kärntens.
Wie würden Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Tschechien beschreiben?
Tschechien hat die schwierigen Jahre mit hoher Inflation und einer schwachen Industriekonjunktur deutlich besser überwunden als viele andere Länder in der Region. Das ist vor allem dem privaten Konsum und steigenden Reallöhnen und verstärkter Investitionstätigkeit zu verdanken. Herausforderungen bestehen weiterhin in der engen Verflechtung mit der deutschen Industrie sowie in den geopolitischen Unsicherheiten und steigenden Energie- und Sicherheitskosten. Zugleich zeichnet sich eine gewisse Entkopplung von der deutschen Konjunkturentwicklung ab: Während Deutschlands Automobilindustrie stagniert, liefert die tschechische Automobilindustrie – die drittgrößte größte Europas – neue Produktions- und Umsatzrekorde. Mit einer Arbeitslosenquote von rund drei Prozent bleibt Tschechien außerdem einer der stabilsten Arbeitsmärkte Europas und präsentiert sich als wirtschaftlich robuster als die meisten EU-Mitgliedsstaaten.
Welche Bereiche entwickeln sich besonders dynamisch?
Die Bereiche Digitalisierung, IT- und Softwarelösungen, Elektromobilität, Energietechnologien, Halbleitertechnologien sowie ausgewählte Segmente der Bau- und Infrastrukturwirtschaft. Auch der in Tschechien so stark entwickelte Online-Handel und moderne Dienstleistungen wachsen überdurchschnittlich. Die tschechische Regierung und die EU fördern umfangreiche Investitionen in Energieversorgung, Mobilität, Digitalisierung und technologische Souveränität. Rund um Brünn und andere Technologiestandorte entstehen zunehmend Cluster für Mikroelektronik, Forschung und Entwicklung sowie Hightech-Produktion. Namhafte internationale Unternehmen wie Microsoft, IBM und Honeywell betreiben dort außerdem strategische Entwicklungszentren.
Wo sehen Sie das größte Marktpotenzial?
Das größte Marktpotenzial sehe ich bei Energie- und Mobilitätslösungen, in der industriellen Automatisierung sowie bei der Digitalisierung von Produktions- und Verwaltungsprozessen. Tschechische Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern, Energiekosten zu senken und den Fachkräftemangel zu kompensieren. Darüber hinaus eröffnet die verstärkte Ausrichtung auf Verteidigungs- und Sicherheitsinvestitionen neue Geschäftschancen. Konkretes Potenzial entsteht zudem durch die Modernisierung der Energie- und Netzinfrastruktur sowie durch Investitionen in Schienen- und Hochgeschwindigkeitsstrecken.
Welche konkreten Chancen ergeben sich daraus für österreichische und insbesondere Kärntner Unternehmen?
Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit die Bereiche Digitalisierung, IT- und Softwarelösungen, Elektromobilität, Energietechnologien, Halbleitertechnologien sowie ausgewählte Segmente der Bau- und Infrastrukturwirtschaft. Auch der in Tschechien so stark entwickelte Online-Handel und moderne Dienstleistungen wachsen überdurchschnittlich. Die tschechische Regierung und die EU fördern umfangreiche Investitionen in Energieversorgung, Mobilität, Digitalisierung und technologische Souveränität. Rund um Brünn und andere Technologiestandorte entstehen zunehmend Cluster für Mikroelektronik, Forschung und Entwicklung sowie Hightech-Produktion. Namhafte internationale Unternehmen wie Microsoft, IBM und Honeywell betreiben dort außerdem strategische Entwicklungszentren.
Welche Chancen ergeben sich abseits der Industrie?
Mit dem steigenden Wohlstand in Tschechien steigt auch die Nachfrage nach hochwertigen Produkten im Premium-Konsumbereich und Dienstleistungen im Tourismus- und Freizeitsektor, aber auch im Bildungs- und Weiterbildungsbereich. Gerade österreichische Anbieter können hier mit Qualität, Innovation und Erfahrung punkten. Zusätzliche Chancen bieten digitale Geschäftsmodelle: Tschechien zählt mit erfolgreichen Plattformen und Anbietern wie Rohlik, Notino und Alza zu den Vorreitern im E‑Commerce.
Welchen Rat geben Sie Kärntner Unternehmen, die über einen Markteintritt in Tschechien nachdenken?
Der tschechische Markt ist geografisch nahe, funktioniert aber dennoch nach eigenen Regeln. Um sich nachhaltig und erfolgreich etablieren zu können, ist es wichtig, sich mit den lokalen Besonderheiten vertraut zu machen, regelmäßig vor Ort präsent zu sein und lokale Partner sorgfältig auszuwählen. Aber Kärtner Unternehmen sind bei dieser Aufgabe nicht allein. Meine engagierten und kompetenten Kolleginnen und Kollegen in Prag und Brünn unterstützen Sie gerne. Daher mein zentraler Rat: Melden Sie sich bei uns, wenn Sie Interesse am tschechischen Markt haben.
Heißer Herbst für die Kärntner Wirtschaft
Michael Dobersberger