Heißer Herbst für
die Kärntner Wirtschaft
Wachstum ist das Lebenselixier der Wirtschaft. Doch seit zwei Jahren kämpfen die heimischen Betriebe gegen Stagnation und Rezession.
Die Gründe für die mittlerweile längste Wirtschaftsflaute der Zweiten Republik liegen zum Teil in einem Abflachen der weltweiten Konjunktur, in Europa verschärft durch den russischen Einmarsch in die Ukraine: Außer Kontrolle geratene Strompreise sowie teure LNG-Importe belasten den Standort Europa bis heute. Dazu kommt in Österreich die weit überdurchschnittliche Inflation, die hohe Lohnzuwächse und damit einen spürbaren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit verursacht hat. Die heimische Industrie leidet nicht nur unter dramatisch gestiegenen Lohnstückkosten, sondern auch unter den Zoll-Eskapaden des wichtigen Exportmarktes USA.
Anlass zum vorsichtigem Optimismus
„Wie in der Vergangenheit ist auch diesmal zu befürchten, dass die Krise den Wirtschaftsstandort Kärnten stärker trifft und länger andauert“, mahnt Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl. So hat die Bank Austria vor einigen Wochen eine Statistik publiziert, wonach Kärnten im vergangenen Jahr 2,4 Prozent an Wirtschaftsleistung verloren hat und an vorletzter Stelle im Bundesländervergleich lag; heuer droht mit einem Minus von 1,1 Prozent die Schlusslichtposition. Mandl: „Was wir vorschlagen, ist ein Kraftakt, um unseren Lebens- und Wirtschaftsstandort wieder in Fahrt zu bringen. Aktuelle Wirtschaftsdaten geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, aber ganz sicher keinen Grund zum Aufatmen. Deshalb brauchen die Unternehmen jetzt Wachstumsimpulse. Wie das geht, ist keine Raketenwissenschaft.“
Impulsmotor schnellstens starten
Schon vor dem Sommer hat Mandl daher vorgeschlagen, den „Impulsmotor“ für die Kärntner Wirtschaft zu starten. Die Strategie besteht aus:
- Anreizen für betriebliche Investitionen, etwa durch zeitlich befristete Freibeträge oder verlorene Zuschüsse. Mandl erinnert dabei an die erfolgreiche Kärntner Investitionszuwachsprämie aus dem Jahr 2016: „Mit 3,5 Millionen Euro Sonderinvestitionsprämie des damaligen Wirtschaftsministers Mitterlehner konnten wir Investitionen von 40 Millionen Euro auslösen. So etwas braucht die Kärntner Wirtschaft, die Area Süd jetzt, um wieder Tempo aufzunehmen!“
- mehr öffentlichen Investitionen in den Bau: Es gibt ohnehin genügend kaputte Straßeninfrastruktur, die saniert werden muss; in den Städten wie Klagenfurt fehlt bezahlbarer Wohnraum, auch für Studierende, weil mittlerweile die Wohnungsnot sogar die Hörerzahlen der Klagenfurter Universität negativ beeinflusst. Mandl: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein Sonderwohnbauprogramm, damit der Bausektor als klassischer Wirtschaftsmotor wieder anspringt!“
- der engagierten Umsetzung des Deregulierungspakets. Schon Mitte Juni hatte Mandl Politik, Wirtschaftsombudsstelle und die zuständigen Landes- und Bezirksbehörden zum ersten Kärntner Deregulierungsgipfel eingeladen. Im Zentrum standen die Vereinfachung von Verwaltungsverfahren, der verstärkte Einsatz digitaler Lösungen zur Effizienzsteigerung sowie eine noch ausgeprägtere Service-Orientierung. Mandl: „Unter Wirtschaftstreibenden ist die Bürokratie einer der Dauerbrenner, wenn es um die größten Hürden für eine positive Unternehmensentwicklung geht. Die Wirtschaft zeigt unter dem Motto ‚Schluss mit Schikanen‘ seit mehr als zehn Jahren die wachsenden Reformnotwendigkeiten in der Verwaltung auf!“
Mit diesen Forderungen steht der Wirtschaft, aber auch der Politik ein heißer Herbst bevor. Mandl: „Wir können nicht darauf warten, bis die SPÖ ihren Generationenwechsel abgeschlossen hat. Jetzt muss es uns allen gemeinsam darum gehen, die leise Aufhellung der Konjunktur zum kräftigen Durchstarten zu nutzen. Die Wirtschaft steht bereit, Politik und Verwaltung sind gefordert, stark mitzuziehen!“