Um der Wirtschaft dringend nötiges Wachstum zu ermöglichen, verfolgt die Wirtschaftskammer Kärnten in Kooperation mit dem Land eine ambitionierte Strategie.
Um der Wirtschaft dringend nötiges Wachstum zu ermöglichen, verfolgt die Wirtschaftskammer Kärnten in Kooperation mit dem Land eine ambitionierte Strategie. © Adobe Stock/lovelyday12
Heißer Herbst

Heißer Herbst für
die Kärntner Wirtschaft

Wachstum ist das Lebenselixier der Wirtschaft. Doch seit zwei Jahren kämpfen die heimischen Betriebe gegen Stagnation und Rezession.

11.09.2025 09:31 - Update am: 11.09.2025 09:50 von Ines Tebenszky
Lesezeit 4 Minuten

Die Gründe für die mittler­weile längste Wirtschafts­flaute der Zweiten Republik liegen zum Teil in einem Abflachen der weltweiten Konjunktur, in Europa verschärft durch den russi­schen Einmarsch in die Ukraine: Außer Kontrolle geratene Strom­preise sowie teure LNG-Importe belasten den Standort Europa bis heute. Dazu kommt in Öster­reich die weit überdurch­schnitt­liche Inflation, die hohe Lohnzu­wächse und damit einen spürbaren Verlust an Wettbe­werbs­fä­higkeit verur­sacht hat. Die heimische Industrie leidet nicht nur unter drama­tisch gestie­genen Lohnstück­kosten, sondern auch unter den Zoll-Eskapaden des wichtigen Export­marktes USA.

Anlass zum vorsich­tigem Optimismus

„Wie in der Vergan­genheit ist auch diesmal zu befürchten, dass die Krise den Wirtschafts­standort Kärnten stärker trifft und länger andauert“, mahnt Wirtschafts­kam­mer­prä­sident Jürgen Mandl. So hat die Bank Austria vor einigen Wochen eine Statistik publi­ziert, wonach Kärnten im vergan­genen Jahr 2,4 Prozent an Wirtschafts­leistung verloren hat und an vorletzter Stelle im Bundes­län­der­ver­gleich lag; heuer droht mit einem Minus von 1,1 Prozent die Schluss­licht­po­sition. Mandl: „Was wir vorschlagen, ist ein Kraftakt, um unseren Lebens- und Wirtschafts­standort wieder in Fahrt zu bringen. Aktuelle Wirtschafts­daten geben Anlass zu vorsich­tigem Optimismus, aber ganz sicher keinen Grund zum Aufatmen. Deshalb brauchen die Unter­nehmen jetzt Wachstums­impulse. Wie das geht, ist keine Raketen­wis­sen­schaft.“

Impuls­motor schnellstens starten

Schon vor dem Sommer hat Mandl daher vorge­schlagen, den „Impuls­motor“ für die Kärntner Wirtschaft zu starten. Die Strategie besteht aus:

  • Anreizen für betrieb­liche Inves­titionen, etwa durch zeitlich befristete Freibe­träge oder verlorene Zuschüsse. Mandl ­erinnert dabei an die erfolg­reiche Kärntner Inves­ti­ti­ons­zu­wachs­prämie aus dem Jahr 2016: „Mit 3,5 Millionen Euro Sonder­in­ves­ti­ti­ons­prämie des damaligen Wirtschafts­mi­nisters Mitter­lehner konnten wir Inves­ti­tionen von 40 Millionen Euro auslösen. So etwas braucht die Kärntner Wirtschaft, die Area Süd jetzt, um wieder Tempo aufzu­nehmen!“
  • mehr öffent­lichen Inves­ti­tionen in den Bau: Es gibt ohnehin genügend kaputte Straßen­in­fra­struktur, die saniert werden muss; in den Städten wie Klagenfurt fehlt bezahl­barer Wohnraum, auch für Studie­rende, weil mittler­weile die Wohnungsnot sogar die Hörer­zahlen der Klagen­furter Univer­sität negativ beein­flusst. Mandl: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für ein Sonder­wohn­bau­pro­gramm, damit der Bausektor als klassi­scher Wirtschafts­motor wieder anspringt!“
  • der engagierten Umsetzung des Deregu­lie­rungs­pakets. Schon Mitte Juni hatte Mandl Politik, Wirtschafts­om­buds­stelle und die zustän­digen Landes- und Bezirks­be­hörden zum ersten Kärntner Deregu­lie­rungs­gipfel einge­laden. Im Zentrum standen die Verein­fa­chung von Verwal­tungs­ver­fahren, der verstärkte Einsatz digitaler Lösungen zur Effizi­enz­stei­gerung sowie eine noch ausge­prägtere Service-Orien­tierung. Mandl: „Unter Wirtschafts­trei­benden ist die Bürokratie einer der Dauer­brenner, wenn es um die größten Hürden für eine positive Unter­neh­mens­ent­wicklung geht. Die Wirtschaft zeigt unter dem Motto ‚Schluss mit Schikanen‘ seit mehr als zehn Jahren die wachsenden Reform­not­wen­dig­keiten in der Verwaltung auf!“

Mit diesen Forde­rungen steht der Wirtschaft, aber auch der Politik ein heißer Herbst bevor. Mandl: „Wir können nicht darauf warten, bis die SPÖ ihren Genera­tio­nen­wechsel abgeschlossen hat. Jetzt muss es uns allen gemeinsam darum gehen, die leise Aufhellung der Konjunktur zum kräftigen Durch­starten zu nutzen. Die Wirtschaft steht bereit, Politik und Verwaltung sind gefordert, stark mitzu­ziehen!“

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Dieser Artikel ist in Ausgabe 17/25 erschienen.