Marisa Mühlböck sprach beim Unternehmerinnenkongress über das unternehmerische Glück.
Marisa Mühlböck sprach beim Unternehmerinnenkongress über das unternehmerische Glück. © Marta Gillner Photography
Unternehmerinnenkongress

Glück
ist erlernbar

Was macht Unternehmerinnen glücklich? Marisa Mühlböck erklärt, weiß alte Erfolgsnarrative in die Irre führen und wie Glück bewusst gefördert werden kann. Ein Plädoyer für mehr Selbstreflexion, Sinn und Offenheit.

22.05.2025 10:33 von Corina Thalhammer
Lesezeit 6 Minuten

Was ist Glück eigentlich? Was fördert und was behindert es?

„Glück ist etwas Wünschens­wertes aber schwer fass- und greifbar“, so Forscherin Marisa Mühlböck in ihrem Vortrag beim Unter­neh­me­rin­nen­kon­gress. Die Wissen­schaft ist sich einig: Glück muss immer im jewei­ligen Kontext betrachtet werden. Doch gerade, was Glück im unter­neh­me­ri­schen Umfeld bedeutet, sei bisher kaum erforscht – ein Umstand, dem sich Mühlböck mit ihrer Arbeit widmet.

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Selbst­ent­faltung als wichtiger Faktor

Unter­neh­me­rinnen und Unter­nehmer wurden in einer Studie zu ihren indivi­du­ellen Glücks­fak­toren befragt. 55 Prozent gaben an, dass ihnen das Wachstum ihres Unter­nehmens wichtig sei – und sie dieses Ziel auch glücklich mache. Noch deutlicher wurde der Wunsch nach Selbst­ent­faltung: 92 Prozent der Befragten erklärten, dass es sie erfüllt, sich durch ihre Arbeit persönlich weiter­zu­ent­wi­ckeln.

Egal, wo Sie heute stehen – Sie stehen genau richtig. Und wenn Sie Lust haben, von dort wegzu­gehen: Dann machen Sie einfach den ersten Schritt.Zitat Ende

Marisa Mühlböck

Forscherin

Trotzdem steht in der öffent­lichen Wahrnehmung oft das erste Bild des Wachstums im Vorder­grund. Die mediale Erzählung sei mächtig, so Mühlböck. Sie trans­por­tiere ein Narrativ, das auf „bigger – faster – stronger“ ausge­richtet ist. Viele Menschen übernehmen dieses Idealbild – und glauben, darin den Schlüssel zum Glück zu finden. Doch Geld allein mache nur bis zu einem bestimmten Punkt glücklich. Solche Glaubens­sätze könnten auf falsche Fährten führen und das Trennende verstärken.

Das, was wir glauben, ändern

Wie weitrei­chend diese Denkweise sei, zeigt eine Umfrage der Harvard Business Review: Mehr als die Hälfte der befragten Top-Manager fühle sich einsam – mit erheb­lichen Folgen für die mentale Gesundheit. Einsamkeit kann zu Burnout oder chroni­schem Stress führen. Deshalb, so Mühlböck, müsse man an der Wurzel ansetzen: bei den Überzeu­gungen, die unser Denken und Handeln prägen. Man müsse den Nährboden für negative Erfah­rungen ändern – also, das, was wir glauben, ändern.

Gehirn arbeitet auf drei Ebenen

Dabei spiele das mensch­liche Gehirn eine zentrale Rolle. Es arbeitet auf drei Ebenen: subjektive Wahrnehmung, Perspektive und Handeln. Diese drei Ebenen beein­flussen sich wechsel­seitig – und werden wiederum durch äußere Narrative und innere Glaubens­sätze mitge­staltet. „Diese Geschichten müssen wir regel­mäßig hinter­fragen – und neu schreiben“, betont Mühlböck. Denn: Für jede Person ist Glück indivi­duell zusam­men­ge­setzt. Diese Vielfalt sei eine Stärke – und ein Plädoyer für Offenheit, Toleranz und Selbst­mit­gefühl. „Man darf niemanden in eine Schublade stecken – auch sich selbst nicht“, rät Mühlböck.

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Glück kann gefördert werden

Doch wie kann Glück konkret gefördert werden? Mühlböck nennt sechs Zutaten für den unter­neh­me­ri­schen Glücks­cocktail:

  1. Selbst­ver­wirk­li­chung und persön­liches Wachstum
  2. Sinnerfüllung
  3. Autonomie
  4. Exzellenz & Meister­schaft
  5. Selbst­ak­zeptanz
  6. Bezie­hungen

Diese Aspekte lassen sich als Tore zum Glück begreifen. Das Gute daran: „Glück ist erlernbar.“ Faktoren wie Macht, Status, Alter oder Intel­ligenz spielen eine eher unter­ge­ordnete Rolle. Vielmehr gilt: Glück wirkt auch nach außen – denn wer glücklich ist, handelt häufiger zum Wohle anderer.

Kleiner „Glücks-Hack“

Und manchmal genügen schon kleine Impulse: Ein „Glücks-Hack“, den Mühlböck empfiehlt, ist es, einfach die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Denn selbst ein bewusst erzeugtes Lächeln kann dem Gehirn das Gefühl von Zufrie­denheit vermitteln.

Zur Person

Marisa Mühlböck ist Forscherin für Corporate Sustaina­bility, Unter­neh­mertum und Glück. Ihr neuestes Buch „Sustainable Trans­for­mation & Well-being“ erschien im März 2025 und zeigt Denkrich­tungen, Konzepte und Impulse aus unter­schied­lichen Anwen­dungs­feldern auf und erzählt die persön­lichen Geschichten echter Unter­neh­mer­per­sön­lich­keiten.

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