Glück
ist erlernbar
Was macht Unternehmerinnen glücklich? Marisa Mühlböck erklärt, weiß alte Erfolgsnarrative in die Irre führen und wie Glück bewusst gefördert werden kann. Ein Plädoyer für mehr Selbstreflexion, Sinn und Offenheit.
Was ist Glück eigentlich? Was fördert und was behindert es?
„Glück ist etwas Wünschenswertes aber schwer fass- und greifbar“, so Forscherin Marisa Mühlböck in ihrem Vortrag beim Unternehmerinnenkongress. Die Wissenschaft ist sich einig: Glück muss immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden. Doch gerade, was Glück im unternehmerischen Umfeld bedeutet, sei bisher kaum erforscht – ein Umstand, dem sich Mühlböck mit ihrer Arbeit widmet.
Selbstentfaltung als wichtiger Faktor
Unternehmerinnen und Unternehmer wurden in einer Studie zu ihren individuellen Glücksfaktoren befragt. 55 Prozent gaben an, dass ihnen das Wachstum ihres Unternehmens wichtig sei – und sie dieses Ziel auch glücklich mache. Noch deutlicher wurde der Wunsch nach Selbstentfaltung: 92 Prozent der Befragten erklärten, dass es sie erfüllt, sich durch ihre Arbeit persönlich weiterzuentwickeln.
Egal, wo Sie heute stehen – Sie stehen genau richtig. Und wenn Sie Lust haben, von dort wegzugehen: Dann machen Sie einfach den ersten Schritt.
Marisa Mühlböck
ForscherinTrotzdem steht in der öffentlichen Wahrnehmung oft das erste Bild des Wachstums im Vordergrund. Die mediale Erzählung sei mächtig, so Mühlböck. Sie transportiere ein Narrativ, das auf „bigger – faster – stronger“ ausgerichtet ist. Viele Menschen übernehmen dieses Idealbild – und glauben, darin den Schlüssel zum Glück zu finden. Doch Geld allein mache nur bis zu einem bestimmten Punkt glücklich. Solche Glaubenssätze könnten auf falsche Fährten führen und das Trennende verstärken.
Das, was wir glauben, ändern
Wie weitreichend diese Denkweise sei, zeigt eine Umfrage der Harvard Business Review: Mehr als die Hälfte der befragten Top-Manager fühle sich einsam – mit erheblichen Folgen für die mentale Gesundheit. Einsamkeit kann zu Burnout oder chronischem Stress führen. Deshalb, so Mühlböck, müsse man an der Wurzel ansetzen: bei den Überzeugungen, die unser Denken und Handeln prägen. Man müsse den Nährboden für negative Erfahrungen ändern – also, das, was wir glauben, ändern.
Gehirn arbeitet auf drei Ebenen
Dabei spiele das menschliche Gehirn eine zentrale Rolle. Es arbeitet auf drei Ebenen: subjektive Wahrnehmung, Perspektive und Handeln. Diese drei Ebenen beeinflussen sich wechselseitig – und werden wiederum durch äußere Narrative und innere Glaubenssätze mitgestaltet. „Diese Geschichten müssen wir regelmäßig hinterfragen – und neu schreiben“, betont Mühlböck. Denn: Für jede Person ist Glück individuell zusammengesetzt. Diese Vielfalt sei eine Stärke – und ein Plädoyer für Offenheit, Toleranz und Selbstmitgefühl. „Man darf niemanden in eine Schublade stecken – auch sich selbst nicht“, rät Mühlböck.
Glück kann gefördert werden
Doch wie kann Glück konkret gefördert werden? Mühlböck nennt sechs Zutaten für den unternehmerischen Glückscocktail:
- Selbstverwirklichung und persönliches Wachstum
- Sinnerfüllung
- Autonomie
- Exzellenz & Meisterschaft
- Selbstakzeptanz
- Beziehungen
Diese Aspekte lassen sich als Tore zum Glück begreifen. Das Gute daran: „Glück ist erlernbar.“ Faktoren wie Macht, Status, Alter oder Intelligenz spielen eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr gilt: Glück wirkt auch nach außen – denn wer glücklich ist, handelt häufiger zum Wohle anderer.
Kleiner „Glücks-Hack“
Und manchmal genügen schon kleine Impulse: Ein „Glücks-Hack“, den Mühlböck empfiehlt, ist es, einfach die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Denn selbst ein bewusst erzeugtes Lächeln kann dem Gehirn das Gefühl von Zufriedenheit vermitteln.
Marisa Mühlböck ist Forscherin für Corporate Sustainability, Unternehmertum und Glück. Ihr neuestes Buch „Sustainable Transformation & Well-being“ erschien im März 2025 und zeigt Denkrichtungen, Konzepte und Impulse aus unterschiedlichen Anwendungsfeldern auf und erzählt die persönlichen Geschichten echter Unternehmerpersönlichkeiten.
Wo das Glück zu finden ist