Bernd Hufnagl, Neurobiologe, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Arbeitswelt auf das menschliche Gehirn.
Bernd Hufnagl, Neurobiologe, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Arbeitswelt auf das menschliche Gehirn. © Klaus Pichler
Bernd Hufnagl

„Das ‚Narren­kastl‘ schafft Raum für Inspi­ration“

„Das Bedürfnis nach Erholung ist so individuell wie die Menschen selbst“, weiß Bernd Hufnagl. Der Neurobiologe widmet sich seit vielen Jahren in seiner Forschung unserem Gehirn und seiner Funktionsweise. Neben der Erholung ist Langeweile ein Schlüssel für neue Ideen.

15.07.2026 07:24 von Johannes Moser
Lesezeit 2 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Welche Rolle spielen Erholungs­phasen für Kreati­vität und neue Ideen?

Bernd Hufnagl: Grund­sätzlich ist Erholung etwas sehr Indivi­du­elles. Während manche Menschen im Liege­stuhl regene­rieren, erholen sich andere beim Sport oder beim Sammeln neuer Eindrücke auf Reisen. Was aber für alle gilt, ist die Tatsache, dass es im Gehirn ein Netzwerk gibt, das erst dann aktiviert wird, wenn gerade nichts akut Neues auf uns einprasselt. Darum sind Phasen der Lange­weile, die immer seltener werden, so wichtig. Plötzlich verbinden sich Gedanke A, den man schon vor langer Zeit hatte, und Gedanke B zu etwas Neuem. Auch Träume oder scheinbar absurde Einfälle sind ein Pool für Inspi­ration.

Wie gelingt es, diese Inspi­ration in den beruf­lichen Alltag mitzu­nehmen?

Dafür braucht es ein Verän­de­rungs­motiv, man kann sagen, der Leidens­druck muss hoch genug sein, um etwas zu ändern. Menschen verändern ihr Verhalten selten allein deshalb, weil sie etwas Inter­es­santes erlebt haben. Oft braucht es Betrof­fenheit und einen persön­lichen Bezug. Wir kennen das aus dem Gesund­heits­be­reich: Viele Menschen ändern ihren Lebensstil erst, wenn eine Diagnose vorliegt. Ähnlich ist es auch im Berufs­leben.

Ruhephasen und Erholung sind also wichtig, um effizient zu sein?

Ja, enorm. Viele Menschen glauben, Produk­ti­vität entstehe ausschließlich durch Aktivität. Tatsächlich braucht das Gehirn regel­mäßig Phasen ohne konkrete Aufgabe. Ich empfehle, zwei Mal täglich für fünf Minuten bewusst „ins Narren­kastl zu schauen“. In diesen Momenten wird ein Netzwerk im Gehirn aktiviert, das für Reflexion, Kreati­vität und Problem­lösung verant­wortlich ist. Auch das bewusste Weglegen des Smart­phones – Stichwort Digital Detox – ist in diesem Zusam­menhang eminent wichtig.

Was bringt das konkret?

Es ist erwiesen, dass Menschen, die nicht gestresst sind, effizi­enter arbeiten, weniger Fehler machen und bessere Entschei­dungen treffen. Vor allem aber gewinnen sie Gelas­senheit und Souve­rä­nität. Diese kurzen Auszeiten sind keine verlorene Zeit, sondern ein wichtiger Bestandteil geistiger Leistungs­fä­higkeit. Fragt man Unter­nehmer und Führungs­kräfte, welche Eigen­schaften sie an Vorbildern am meisten schätzen, so fällt meistens der Begriff Gelas­senheit.

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