Steffi Burkhart kennt die Stärken und Schwächen der verschiedenen Generationen.
Steffi Burkhart kennt die Stärken und Schwächen der verschiedenen Generationen. © Anita Arneitz
Steffi Burkhart

„Wir müs­sen weg vom Ent­we­der-oder-Mind­set“

Worauf sich Betriebe einstellen müssen, verrät Steffi Burkhart, Expertin für die junge Generation.

10.07.2024 07:30 von Anita Arneitz
Lesezeit 5 Minuten

In zehn Jah­ren wird die Arbeits­welt von der Gene­ra­ti­on Y (1980 – 1995), Z (1995 – 2010) und Alpha (2010 – 2025) domi­niert. Wel­che Ver­än­de­run­gen sich dadurch bereits jetzt erge­ben, erklärt Stef­fi Burk­hart im Inter­view.

„Kärnt­ner Wirt­schaft“: In wel­che Berei­che müs­sen ­Unter­neh­men inves­tie­ren, um attrak­tiv für die jun­gen Mit­ar­bei­ter zu sein?

Stef­fi Burk­hart: In der jet­zi­gen Zeit ist es wich­tig, sowohl in den Fak­tor Mensch als auch in die tech­no­lo­gi­sche Inno­va­ti­on zu inves­tie­ren. KI wird zu einer Grund­tech­no­lo­gie und das ist eine Chan­ce. Viel­leicht muss künf­tig nie­mand mehr 40 Stun­den arbei­ten? Wir ste­cken in einer tief­grei­fen­den Ver­än­de­rung. Wer auf die­se bei­den The­men­fel­der ein­zahlt, wird auch in Zukunft erfolg­reich sein. Wich­tig ist aber, dabei die jun­gen Gene­ra­tio­nen auf der Inhalts­ebene ein­zu­bin­den.

Ver­schie­de­ne Arbeits­or­te, Vier-Tage-Woche: Vie­les scheint für einen Hand­werks­be­trieb schwer ­umsetz­bar …

Home­of­fice ist in einer Tisch­le­rei viel­leicht nicht mög­lich, aber sehr wohl moder­ne Hand­werks­ge­rä­te, kom­for­ta­ble Pau­sen­räu­me und ein ange­neh­mes Arbeits­kli­ma. Eine Vier-Tage-Woche ist für vie­le attrak­tiv, aber es gibt auch vie­le Men­schen, die wol­len eine Fünf-Tage-Woche. Des­halb müs­sen wir uns von dem Ent­we­der-oder-Mind­set lösen, um zu neu­en Lösun­gen zu kom­men. Wir brau­chen das Sowohl-als-auch. Betrie­be kön­nen durch­aus in Zei­ten der Ver­ein­sa­mung zu Begeg­nungs­stät­ten wer­den und mit Com­mu­ni­ty­fak­to­ren punk­ten.

Das klas­si­sche Bewer­bungs­ge­spräch ist out?

Zumin­dest, wenn ich jun­ge Men­schen für mei­nen Betrieb begeis­tern will. Wir leben in einer Expe­ri­ence Eco­no­my, alles muss ein Erleb­nis sein. Bei Kun­den geht es nicht mehr um die rei­ne Dienstleis­tung, son­dern um ein Dienstleis­tungspaket, das posi­ti­ve Emo­ti­on schafft. Bei Bewer­bern geht es um die Kan­di­da­ten­rei­se, die ein Wow aus­löst.

Wir brau­chen neue Job­pro­fi­le und posi­ti­ve Emo­tio­nen – bereits bei der Bewer­bung.Zitat Ende

Stef­fi Burk­hart

Autorin und Vor­tra­gen­de

Das bedeu­tet?

Das Bewer­bungs­ge­spräch soll­te als Expe­ri­ence gestal­tet sein. Die Kon­kur­renz schläft nicht. Es ist ein Kampf um Talen­te. Tun Sie Gutes und reden Sie dar­über. Sei­en Sie pro­ak­tiv auf Social Media. Betrie­be müs­sen sich außer­dem beim Onboar­ding ins Zeug legen, damit die jun­gen Men­schen über­haupt zum ers­ten Arbeits­tag kom­men. Wir erle­ben eine hohe Wech­sel­be­reit­schaft. Eine neue Tren­nungs­kul­tur ist gefragt.

Was gehört noch dazu?

Frü­her war es erstre­bens­wert, eine Leh­re als Bank­kauf­mann zu machen. Aber allein das Wort ist für jun­ge Men­schen unat­trak­tiv. Über­le­gen Sie sich moder­ne Stel­len­be­zeich­nun­gen, ent­wi­ckeln Sie neue Job­pro­fi­le. So wird im Auto­haus ein Ver­käu­fer auf der Flä­che zum Pro­dukt­ex­per­ten, der Kun­den berät. Damit kön­nen sich die Men­schen viel bes­ser iden­ti­fi­zie­ren als mit anti­quier­ten Berufs­be­zeich­nun­gen.

Abtei­lungs­lei­tung war ­ges­tern, Funk­tio­nen ändern sich?

Wir müs­sen zwi­schen Manage­ment, Lea­der­ship und Fach­ex­per­ti­se unter­schei­den. Es gibt Men­schen mit Fach­ex­per­ti­se, die aber kein Team füh­ren möch­ten. Daher über­le­gen Sie: Wie ticken Sie selbst? Wo ist Ihre Lei­den­schaft? Mit­ar­bei­ter zu füh­ren, kann auch ermü­dend sein, dann ist man viel­leicht nicht für Lea­der­ship geeig­net. Gera­de in klei­nen Teams ist es wich­tig, dar­auf zu ach­ten.

Wel­che Schwä­chen haben jun­ge Gene­ra­tio­nen?

Eine ist die Men­tal Health Cri­sis. Vie­le jun­ge Men­schen haben Angst­zu­stän­de, Durch­schlaf­pro­ble­me, Depres­sio­nen und erle­ben inne­re Unzu­frie­den­heit. Die men­ta­le Resi­li­enz ist damit nicht so gut auf­ge­stellt wie bei vor­he­ri­gen Gene­ra­tio­nen. Hier müs­sen Arbeit­ge­ber inves­tie­ren, um ein men­tal fit­tes und gesun­des Team zu haben. Älte­re Mit­ar­bei­ter kön­nen zum Bei­spiel als Men­to­ren fun­gie­ren, sie haben schon vie­le Kri­sen gemeis­tert und kön­nen den Jun­gen zur Sei­te ste­hen.

Zur Per­son
  • Stef­fi Burk­hart, gebo­ren 1985, lebt in Köln und ist ehe­ma­li­ge Hoch­leis­tungs­sport­le­rin. Sie stu­dier­te Sport­wis­sen­schaf­ten und pro­mo­vier­te in Gesund­heits­psy­cho­lo­gie.
  • Nach eini­gen Jah­ren Berufs­er­fah­rung mach­te sich Burk­hart 2014 als Spea­ke­rin und Manage­ment­be­ra­te­rin selbst­stän­dig.
  • Gene­ra­tio­nen­ma­nage­ment und neue Arbeits­wel­ten gehö­ren zu ihrer Exper­ti­se. Dar­über sprach sie unter ande­rem beim plan­nING-Day in Vel­den.
  • Im Gabal Ver­lag ver­öf­fent­lich­te sie das Buch „Die spin­nen, die Jun­gen! Eine Gebrauchs­an­wei­sung für die Gene­ra­ti­on Y“.
  • In ihrer Frei­zeit trifft sie Freun­de, reist, macht Sport oder zappt durch Net­flix.
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Die­ser Arti­kel ist in Aus­ga­be 13/24 erschie­nen.
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Mehr dazu fin­den Sie in der Kate­go­rie: Inter­views