Andreas Jäger ist Meteorologe, Klimaexperte und Moderator
Andreas Jäger ist Meteorologe, Klimaexperte und Moderator © KK
Klimawandel

„Wir knal­len
unge­bremst gegen die Wand“

Der Klimawandel ist gekommen, um zu bleiben. Was das für Umwelt und Wirtschaft bedeutet, weiß Meteorologe Andreas Jäger.

01.04.2024 17:36 - Update am: 31.05.2024 10:37 von Claudia Blasi
Lesezeit 4 Minuten

„Kärnt­ner Wirt­schaft“: Gera­de Kärn­ten war von schwe­ren Unwet­tern betrof­fen. Sturm, Hagel, Hoch­was­ser und Dür­re – wird das zur nor­ma­len Wet­ter­pro­gno­se?

Andre­as Jäger: Ja, das bleibt jetzt. Die Luft wird immer wär­mer, kann dadurch mehr Feuch­tig­keit auf­neh­men und es reg­net stär­ker. Das extre­me Wet­ter­ge­sche­hen wird ganz klar zuneh­men und ist kei­ne Pha­se, die vor­über­zieht.

Was bedeu­tet das für ein Land, das stark vom Tou­ris­mus geprägt ist?

Das Win­ter­kon­zept muss über­dacht wer­den, denn es wird vor allem in den Süd­al­pen selbst zum Beschnei­en zu warm. Im Som­mer kann es eine Chan­ce sein, da es im Mit­tel­meer­raum für einen Urlaub zu heiß sein wird, man aber in Kärn­ten vor der Hit­ze an die Seen und auf die Ber­ge flie­hen kann.

Das Win­ter­kon­zept muss über­dacht wer­den, denn es wird vor allem in den Süd­al­pen selbst zum Beschnei­en zu warm.Zitat Ende

Andre­as Jäger

Meteo­ro­lo­ge, Kli­ma­ex­per­te und Mode­ra­tor

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat der Kli­ma­wan­del gene­rell auf die Wirt­schaft?

In ers­ter Linie ist die Land­wirt­schaft betrof­fen. Doch auch die Wirt­schaft wird die Aus­wir­kun­gen wie Bor­ken­kä­fer, Hang­rut­schun­gen, Muren, Hoch­was­ser oder Dür­re mit­tra­gen müs­sen. Es sind Vor­keh­run­gen zu tref­fen, etwa beim Bau­en von Gebäu­den auf die Hit­ze­be­las­tung für die Mit­ar­bei­ter, den Hoch­was­ser- oder Lawi­nen­schutz zu ach­ten.

Wie schafft ein Unter­neh­men den Weg zum grü­nen Betrieb?

Unter­neh­men kön­nen sehr viel machen: Mit­ar­bei­ter mit einem Kärn­ten-Ticket unter­stüt­zen und so den öffent­li­chen Ver­kehr för­dern, E‑Fahrräder und E‑Autos zur Ver­fü­gung stel­len, die Dach­flä­chen zum Begrü­nen oder für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen nut­zen, auf iso­lier­te Gebäu­de ach­ten, um den Kühl- und Heiz­aufwand zu mini­mie­ren – um ein paar Bei­spie­le zu nen­nen.

Die Haupt­zie­le des Kli­ma­ab­kom­mens von Paris sind die welt­wei­te Durchschnitts­temperatur und Emis­sio­nen zu sen­ken sowie Finanz­mit­tel im Ein­klang mit Kli­ma­schutz zu ver­ge­ben. Wie wird das in Betrie­ben spür­bar? 

Die Euro­päi­sche Uni­on ist bestrebt, das Wirt­schafts­sys­tem zu trans­for­mie­ren, und das ist gut so. Unter­neh­men müs­sen sich jetzt mit einem Nach­hal­tig­keits­be­richt und Kre­dit­ver­ga­ben, gebun­den an nach­hal­ti­ge Pro­jek­te, aus­ein­an­der­set­zen. Das bedeu­tet im ers­ten Moment einen Mehr­auf­wand und ist anstren­gend, ich weiß, aber: Es ist unglaub­lich wich­tig! Wir müs­sen den Kli­ma­wan­del ernst neh­men, denn die Lage ist ernst. Ansons­ten fah­ren wir unge­bremst gegen die Wand. Daher rufe ich alle Betrie­be dazu auf, ihren Bei­trag zu leis­ten.

Die größ­te Hür­de auf dem Weg zum bes­se­ren Kli­ma?

Dass es uns nicht unmit­tel­bar betrifft – Maß­nah­men, die wir heu­te set­zen, wer­den ihre Aus­wir­kun­gen auf das Kli­ma erst in 20 bis 30 Jah­ren zei­gen. Hin­zu kommt, dass der Wan­del auf­grund trä­ger Sys­teme sehr lang­sam fort­schrei­tet, wäh­rend sich das Kli­ma galop­pie­rend ver­schlech­tert.

Als ein­zi­ge Stadt in Öster­reich ist Kla­gen­furt Teil der EU-Cities-Mis­si­on und soll bis 2030 kli­ma­neu­tral sein. Ein ehr­gei­zi­ges Ziel?

Ich kann dazu nur gra­tu­lie­ren, dass Kla­gen­furt die­sen Schritt gewagt hat, und es zählt am Ende der Wil­le und nicht, ob alles zu 100 Pro­zent nach Plan gelau­fen ist. Wei­te­re Städ­te wer­den fol­gen (müs­sen), das ist sicher.

Im nächs­ten Jahr wird die Kor­alm­bahn Fahrt auf­neh­men. Ein wei­te­rer Plus­punkt in Kärn­tens Öko­bi­lanz?

Abso­lut – die Bahn ist die Zukunft. Gleich vie­le Autos nur mit ande­ren Antrie­ben zu pro­du­zie­ren, ist nicht Teil der Lösung, denn neben Ruß sorgt auch der Abrieb der Rei­fen für schlech­te Luft. Ver­kehr muss grö­ßer gedacht und anders auf­ge­teilt wer­den.

Über Andre­as Jäger

Andre­as Jäger ist Meteo­ro­lo­ge, Kli­ma­ex­per­te und Mode­ra­tor. Er wur­de 1965 in Hohen­ems (Vor­arl­berg) gebo­ren, stu­dier­te Meteo­ro­lo­gie in Inns­bruck und wur­de Mode­ra­tor beim ORF. Spä­ter bau­te er die Wet­ter­re­dak­ti­on von ATV auf und war Pres­se­spre­cher der Zen­tral­an­stalt für Meteo­ro­lo­gie und Geo­dy­na­mik. Im Buch „Die Alpen im Fie­ber“ beschäf­tigt er sich mit der Zwei-Grad-Gren­ze und ihren Aus­wir­kun­gen.

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