Wenn der Berg
zur Berufung wird
Gerald Sagmeister (62) aus Feistritz im Rosental hat vor 34 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und eine Alpinschule mit einem Sportfachhandel gegründet.
Sie ist 1800 Meter hoch, fast senkrecht und hält die schwierigsten Routen der Alpen bereit: die Eiger- Nordwand. Auch für Gerald Sagmeister bleibt die Besteigung ein unvergessliches Erlebnis. Das Wetter schlug um, aus den geplanten zwei Tagen wurden fünf. „Damals dachte ich wirklich, wir schaffen es nicht mehr aus der Wand raus“, erzählt der Berg- und Skiführer. Doch solche Grenzerfahrungen können seiner Leidenschaft für die Berge nichts anhaben. „Es ist wie ein Zwang, wie eine Sucht, da kann man nicht einfach aufhören.“
Berggene im Blut
Die Verbundenheit mit der Natur begleite ihn seit seiner Kindheit. Der Vater war Alpinist, mehrmals auf dem Himalaya – das präge. Nach dem Studium der Sportwissenschaften in Graz folgte der für ihn einzig denkbare Schritt in die Selbstständigkeit. Flexibilität und Unabhängigkeit waren seine Motive. Er gründete eine Alpinschule und ein Sportgeschäft, übersiedelte Jahre später nach Klagenfurt. Heute ist „high life“ schon längst kein Geheimtipp mehr unter Naturfreunden. Alles rund um Bergsport, Wandern und Skitouren ist im sorgfältig ausgewählten Sortiment zu finden. Was „high life“ von den „Großen“ der Branche unterscheidet? Jeder Mitarbeiter ist selbst mit dem Berg und den Produkten vertraut – ob bei Bekleidung oder Technik. „Das ist eine absolute Nische und ermöglicht eine Beratung, die wir als Service am Kunden verstehen“, betont Sagmeister. Die Ausrüstung kann auch ausgeliehen werden. Sollte einmal etwas der Belastung nicht Stand halten, wird im Haus repariert. Entsprechend der Unternehmensphilosophie werden ausschließlich Marken angeboten, die auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen.
Alpinschule boomt
Neben dem Fachgeschäft floriere auch die Alpinschule, die inzwischen von Michael Mautz geleitet wird. Im Sommer stehen Klettern, Hochtouren und Bergsteigen sowie Canyoning in der Tscheppaschlucht auf dem Programm. Im Winter können Ski-touren vom Lesachtal bis in die chilenischen Anden und nach Norwegen gebucht werden. „Hier wird der Klimawandel spürbar. Um die Sehnsucht der Menschen nach einem weißen Winter zu stillen, buchen wir immer mehr in Destinationen über 1500 Meter Seehöhe.“
Einblicke
Von der Wirtschaftskrise sei weder im Geschäft noch in der Alpinschule etwas zu spüren. Die Corona-Pandemie und der anhaltende Trend zur Bewegung in der Natur bescherten dem Unternehmen die erfolgreichsten Jahre seit der Gründung. Doch je mehr dem Ruf der Berge folgen, desto größer ist das Verletzungsrisiko. Daher sei neben der geeigneten Ausrüstung, körperliche Fitness und richtiges Einschätzen des eigenen Könnens unverzichtbar. Voraussetzungen, die auch in einem Unternehmen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. „Deshalb sind Teambuildings bei uns sehr gefragt, im Klettersteig etwa kann man Vertrauen aufbauen und den Umgang mit scheinbaren Gefahrensituationen üben.“
Auf die Räder, fertig, los!
Für alle, die gerne Ski und Wanderschuhe gegen ein Fahrrad tauschen würden, werde aktuell daran gearbeitet, das Sortiment zu erweitern. Gemeinsam mit einem Kooperationspartner sei man mit Nachdruck dabei, ein spezielles Programm für Radtouren auf die Beine zu stellen.
- 1991gründet Gerald Sagmeister in Ferlach eine Alpinschule und einen Sportfachhandel.
- 2001 übersiedelt das Unternehmen nach Klagenfurt in die Wienergasse.
- Fünf Mitarbeiter sind im „high life“-Shop angestellt. In der Alpinschule variiert die Zahl der freiberuflichen Mitarbeiter je nach Winter- und Sommersaison.
- Seit 2021 führt Michael Mautz die Geschäfte der Alpinschule. Sohn Dominik ist Leiter des Sommerprogramms und Canyoningführer.