Auch auf Zufällen kann man seinen Erfolg aufbauen, ist Christian Busch überzeugt.
Auch auf Zufällen kann man seinen Erfolg aufbauen, ist Christian Busch überzeugt. © Justine Stoddart
Christian Busch

„Uner­war­te­tes anneh­men und für sich nut­zen“

Warum der Zufall auf dem Weg zum Erfolg nicht unterschätzt werden sollte und wie man ihn sich zunutze machen kann, weiß Zufallsforscher Christian Busch.

15.05.2024 10:20 - Update am: 31.05.2024 09:27 von Johannes Moser
Lesezeit 5 Minuten

„Kärnt­ner Wirt­schaft“: In Ihrem Buch schrei­ben Sie vom Zufall als gro­ßen Erfolgs­fak­tor. Inwie­fern kann die­ser zum Glück füh­ren?

Chris­ti­an Busch: Glück an sich kann man auf zwei Arten haben. Es gibt pas­si­ves Glück, wie die Geburts­lot­te­rie, aber auch akti­ves Glück, die soge­nann­te Seren­di­pi­tät. Das Leben an sich ist bei allen Plä­nen, die wir regel­mä­ßig anfer­ti­gen, sehr oft eine Ver­ket­tung von vie­len Zufäl­len, egal ob das Ideen, Begeg­nun­gen oder ande­re Gescheh­nis­se sind. Bei Seren­di­pi­tät geht es dar­um, die­se unvor­her­ge­se­he­nen Ereig­nis­se so für uns zu nut­zen, dass sie unser Leben posi­tiv beein­flus­sen. Es geht dar­um, sie gesche­hen zu las­sen und dann bewusst zu einem bes­se­ren Zweck zu ver­bin­den.

Wird man also glück­li­cher, wenn man sein Leben lau­fen und alles dem Zufall über­lässt?

Nein, dar­um geht es nicht. Im deutsch­spra­chi­gen Raum leben wir in sehr pla­nungs­ori­en­tier­ten Sys­te­men, die sowohl pri­vat als auch im täg­li­chen Busi­ness stark auf die exak­te Berech­nung von zukünf­ti­gen Ereig­nis­sen Wert legen. Das ist sinn­voll und legt auch eine groß­ar­ti­ge Basis für Erfolg. Den­noch soll­te man sich einen klei­nen Spiel­raum für Zufäl­le oder Fak­to­ren, auf die man erst im Lau­fe des Pro­zes­ses kommt, las­sen – egal ob die­se auf den ers­ten Blick posi­tiv oder nega­tiv für das gro­ße Gan­ze sind. Ich spre­che hier ger­ne vom ratio­na­len Opti­mis­mus, der die Din­ge annimmt, wie sie sind und den best­mög­li­chen Sinn dar­aus zieht. Ein Vor­bild mei­ner­seits ist hier sicher der Öster­rei­cher Vik­tor Frankl, der selbst aus den schwie­rigs­ten Momen­ten einen Sinn zie­hen konn­te.

Wie kann ich Seren­di­pi­tät in mei­nen All­tag inte­grie­ren?

Ein gutes Bei­spiel ist die Hakenstra­te­gie. Man kann sich zwei, drei The­men über­le­gen, die man in Kon­ver­sa­tio­nen ein­flie­ßen las­sen kann – und die dann oft­mals zu „zufäl­li­gen“ Über­schnei­dun­gen füh­ren. Denn vie­le von uns beschäf­ti­gen abseits vom Beruf­li­chen Din­ge wie Fami­lie oder Gesund­heit. Wenn das Gegen­über „anbeißt“, ergibt sich viel­leicht ein Gespräch oder ein tol­ler Kon­takt, der einem frü­her oder spä­ter von Nut­zen sein kann.

Eine gewis­se ­Offen­heit für Uner­war­te­tes soll­te Teil jeder ­Unter­neh­mens­kul­tur sein.Zitat Ende

Chris­ti­an Busch

Zufalls­for­scher

Dafür braucht es aber oft eine gesun­de Por­ti­on Selbst­be­wusst­sein, oder?

Ein gesun­der Selbst­wert hilft in die­ser Hin­sicht. Hier könn­te man sich etwa über­le­gen: „Was ist das Schlimms­te, was pas­sie­ren kann, wenn ich The­ma XY jetzt im Mee­ting anspre­che?“ Es gibt so vie­le nicht rea­li­sier­te Pro­jek­te, Freund­schaf­ten oder Erfolgs­ge­schich­ten, weil man im ent­schei­den­den Moment nicht mutig genug war. Die­sen Mut kann man trai­nie­ren wie einen Mus­kel. Wenn ein Haken nicht funk­tio­niert, ver­su­che ich einen ande­ren. Wich­tig ist hier nur, dass man authen­tisch bleibt. Und vor allem intro­ver­tier­te Men­schen zie­hen ihre Zufäl­le auch oft aus ande­ren Quel­len, etwa aus Büchern oder einem Pod­cast.

Wie lässt sich Seren­di­pi­tät in die Unter­neh­mens- und Füh­rungs­kul­tur inte­grie­ren?

Eine gewis­se Offen­heit für Uner­war­te­tes soll­te immer Teil des Plans sein. Füh­rungs­kräf­te könn­ten in jedem Mee­ting die Fra­ge stel­len, was denn jeden Ein­zel­nen in der ver­gan­ge­nen Woche über­rascht hat. So wer­den die Sin­ne für neue Aspek­te im täg­li­chen Tun geschärft. Viel­leicht kommt es so sogar zu Inno­va­tio­nen, wenn man die Punk­te der Mit­ar­bei­ter ver­knüpft.

Gibt es eine beson­de­re ­Geschich­te oder Begeg­nung, die für Sie per­sön­lich die Macht des Zufalls ver­deut­licht hat?

Ja, sehr vie­le. Die bedeu­tends­ten sind sicher­lich ein Auto­un­fall, den ich in jun­gen Jah­ren mit viel Glück über­lebt habe und die Tat­sa­che, dass ich 2020 in New York zufäl­li­ger­wei­se eine alte Bekann­te wie­der getrof­fen habe. Heu­te ist sie mei­ne Frau und wir haben eine klei­ne Toch­ter. Die­se Ereig­nis­se waren nicht plan­bar und haben mich dort hin­ge­führt, wo ich heu­te bin.

Zur Per­son

Chris­ti­an Busch ist Pro­fes­sor für ange­wand­tes Manage­ment und Orga­ni­sa­ti­on an der Mar­shall School of Busi­ness der Uni­ver­si­ty of Sou­thern ­Cali­for­nia in Los Ange­les. Der gebür­ti­ge Deut­sche ist unter den „30 Manage­ment-Den­kern, die die Zukunft prä­gen wer­den“ (Thinkers50), ein Mit­glied im Exper­ten­fo­rum des Welt­wirt­schafts­fo­rums und ein Fel­low der Roy­al ­Socie­ty of Arts. Sein Best­sel­ler „Erfolgs­fak­tor Zufall“ erschien 2023 auf Deutsch im ­Mur­mann Ver­lag.

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