Tradition, Mut und gutes Bauchgefühl
In St. Veit betreibt Barbara Seidl-Bein in dritter Generation einen Friseurbetrieb, der sich zur modernen Beauty-Adresse entwickelt hat. Auf dem Weg dorthin verlässt sich die Unternehmerin auf ein lebendiges Team und setzt in Sachen Mitarbeitermotivation neue Akzente.
Die mystische Botengasse inmitten der St. Veiter Altstadt beherbergt einen Betrieb, dessen Ambiente mehr als zeitgemäß anmutet. Die Geschichte beginnt bereits 1954. Alfred und Edith Bein, die Großeltern der heutigen Eigentümerin Barbara Seidl-Bein, betrieben ein Friseurgeschäft, damals noch im nahen Launsdorf. „Früher hatten wir noch mehr Herren- als Damenplätze. Die Dauerwelle wurde nämlich erst später modern“, erinnert sich Barbara Seidl-Bein.
Stetige Weiterbildung
Ein Schicksalsschlag brachte unvorhergesehen Dynamik in die Familiengeschichte. Seidl-Beins Großvater starb 1956. „Meine Großmutter musste sich allein durchschlagen und bereits mit 19 Jahren übernahmen meine Eltern dann den Betrieb.“ Stetige Weiterbildung und ein hoher Qualitätsanspruch begleiteten ihren Vater den begeisterten Musiker Reinfried Bein, der auch Mitglied der bekannten Kärntner Band „Roletts“ ist, von Anfang an. Sein großes Ziel, ein Geschäft in der Herzogstadt zu eröffnen, verwirklichte er schließlich 1985. „Halb St. Veit kam zum Haare schneiden nach Launsdorf, also war dieser Schritt naheliegend.“ Angeschlossen an seinen „Schönheitstempel“ war lange Jahre auch ein Lokal, in dem die St. Veiter Szene aus und ein ging. „Mit diesem Konzept und zahlreichen Weiterbildungen, unter anderem in England, war mein Vater sicherlich seiner Zeit voraus“, erzählt die Unternehmerin stolz.
Team im Mittelpunkt
Barbara Seidl-Bein hob das Unternehmen auf die nächste Ebene: Nach der Absolvierung einer Friseurfachschule in Deutschland und Wanderjahren in Wien übernahm die Mutter eines 15-jährigen Sohnes 2007 das Haus. 2013 erfolgte ein umfassender Umbau – das historische Altstadthaus, das ohne gerade Wände auskommt, stellte dabei eine besondere Herausforderung dar.
Beautytempel
Aus dem klassischen Salon ist so ein Beautytempel geworden. Neben dem Friseurhandwerk bietet der Betrieb kosmetische Behandlungen an, arbeitet seit über 50 Jahren mit der Marke La Biosthétique zusammen und setzt auf ein ein breites Dienstleistungsangebot, von Haar- und Kopfhautpflege über dekorative Kosmetik bis hin zur Bereitstellung von Perücken. Auch bei den Arbeitsbedingungen zeigt sich Seidl-Bein innovativ. Seit drei Jahren gilt die Vier-Tage-Woche. „Ein Schritt, zu dem mir viele gratuliert haben. Der Samstag ist sowohl für unsere Kunden als auch für meine Mitarbeiterinnen Familientag – diesem Wunsch tragen wir Rechnung“, erklärt sie. Für besondere Anlässe wie Ballfrisuren und Hochzeiten sperrt man nach Vereinbarung aber nach wie vor gerne auf.
Mitgestaltung als wichtiges Element
Ein zentraler Wert des Hauses lautet: Aus Mitarbeitenden sollen Mitgestalter werden. Flache Hierarchie, Mitspracherecht, regelmäßige Besprechungen – und ein Bonus-System für das Team. „Wenn meine Mitarbeiter so behandelt werden, wie sie die Kunden behandeln, dann bekomme ich viel mehr zurück“, sagt Barbara Seidl-Bein mit Überzeugung.
Lehrlinge werden von der ersten Woche an voll ins Geschehen eingebunden und erfahrene Mitarbeiter dürfen sich weiterentwickeln und ihre Ideen für neue Arbeitsabläufe oder Produkte voll einbringen. „Vorgesetzte müssen es aushalten, dass ihre Mitarbeiter Dinge besser können als sie selbst – und ich halte das sehr gut aus“, erklärt die 57-Jährige, die keine „reinen Befehlsempfänger, sondern Mitgestalter im Team haben will“.
Die langjährige Treue des Teams spricht für sich: Einige Kolleginnen arbeiten bereits über zwei Jahrzehnte im Salon. Mehr als 100 junge Menschen hat das Friseurstudio über die Jahre ausgebildet. Für die Zukunft sieht sie ihr Unternehmen, das 2024 sein 70-jähriges Bestehen gefeiert hat, gut aufgestellt. „Ich höre vielmehr auf mein Bauchgefühl als auf den Kopf, auch wenn mein Mann oft anderer Meinung ist“, lacht die diplomierte Haarpflegeexpertin. „Mein Weg war ein schöner Weg mit vielen Höhen und Tiefen – aber genau dieser Weg hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.“
- 1954 gründen Alfred und Edith Bein ein Friseurgeschäft in Launsdorf.
- 1956 verstirbt Alfred Bein, die Witwe führt das Geschäft weiter, bis mit 19 Jahren Reinfried Bein übernimmt.
- 1975 übersiedelt der Betrieb nach St. Veit und eröffnet dort einen Friseursalon, seit 1985 ist man am jetzigen Standort.
- 2007 übernimmt Barbara Seidl-Bein den Salon und baut ihn 2013 großzügig um.