„Mitgestaltung statt nur mitarbeiten“: Barbara Seidl-Bein setzt auf die individuellen Stärken jedes einzelnen Teammitglieds.
„Mitgestaltung statt nur mitarbeiten“: Barbara Seidl-Bein setzt auf die individuellen Stärken jedes einzelnen Teammitglieds. © Peter Just
Bein Hair & Beauty

Tra­di­ti­on, Mut und gutes Bauch­ge­fühl

In St. Veit betreibt Barbara Seidl-Bein in dritter Generation einen Friseurbetrieb, der sich zur modernen Beauty-Adresse entwickelt hat. Auf dem Weg dorthin verlässt sich die Unternehmerin auf ein lebendiges Team und setzt in Sachen Mitarbeitermotivation neue Akzente.

20.11.2025 09:25 von Johannes Moser
Lesezeit 6 Minuten

Die mys­ti­sche Boten­gas­se inmit­ten der St. Vei­ter Alt­stadt beher­bergt einen Betrieb, des­sen Ambi­en­te mehr als zeit­ge­mäß anmu­tet. Die Geschich­te beginnt bereits 1954. Alfred und Edith Bein, die Groß­el­tern der heu­ti­gen Eigen­tü­me­rin Bar­ba­ra Seidl-Bein, betrie­ben ein Fri­seur­ge­schäft, damals noch im nahen Launs­dorf. „Frü­her hat­ten wir noch mehr Her­ren- als Damen­plät­ze. Die Dau­er­wel­le wur­de näm­lich erst spä­ter modern“, erin­nert sich Bar­ba­ra Seidl-Bein.

Ste­ti­ge Wei­ter­bil­dung

Ein Schick­sals­schlag brach­te unvor­her­ge­se­hen Dyna­mik in die Fami­li­en­ge­schich­te. Seidl-Beins Groß­va­ter starb 1956. „Mei­ne Groß­mutter muss­te sich allein durch­schla­gen und bereits mit 19 Jah­ren über­nah­men mei­ne Eltern dann den Betrieb.“ Ste­ti­ge Wei­ter­bil­dung und ein hoher Qua­li­täts­an­spruch beglei­te­ten ihren Vater den begeis­terten Musi­ker Rein­fried Bein, der auch Mit­glied der bekann­ten Kärnt­ner Band „Roletts“ ist, von Anfang an. Sein gro­ßes Ziel, ein Geschäft in der Her­zog­stadt zu eröff­nen, ver­wirk­lich­te er schließ­lich 1985. „Halb St. Veit kam zum Haa­re schnei­den nach Launs­dorf, also war die­ser Schritt nahe­lie­gend.“ Ange­schlos­sen an sei­nen „Schön­heits­tem­pel“ war lan­ge Jah­re auch ein Lokal, in dem die St. Vei­ter Sze­ne aus und ein ging. „Mit die­sem Kon­zept und zahl­rei­chen Wei­ter­bil­dun­gen, unter ande­rem in Eng­land, war mein Vater sicher­lich sei­ner Zeit vor­aus“, erzählt die Unter­neh­me­rin stolz.

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Team im Mit­tel­punkt

Bar­ba­ra Seidl-Bein hob das Unter­neh­men auf die nächs­te Ebe­ne: Nach der Absol­vie­rung einer Fri­seur­fach­schu­le in Deutsch­land und Wan­der­jah­ren in Wien über­nahm die Mut­ter eines 15-jäh­ri­gen Soh­nes 2007 das Haus. 2013 erfolg­te ein umfas­sen­der Umbau – das his­to­ri­sche Alt­stadt­haus, das ohne gera­de Wän­de aus­kommt, stell­te dabei eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung dar.

Beau­ty­tem­pel

Aus dem klas­si­schen Salon ist so ein Beau­ty­tem­pel gewor­den. Neben dem Fri­seur­hand­werk bie­tet der Betrieb kos­me­ti­sche Behand­lun­gen an, arbei­tet seit über 50 Jah­ren mit der Mar­ke La Biosthé­tique zusam­men und setzt auf ein ein brei­tes Dienst­leis­tungs­an­ge­bot, von Haar- und Kopf­haut­pfle­ge über deko­ra­ti­ve Kos­me­tik bis hin zur Bereit­stel­lung von Perü­cken. Auch bei den Arbeits­be­din­gun­gen zeigt sich Seidl-Bein inno­va­tiv. Seit drei Jah­ren gilt die Vier-Tage-Woche. „Ein Schritt, zu dem mir vie­le gra­tu­liert haben. Der Sams­tag ist sowohl für unse­re Kun­den als auch für mei­ne Mit­ar­bei­te­rin­nen Fami­li­en­tag – die­sem Wunsch tra­gen wir Rech­nung“, erklärt sie. Für beson­de­re Anläs­se wie Ball­fri­su­ren und Hoch­zei­ten sperrt man nach Ver­ein­ba­rung aber nach wie vor ger­ne auf.

Mit­ge­stal­tung als wich­ti­ges Ele­ment

Ein zen­tra­ler Wert des Hau­ses lau­tet: Aus Mit­ar­bei­ten­den sol­len Mit­ge­stal­ter wer­den. Fla­che Hier­ar­chie, Mit­spra­che­recht, regel­mä­ßi­ge Bespre­chun­gen – und ein Bonus-Sys­tem für das Team. „Wenn mei­ne Mit­ar­bei­ter so behan­delt wer­den, wie sie die Kun­den behan­deln, dann bekom­me ich viel mehr zurück“, sagt Bar­ba­ra Seidl-Bein mit Über­zeu­gung.

Lehr­lin­ge wer­den von der ers­ten Woche an voll ins Gesche­hen ein­ge­bun­den und erfah­re­ne Mit­ar­bei­ter dür­fen sich weiterentwi­ckeln und ihre Ideen für neue Arbeits­ab­läu­fe oder Pro­duk­te voll ein­brin­gen. „Vor­ge­setz­te müs­sen es aus­hal­ten, dass ihre Mit­ar­bei­ter Din­ge bes­ser kön­nen als sie selbst – und ich hal­te das sehr gut aus“, erklärt die 57-Jäh­ri­ge, die kei­ne „rei­nen Befehls­emp­fän­ger, son­dern Mit­ge­stal­ter im Team haben will“.

Die lang­jäh­ri­ge Treue des Teams spricht für sich: Eini­ge Kol­le­gin­nen arbei­ten bereits über zwei Jahr­zehn­te im Salon. Mehr als 100 jun­ge Men­schen hat das Fri­seur­stu­dio über die Jah­re aus­ge­bil­det. Für die Zukunft sieht sie ihr Unter­neh­men, das 2024 sein 70-jäh­ri­ges Bestehen gefei­ert hat, gut auf­ge­stellt. „Ich höre viel­mehr auf mein Bauch­ge­fühl als auf den Kopf, auch wenn mein Mann oft ande­rer Mei­nung ist“, lacht die diplo­mier­te Haar­pfle­ge­ex­per­tin. „Mein Weg war ein schö­ner Weg mit vie­len Höhen und Tie­fen – aber genau die­ser Weg hat mich zu dem gemacht, was ich heu­te bin.“

Aus der Chro­nik
  • 1954 grün­den Alfred und Edith Bein ein Fri­seur­ge­schäft in Launs­dorf.
  • 1956 ver­stirbt Alfred Bein, die Wit­we führt das Geschäft wei­ter, bis mit 19 Jah­ren Rein­fried Bein über­nimmt.
  • 1975 über­sie­delt der Betrieb nach St. Veit und eröff­net dort einen Fri­seur­sa­lon, seit 1985 ist man am jet­zi­gen Stand­ort.
  • 2007 über­nimmt Bar­ba­ra Seidl-Bein den Salon und baut ihn 2013 groß­zü­gig um.
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Die­ser Arti­kel ist in Aus­ga­be 22/25 erschie­nen.
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