Der Zwick
Handwerk braucht
Zeit und Leidenschaft
Vor 36 Jahren hat Rupert Leikam seine Zinngießerei in Knappenberg eröffnet. Heute ist er der einzige Zinngießermeister Österreichs und hat seine Handwerkskunst an die nächste Generation weitergegeben.
Beinahe hätte Rupert Leikam in seiner Jugend den Weg in den Skisport eingeschlagen. Doch der Plan mit der Skikarriere ging nicht auf. Sein Weg führte ihn daher 1981 nach Salzburg. „In Kärnten waren die Arbeitsplätze rar und so versuchte ich woanders eine Lehrstelle zu finden.“ 1990 kam er als Zinngießermeister wieder in seine Heimat zurück. Mit im Gepäck alle Maschinen seines Lehrbetriebes, um sich in einer Werkstatt der Bergbauleute in Knappenberg selbstständig zu machen. „1890 sperrte der letzte Zinngießer in Österreich zu und 100 Jahre später hab ich meinen Betrieb aufgesperrt“, erzählt Leikam stolz.
Aller Anfang ist schwer
Es sei nicht einfach gewesen, einen Kundenstamm aufzubauen, vor allem in der exponierten Lage. Aber Leikam hat sich schnell einen Namen für Qualität und Kreativität gemacht. „Zinn ist ein weiches, flexibles Material und wir können beinahe jeden Wunsch in Form bringen“, erzählt der Meister. Je nach Saison variiert das Sortiment vom Christbaumschmuck, über Glücksbringer bis hin zu Flaschenverschlüssen und Schlüsselanhängern.
Begehrt seien vor allem die Trophäen wie sie für die Bewerbe der Landjugend, Feuerwehr oder Blumenolympiade individuell angefertigt werden. Zu den Stammkunden zählt auch der Rütli-Verein aus der Schweiz, der für das eigene Volksfest jährlich spezielle Zinnbecher bestellt. Und auch die Pfennige für das Friesacher Spectaculum stammen aus dem Familienbetrieb. „270.000 Friesacher Pfennige werden es wohl sein seit 1998“, schätzt Leikam. Aktuell wird eine Signatur für das neue Rettl-Parfum gegossen, das dann jede Flasche zieren wird.
Nachfolge ist gesichert
Seit Oktober 2021 ist Leikam in Pension und seine Familie führt den Betrieb als freies Gewerbe weiter. Ehefrau Alice ist für die Buchhaltung, das Marketing und den Versand zuständig. Drei der fünf Söhne sind ebenso in das Geschäft eingestiegen. Thomas, er hat noch bei seinem Vater gelernt, und Christian sind im Nebenerwerb beschäftigt. Stefan leitet die Gießerei und studiert in Graz Sportwissenschaften und Lehramt. „Wir waren schon als Kinder immer mit in der Werkstatt und sind mit dem Handwerk aufgewachsen“, erzählt der Juniorchef. Da war es ganz klar, dass der Betrieb am Leben erhalten werden muss. „Du hast am Ende des Tages etwas in der Hand, und siehst, was du geschaffen hast, das macht diesen Beruf aus.“
Für die Zukunft hat die junge Generation auch schon konkrete Pläne: „Wir versuchen soziale Medien zu bespielen, haben Instagram eingerichtet und langfristig planen wir einen Onlinevertrieb sowie eine Homepage.“
- 1990 gründete Rupert Leikam die Zinngießerei Leikam in Knappenberg.
- Heute ist er der letzte Zinngießermeister in Österreich.
- Mittlerweile hat Sohn Stefan die Geschäftsführung übernommen und auch die Familie arbeitet im Betrieb mit.
- Das Sortiment hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Produziert wird in erster Linie für Stammkunden.
- Die junge Generation setzt auf soziale Medien wie Instagram.