Waldbotschafterin Hermine Hackl schrieb das Buch „Der Wald in Österreich“.
Waldbotschafterin Hermine Hackl schrieb das Buch „Der Wald in Österreich“. © KK/Moser
Hermine Hackl

„Den Wald
schützen, aber auch nützen“

Warum man den Wald schützen, aber auch nützen muss, erklärt Waldbotschafterin Hermine Hackl.

23.05.2024 10:58 - Update am: 31.05.2024 09:18 von Anita Arneitz
Lesezeit 3 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Was sorgt beim Thema Wald immer wieder für Aha-Erleb­nisse?

Hermine Hackl: Der Wald geht uns alle etwas an, nicht nur ein paar Forst­leute. Aber eines ist vielen nicht bewusst: Der Wald ist in Öster­reich ein enormer Wirtschafts­faktor, gerade auch in Kärnten. Öster­reich hat sich über Genera­tionen hinweg ein enormes Wissen in der nachhal­tigen Waldbe­wirt­schaftung und innova­tiven Forst­technik aufgebaut, das in die ganze Welt expor­tiert wird und stark nachge­fragt ist.

Wie lässt sich dabei Ökologie mit Ökonomie verbinden?

Beides lässt sich gut verbinden und ist der einzige Weg, wie heute Forst­wirt­schaft sinnvoll betrieben werden kann. Die Zeiten der Fichten­mo­no­kul­turen sind vorbei. Durch den Klima­wandel ändern sich die Bedin­gungen sehr schnell. Je durch­mischter ein Wald ist, umso stabiler ist er und desto besser kann er seine unter­schied­lichen Funktionen erfüllen. Nachhal­tigkeit besteht aus den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Es braucht alle drei Säulen. Die Menschen sollen gut leben können, dann können sie die Natur sinnvoll und sorgsam nutzen. Es geht nicht darum, auf Kosten der Natur oder der nächsten Genera­tionen zu leben. Ursprünglich kommt Nachhal­tigkeit aus der Forst­wirt­schaft und meint, dem Wald nicht mehr zu entnehmen als nachwächst. In Öster­reich haben wir aller­dings eine umgekehrte Situation: Wir ernten weniger als nachwächst. Das ist langfristig gesehen auch nicht gut.

Im Wald steckt demnach noch viel Potenzial?

Wenn wir unseren Wald nicht entspre­chend hegen und pflegen, bricht die öster­rei­chische Wirtschaft zusammen. Oder anders: Um die Wirtschaft zu stärken, müssen wir auch den Wald schützen und nützen. Beides schließt einander nicht aus, sondern bedingt sich. Es geht um ein nachhal­tiges Bewirt­schaften und in gewissen Bereichen muss der Mensch auch eingreifen, um die Biodi­ver­sität zu erhalten. Wir haben gut ausge­bildete Forst­leute, die wissen, was ein Standort braucht. Es geht ums Arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.

Wo sehen Sie Chancen, die Kärnten auch besser nützen könnte?

Wir dürfen uns nicht nur auf die klassische Forst­wirt­schaft fokus­sieren, sondern viel breiter denken. Die Branche ist sehr innovativ und in Kärnten gibt es einige tolle Betriebe, die inter­na­tional zu den Mega-Playern gehören. Natürlich muss die Holzin­dustrie versorgt werden. Aber der Wald dient auch Erholungs­zwecken. Touris­tisch könnte der Gesund­heits­aspekt noch stärker genützt werden. Auf seriöser Ebene könnte der Handel mit CO2-Zerti­fi­katen auch ein neues Geschäfts­modell für Forst­be­triebe werden.

Die Forst­wirt­schaft scheint eher männer­do­mi­niert zu sein?

Ja, aber viele innovative Ansätze kommen von Forst­frauen. Eine davon war Maria Theresia, der durchaus bewusst war, wie wichtig die Ressource Wald ist. Und die erste Forst­aka­de­mi­kerin der Welt war eine Kärnt­nerin.

Zur Person

Waldbot­schaf­terin Hermine Hackl schrieb das Buch „Der Wald in Öster­reich“, leitete den UNESCO-Biosphä­renpark Wienerwald und koordi­nierte den Waldcampus Öster­reich, das größte Waldkom­pe­tenz­zentrum Europas.

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Dieser Artikel ist in Ausgabe 10/24 erschienen.
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Mehr zum Thema gibt es hier: Was der Wald alles schafft.