Roswitha Stadlober sieht im Wintersport einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor.
Roswitha Stadlober sieht im Wintersport einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor. © Johann Groder/EXPA/picturedesk.com
Roswitha Stadlober

„Auf den Pisten wird
nicht weniger los sein“

Der ÖSV gilt als wesentlicher Motor für den Wintersport und die Tourismuswirtschaft. Präsidentin Roswitha Stadlober über Klimaschützer auf Pisten, Leistung im Sport und hohe Liftkartenpreise.

07.04.2024 16:31 - Update am: 14.06.2024 19:07 von Klaus Höfler
Lesezeit 4 Minuten

„Kärntner Wirtschaft“: Winter­sport, speziell Ski­fahren, ist empfindlich teurer geworden. Wie glücklich sind Sie mit dieser Entwicklung?

Roswitha Stadlober: Erstaun­li­cher­weise redet man meist nur von den teuersten Skige­bieten und Liftpass­preisen. Dass es attraktive Zeit- und Saison­karten, kleinere und mittel­große Skige­biete mit günsti­geren Tarifen gibt, wird scheinbar bewusst nicht in den Vorder­grund gestellt. 

Dennoch: Haben Sie Angst, dass der Breiten­sport zum Luxusgut wird – und den heimi­schen Skiver­einen der Nachwuchs wegbricht?

Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Seilbahnen in Öster­reich ist gerade im Vergleich mit inter­na­tio­nalen Skige­bieten sehr gut. Für Vereine und Nachwuchs­för­derung braucht es weiterhin leistbare Angebote. Als Verband versuchen wir das zu unter­stützen und bieten zum Beispiel all unseren Mitgliedern attraktive Ermäßi­gungen bei über 80 Seilbahnen und Liften in ganz Öster­reich an. Dass auf den Pisten weniger los sein wird, glaube ich nicht, denn Skifahren ist bei uns nach wie vor der belieb­teste Freizeit­sport im Winter. 

Viele Unter­nehmen klagen über einen beschä­digten Leis­tungsbegriff in unserer Gesell­schaft. Nehmen Sie das auch wahr?

Wir fördern Sport­le­rinnen und Sportler, die ihrer Leiden­schaft nachkommen – Leistung steht hier ganz klar im Fokus. Das Team hinter den Athleten sieht sich als Dienstleis­ter für das Erreichen der sport­lichen Ziele. 

Zu Beginn der alpinen Skiwelt­cup­saison gab es Kritik an Ort und Zeitpunkt des Auftakts am Gletscher in Sölden. Haben Sie Verständnis für die Proteste von ­Klima­schützern?

Als Veran­stalter dieser Wettkämpfe sind uns faire und sichere Bedin­gungen für die Sport­le­rinnen und Sportler besonders wichtig. Um Fairness und Sicherheit sicher­zu­stellen, appel­lieren wir daher an Klima­schützer, dass sie einzelne Sport­events nicht als öffentlich wirksame Bühne nutzen. Wir laden gerne ein, mit uns Lösungs­an­sätze zu disku­tieren und gemeinsam Handlungs­felder zu erarbeiten. 

Wurde und wird man da zu Unrecht zur Zielscheibe?

Wir alle wissen, dass ein globales Problem wie die Klima­er­wärmung nur durch einen gemein­samen Kraftakt gelöst werden kann. Wir als ÖSV arbeiten an unseren Hausauf­gaben in verschie­denen Bereichen. Klare, sinnvolle und nachvoll­ziehbare Aktivi­täten für die klima- und umwelt­po­li­ti­schen Heraus­for­de­rungen sollten sachlich an einem runden Tisch mit zielfüh­render Gesprächs­kultur geführt werden. 

Wie sehr schadet dieses Sündenbock-Image dem Winter­sport, aber vor allem auch der Touris­mus­wirt­schaft?

Nächti­gungs­zahlen der Touris­mus­wirt­schaft, Rekord­um­sätze einzelner Skifirmen oder auch Fakten und Studien von Skitou­ris­mus­for­scher Günther Aigner zeigen, dass der Winter­sport ein wesent­licher Wirtschafts­faktor in unserem Land ist. Die breite öffent­liche Diskussion zeigt den hohen Stellenwert des Skisports in Öster­reich. Die öffent­liche Diskussion darf nicht dazu führen, dass Menschen, und vor allem junge Menschen, im Land die Freude an der Bewegung in der Natur verlieren. 

Wann soll der Skiweltcup 2024/25 starten?

Ein späterer Saison­beginn und eine Verlän­gerung der Saison sind eine Option für die Zukunft, auch wenn die aktuellen Daten zeigen, dass das Interesse am Skifahren bereits im März rapide abnimmt. Selbst­ver­ständlich verschließen sich die Bergbahnen, ÖSV und FIS nicht den klima­ti­schen Entwick­lungen und beharren stur auf diesem Termin Ende Oktober. Sollten die Wetter­daten auf einen anhal­tenden Trend hinweisen, dass Rennen im Spätherbst abgesagt werden müssen, wird der FIS-Kalender mit Sicherheit entspre­chend angepasst werden.

Roswitha Stadlober

Roswitha Stadlober (60) ist seit Oktober 2021 Präsi­dentin des Öster­rei­chi­schen Skiver­bands (ÖSV). Sie war Slalom­welt­cup­sie­gerin und Silber­me­dail­len­ge­win­nerin bei der WM 1987 sowie Öster­rei­chische Sport­lerin des Jahres 1986. Von 1999 bis 2004 war Stadlober Sport­spre­cherin im Salzbuger Landtag. Die zweifache Mutter ist mit dem ehema­ligen Weltklasse-Langläufer Alois Stadlober verhei­ratet. Bis heute startet sie regel­mäßig bei Sport- und ­Marathon­läufen.

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