Martin Reichard hat ein Händchen für Schuhe und legt höchsten Wert auf Präzisionsarbeit.
Martin Reichard hat ein Händchen für Schuhe und legt höchsten Wert auf Präzisionsarbeit. © KW/Blasi
Schuhdoktor

1000 Hammer­schläge
bis zum perfekten Schuh

Als „Schuhdoktor“ ist Martin Reichard in Klagenfurt bekannt. Jetzt wechselt der Jungunter­nehmer den Standort.

22.04.2024 14:46 - Update am: 31.05.2024 10:07 von Claudia Blasi
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Schon als Kind war Martin Reichard vom Handwerk des Schuh­ma­chers begeistert. Sein Vater hat diesen Beruf eine Zeit lang ausgeübt und der Sohn war beim Löten, Kleben, Hämmern und Klopfen stets an seiner Seite. Was folgte, war eine Lehre als Ortho­pädie-Schuh­macher. Beim Sanitätshaus Ranacher sammelte er jahrelang Berufs­er­fahrung, bis im Juli des Vorjahres der Entschluss fiel, sich selbst­ständig zu machen. „Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, aber in der Aufbruch­stimmung nach Corona habe ich es dann riskiert. Was soll schon passieren?“, erinnert sich Reichard zurück. 

Start war für Schuh­doktor nicht einfach

Nur mehr wenige Schuh­macher gibt es in der Landes­haupt­stadt. Kärntenweit sind aktuell vier Lehrlinge in Ausbildung und es werde jenen, die den Schritt in die Selbst­stän­digkeit wagen, nicht leicht gemacht: „Ich bin seit 20 Jahren im Beruf und wusste genau, wie ich mir das vorstelle, aber mit der ganzen Bürokratie werden einem nur Steine in den Weg gelegt“, erzählt der Schuh­doktor.

Ein Jahr war er am Villacher Ring zu finden. Im Dezember 2023 hat er seinen Standort in die Kaufmann­gasse 3 neben dem Benedik­tiner Platz verlegt. In einem 300 Jahre alten Haus mit Gewölbe repariert er fortan Schuhe, Taschen, Koffer und Hüllen aus Leder. Aber auch Sattel und Geschirr für Pferde oder Leinen für Hunde sind kein Problem.

Alles ist möglich

Das wertvollste waren bisher handge­fer­tigte Schuhe im Wert von 3000 Euro, die eine Reparatur erfor­derten. Im Grunde ist alles möglich, in vielen Fällen sei es aber eine Kosten­frage: „Wenn ein neuer Schuh fast billiger als die Reparatur ist, dann überlegen sich das viele. Doch die Füße tragen uns durch unser ganzes Leben, man sollte ihnen mit dem Schuhwerk etwas Gutes tun.“ 

Da der Trend in Richtung Nachhal­tigkeit geht, werden die Aufträge mehr. Neben Privaten zählen das Stadt­theater oder Schuh­häuser aus Klagenfurt zu seinen Kunden. Jedes Paar wird wie gewünscht in Form gebracht, aufbe­reitet und imprä­gniert. Das Arbeiten mit Leder und der unver­kennbare Geruch sind die große Leiden­schaft des 36-Jährigen. 

Er selbst besitzt fünf Paar Schuhe

Selbst besitzt der Jungunter­neh­mer nur fünf Paar Schuhe, Motor­rad­stiefel inklusive. Diese braucht er für ausgiebige Spritz­touren mit seiner Harley Davidson oder Kawasaki als Ausgleich zum Arbeits­alltag. Auf die Frage, warum er sich nicht selbst neue Modelle anfertigt, kontert Reichard schmun­zelnd: „Ein Schuh erfordert 1000 Hammer­schläge, ein Paar somit 2000 und in Summe etwa zwei Monate Arbeitszeit – das geht sich neben all den Aufträgen wirklich nicht aus.“

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